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Ungewöhnliches Festspiel-Kammerkonzert im Haus für Mozart in Salzburg mit Symphonie für Klaviertrio und Schlagzeug

Trauer, Weltferne und Abschied musikalisch dargestellt

Schostakowitschs Symphonie in Kammermusikfassung boten im Haus für Mozart (von links) Martin Grubinger jun., Leonhard Schmidinger, Nicolas Altstaedt, Dejan Lazic, Vilde Frang und Martin Grubinger sen.. (Foto: Aumiller)

Ein Kammermusikabend der besonderen Art bot im Haus für Mozart ein intelligent zusammengestelltes Programm. Die Themen um Tod, Abschied, Weltflucht und -verlorenheit, gaben den düsteren Stimmungsgehalt.


Zu Beginn sollte das Schubert-Trio »Notturno« D 897, eine späte Komposition, ein nachtfarbener einziger Adagio-Satz, die Stimmung zu Schostakowitsch und Mahler einleiten. Leider war es den Interpreten Vilde Frang, Nicolas Altstaedt und Dejan Lazic leider nicht gegeben, die einzigartige Schönheit dieser Schubert-Kostbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Balance zwischen Klavier und Streichern war nicht so recht im Lot, die Streicher zu verhalten und emotional nicht ganz auf Schubert-Niveau. Wie ausgewechselt war dann das Trio bei Schostakowitsch.

Die Festspielreihe »Zeit mit Schostakowitsch« widmete sich seiner Symphonie Nr. 15. A-Dur op. 141, dem Spätwerk, das auch Querverweise zu seinen früheren Klangformen aufweist. Die hier gespielte kammermusikalische Fassung für Klaviertrio und drei Schlagzeuger stammt von dem Pianisten Viktor Derevianko und wurde von Schostakowitsch autorisiert und ist als op. 141a eine eigenständige Fassung Dabei sind die Schlagzeugpartien und die Soli für Violine und Cello großteils authentisch wie im symphonischen Original.

Hinzu kommt das Klavier, das mit den Streichern das Trio ergibt. Die Basisstimmung von Krankheit und Tod, die dieser Klansprache anhaftet, hat Schostakowitsch als eigene Schmerzerfahrungen erlebt, so entstand die 15. Symphonie auch teilweise im Krankenhaus. Es ist ein uneinheitliches Werk mit Brüchen, die aber interessante Klangfarben und schroffe Wechsel ergeben.

Sprödes und Parodistisches ist ebenso enthalten wie Melodik der Trauer, Zitate von Rossini und Wagner klingen an. Das Wechselbad der Stimmungen trat in dieser Fassung verstärkt hervor. Die Geigerin Vilde Frang, der Cellist Nicolas Altstaedt und der Pianist Dejan Lazic bildeten das Trio, Vater und Sohn Martin Grubinger waren zusammen mit Pauker Leonhard Schmidinger die Schlagwerker. Den Anfang des außergewöhnlichen Klangkörpers durfte man gleich zweimal hören, da nach wenigen Takten der Geigerin eine Saite riss und nach raschem Ersatz nochmals von vorne begonnen wurde. Auch wenn es etwa in der Mitte des Stücks mal einen kleinen Spannungshänger gab, waren die Ausführenden zweifellos für die hochkarätige Wiedergabe die bestens Zuständigen. Wonnevoll waren die Schlagzeuger, alle Drei, dazu die differenzierten Möglichkeiten des Paukers so »nackt« zu hören. Ein Erlebnis auch, mal Martin Grubinger als »zahmen« Klassiker zu erleben. Fabelhaft ohnehin. Die außergewöhnliche Darbietung gebot interessiertes Hinhören.

Nach der Pause verdichtete sich die düstere Stimmung. Einsamkeit und Weltflucht ist das große Thema in Gustav Mahlers Lied »Ich bin der Welt abhandengekommen« ebenso im »Abschied«, dem letzten Stück aus dem »Lied von der Erde«. Die Klavierfassung, die von Mahler selbst stammt, wenngleich erst um 1980 entdeckt, brachte die Begegnung mit Markus Hinterhäuser am Klavier und Matthias Goerne für den Gesangspart. Intellektueller geformt und dichter in der nachtfarbenen Klang- und Ausdrucksintensität als es hier von Sänger und Pianist interpretiert wurde, kann man es sich kaum denken.

Dabei waren es überwiegend die leisen, fahlen, dem Leben fernen Farben, die hier meisterlich eine feine eigene Dynamik entwickelten. Goerne changierte vom fast tonlos gesprochenen Pianissimo zu resignativer Lyrik und auch mal aufbrechend voller Stimmgewalt bis zum transzendent schwerelosen Schluss »ewig, ewig«. Hinterhäuser gestaltete den Klavierpart aus dem Wissen des orchestralen Pendants heraus, blieb in Kongruenz mit dem Sänger der dunklen Ausdrucksform verpflichtet, aufgehellt durch die textbezogenen folkloristisch chinesischen Einschübe. Er nützte das lange Zwischenspiel zum Untermauern des musikalischen Gehalts und schälte deutlich hörbar das mehrfach wiederkehrende Trauermarschthema heraus.

Außergewöhnlich wie der ganze Abend war auch die Zugabe von Bachs »Bist du bei mir«, exquisit gesungen und gespielt gewiss, aber es war dann doch viel Tod und Sterben an einem Abend. Elisabeth Aumiller