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Tourismus ja, Touristen nein

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Touristen und Menschenmassen
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Foto: Symbolbild (pixabay)

Liebe Urlaubsgäste, verehrte Touristen, dear Pigprussians! Herzlich willkommen beim zweitmächtigsten Bergerlebnis der deutschen Alpen. Spür den Mythos. Feel the Myth.


Als Tourismusdestination von bayernweitem Weltruf setzen wir ganz auf Tourismus. Der Fremdenverkehr bringt uns Wohlstand. Aber eben auch Fremde.

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Und, ganz ehrlich: Premium-Urlauber sind das nicht. Eher so Downgrade-Draustige. Wir sind aber eine First Class Destination. Dazu passen keine Dennissoocken-in-Soondoolen-Sochsen, die im Skoda Fobio am Straßenrond übernochten und in ihren Jogginghosen jedes noch so romondische Roomsauer Gircherlbanooroma verbibschen. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Ein bisschen Fremdenfeindlichkeit darf man sich als Fremdenverkehrsort schließlich erlauben.

Unsere Bergwelt ist schön. Unsere Bergwelt ist einzigartig. Unsere Bergwelt bringt Geld. Und mit dem Jennerwahn, der Jennerbahn, ist gerade mal ein Berg geringfügig verschandelt. Aber, das waren nicht wir, sondern die Österreicher. Denen im Prinzip eh der ganze Talkessel gehört. Beziehungsweise ihren russischen Hintermännern. Die wiederum Geld haben und somit willkommen sind.

Um unsere Geldbergwelt für nachkommende Geldgenerationen zu erhalten, wurde kürzlich die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) durch die Berchtesgadener Land Operative Exclusive Destination Management GmbH („BLOED“) ersetzt. Deren Geschäftsführer Dieter Sargnagel und Dr. Birgit Schlagerl haben nun, nach nur zehnjähriger Entwicklungszeit, ihr Konzept zur Forcierung des Premiumstourismus, des Premiumtourismusses präsentiert. Dieses fußt auf vier Säulen.

Das Türsteher-Prinzip

In ist, wer drin ist. Und: Knapp ist Kult. Künftig entscheidet eine Casting-Jury, wer in Berchtesgaden Urlaub machen darf. Als Kandidaten kommen nur Personen infrage, die Folgendes haben: Geld, Tätowierungen, Vollbart, Permanent-Höhenrausch-Stirnband, Fahrradgepäckträger, der dauerhaft am VW-Bus montiert ist, ausdefinierter Bizeps und Trizeps, niedrige Ansprüche.

Pay here, stay there

Auf Initiative des Hettegger-Ausgleichsfonds möchte die umsatzstarke BLOED Entwicklungshilfe leisten. Und weniger angesagten Tourismusorten in Deutschland marketingtechnisch unter die armen Arme greifen. Mit der Offensive „Pay here, stay there“ blechen Interessenten vorab den satten Preis einer Berchtesgadener Nobel-Herberge, werden aber in einer Kaschemme ganz woanders eingebucht. Beispiele gefällig? Bitte: Bischofswiesen buchen, Bielefeld bekommen. Ramsau aussuchen, in Wutha-Farnroda einchecken. Schönau am Königssee anklicken, Schönau bei Ralbitz-Rosenthal angucken.

Urlaub auf der Baustelle

Der Gedanke hinter dieser innovativen Zukunftsidee: Urlaub auf dem Bauernhof ist out. Weil Bauern out sind. Die machen das Trinkwasser kaputt, quälen Ferkel und schreddern Küken. Außerdem gibt es immer weniger von denen. Also, von den Landwirten. Baustellen hingegen gibt es immer mehr. Seien Sie deshalb ein Teil des Talkessels, atmen Sie frischen Asphalt, begrapschen Sie den Bitumen und lassen Sie ihren nackten Oberkörper bewundern. Baustellen gibt es in der Hauptsaison an allen Hotspots der Berchtesgadener Landes.

Surdorf-Shuttle

Klar, jeder möchte dort Urlaub machen, wo es am schönsten ist. Aber, das geht halt nicht. Die Bettenkapazitäten und die Verkehrsinfrastruktur im Berchtesgadener Talkessel reichen nicht für jeden. Deshalb hat sich die BLOED etwas ganz Tolles ausgedacht. Nachts schlafen in Saalheim-Surdorf, fernab von allem. Morgens mit dem Shuttle-Bus ins richtige Berchtesgadener Land fahren.

Na, gefallen Ihnen diese Ideen? Dann schreiben Sie uns. Unter den Einsendern verlosen wir ein romantisches Wochenende im Hotel „Edelweiss“ in Berchtesgaden. Woraus vermutlich ein unvergessliches Weekend in der Hainich-Klitsche in Hütscheroda wird.

Christian Fischer