weather-image
21°

Tourismusregion nimmt neues Darlehen auf

Berchtesgaden – Erstmals seit 15 Jahren wird der Schuldenstand der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) zum Jahresende wieder ansteigen: von 4,1 Millionen Euro auf rund 4,3 Millionen Euro. Grund dafür ist unter anderem eine Darlehensaufnahme in Höhe von 750 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen in der Watzmann Therme und für die Attraktivierung des Freizeitbads vor der Neueröffnung im November. Das ist ein wesentlicher Posten im Wirtschaftsplan 2013, den der Zweckverband am Dienstag mit vier Gegenstimmen (Toni Altkofer, Irmi Aschauer, Jürgen Reiner, Dr. Bartl Wimmer) verabschiedete.

Der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee will das Hafnerhaus, in dem sich zurzeit die Romy-Schneider-Ausstellung befindet, verkaufen. Nur mit den veranschlagten Einnahmen von mindestens 400 000 Euro wird sich im Wirtschaftsplan 2014 ein Defizit vermeiden lassen. Doch die Veräußerung der Immobilie war ohnehin geplant. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Ungewöhnlich spät erfolgte die Behandlung des diesjährigen Wirtschaftsplans, weshalb einige Verbandsräte in der Diskussion (siehe eigener Artikel) teilweise etwas resignierend anmerkten, dass das Jahr ohnehin schon gelaufen sei. Verbandsvorsitzender Stefan Kurz begründete die Verschiebung mit dem geänderten Zeitplan für den Kurhausumbau und mit dem Brand in der Watzmann Therme am 16. Mai. »Wir mussten an den Zahlen immer wieder feilen«, so Stefan Kurz. Der versicherte allerdings, dass man »als Zeichen der Reue«, den Wirtschaftsplan 2014 ebenfalls noch heuer vorlegen werde.

Insgesamt ist die TRBK im aktuellen Wirtschaftsjahr noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, obwohl eine Schuldentilgung nach vielen Jahren des Schuldenabbaus heuer nicht möglich war. Grund dafür ist in erster Linie die großteils ausgefallene Pacht der Watzmann Thermen GmbH. Zu Buche schlägt heuer im Erfolgsplan 2013 ein Jahresverlust in Höhe von 408 000 Euro, in dem aber Abschreibungen von rund 783 000 Euro berücksichtigt sind. Der Finanzbedarf 2013 liegt unter Einberechnung der Zahlen im Vermögensplan (Investitionen, Darlehen, ...) bei 476 900 Euro. 482 000 Euro kommen hier noch von der Sonderstatus-Gemeinde Ramsau an Kurbeiträgen und 84 000 Euro vom Markt Berchtesgaden für den Standortvorteil, sodass sich am Ende ein Finanzüberschuss von 20 000 Euro ergibt. »2013 und 2014 brauchen wir somit keine Sonderumlagen von den Gemeinden erheben«, sagte Verbandsvorsitzender Stefan Kurz.

Dass man im Jahr 2014 vermutlich ebenfalls noch einmal einigermaßen gut über die Runden kommen wird, hängt auch mit dem ohnehin geplanten Verkauf des Hafnerhauses direkt neben dem Kongresshauseingang zusammen. Der soll mindestens 400 000 Euro bringen und würde damit das erwartete Defizit von 219 000 Euro in einen Überschuss von rund 181 000 Euro verwandeln. Freilich steht dahinter noch ein großes Fragezeichen, zumal im Jahr 2014 wieder eine Watzmann-Thermen-Pacht in Höhe von 120 000 Euro eingeplant ist.

Thomas Ilsanker, Leiter des Rechnungswesens in der TRBK, zeigte in seinem Finanzplan für die nächsten fünf Jahre auch auf, dass sich die finanziellen Verhältnisse des Zweckverbands verschlechtern werden. So prognostizierte er für die Jahre 2015 bis 2018 jährliche Defizite von jeweils rund 400 000 Euro oder darüber, falls sich die Vorzeichen nicht änderten. Doch Ilsanker geht davon aus, dass der Verband handeln wird: »Wir dürfen es so weit erst gar nicht kommen lassen.«

Verbandsvorsitzender Stefan Kurz sieht das genauso: »Ab 2015 fallen Verluste an, wir müssen deshalb Entscheidungen treffen.« So hat der Ausschuss bereits beschlossen, den Vertrag mit der Regionalverkehr Oberbayern GmbH bezüglich der Kurkarte als Busticket aufzulösen. »Wir werden hier nachverhandeln müssen. Es kann sein, dass es das Gästebusticket ab 2015 gar nicht mehr oder in veränderter Form gibt«, so Stefan Kurz. Auch über eine Kurbeitragsanhebung müsse man nachdenken.

Der diesjährige Wirtschaftsplan wird bereits von einer Darlehensaufnahme in Höhe von 750 000 Euro für die Watzmann Therme stark belastet. Für 250 000 Euro müssen laut Architektin Brandschutzmaßnahmen eingebaut werden. 500 000 Euro wird man außerdem in die Attraktivierung des Freizeitbads stecken, davon 120 000 Euro in ein neues Kassensystem (siehe Artikel rechts). Genau dieser Kostenpunkt mit dem Umbau der Saunalandschaft gefällt 3. Verbandsvorsitzendem Toni Altkofer nicht, weshalb er den Wirtschaftsplan 2013 genauso wie drei weitere Verbandsmitglieder ablehnte (siehe Artikel über die Diskussion). Ulli Kastner