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Toni Palzer »fliegt« am Jenner zum Tagessieg

Schönau am Königssee - »Der Toni ist wieder fit«, scherzte Toni Palzer mit dem Publikum, das ihn am Samstag bei der Jenner-Bergstation jubelnd empfing. Dass der junge Ramsauer beim »Jennerstier« nach 600 Höhenmetern, die er in sagenhaften 25:41,30 Minuten bewältigte, noch genügend Luft für solche Scherze hatte, zeugt von der besonderen Klasse des 19-Jährigen. Nach überstandener Krankheit lief der Juniorenstarter seinem Spezl Sepp Rottmoser über die Sprintstrecke fast zwei Minuten davon. Wenigstens darf sich der drei Jahre ältere Rosenheimer über den offiziellen deutschen Meistertitel im Vertical Race (Aufstiegsrennen) freuen, der traditionell in der Herrenklasse vergeben wird. Jubeln durfte auch Judith Graßl. Die mittlerweile 44-jährige Ramsauerin konnte ihrer umfangreichen Titelsammlung als schnellste Dame einen weiteren Meistertitel hinzufügen.

Gleich vom Start weg legten die Skibergsteiger ein flottes Tempo vor. Anzeiger-Fotos

Beste Bedingungen gab es am Jenner, wo die Alpenvereinssektion Berchtesgaden mit Unterstützung der Jennerbahn alle Voraussetzungen für einen gelungenen Wettkampf geschaffen hatte. Streckenchef Richard Lenz freute sich über das Lob von Mathias Keller, beim Alpenverein zuständig für den Spitzenbergsport: »Die Sektion Berchtesgaden hat hier beste Arbeit geleistet.« Die wurde auch belohnt durch die verstärkte Teilnahme von Sektionsmitgliedern und Einheimischen. Immerhin fließen die Jennerstier-Ergebnisse in die Wertung eines heuer ausgeschriebenen Berchtesgadener Skitourencups ein.

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Der Start für die 70 Teilnehmer beim Aufstiegsrennen erfolgte direkt neben der Jennerbahn-Mittelstation, das Ziel war auf der Terrasse der Jennerbahn-Bergstation eingerichtet. Die Wettkämpfer selbst hatten sich für eine verkürzte Strecke ausgesprochen - den Organisatoren war es recht. Um die Anforderungen noch ein wenig zu erhöhen, wurde über die letzten 50 Höhenmeter unterhalb der Bergstation noch eine Tragestrecke eingerichtet. Die Skier mussten in der Wechselzone auf den Rucksack geschnallt werden. Zahlreiche Zuschauer konnten hier vom Jennergrat aus hautnah die Endspurts der Sportlerinnen und Sportler mitverfolgen. So mancher wurde auf den letzten Metern sogar noch überholt.

Das galt natürlich nicht für Toni Palzer. Der junge Ramsauer, der eine Woche zuvor noch bei der »Mountain Attack« in Saalbach das Rennen wegen Krankheit abbrechen musste, zeigte sich wieder topfit und tauchte mit deutlichem Vorsprung im oberen Spinnergraben auf. Teilweise im Laufschritt spurtete er die letzten steilen Höhenmeter hinauf, um noch vor dem Ziel das Publikum mit breitem Grinsen wissen zu lassen, dass »der Toni wieder fit ist«. Dabei war er sich dessen am Anfang des Rennens selbst nicht ganz im Klaren. »Ich musste anfangs schon etwas kämpfen, um mit dem Seppi mithalten zu können. Und ich wollte mich auch nicht gleich überfordern«, sagte Toni der Heimatzeitung. So blieb er erst einmal hinter seinem Spezl. Als er am Anfang des Spinnergrabens aber noch genügend Reserven hatte, zog Toni das Tempo an und konnte dann einen deutlichen Vorsprung herauslaufen. Zum Ende des Rennens konnte er es dann fast gemütlich ausklingen lassen. Knapp zwei Minuten dahinter (27:29,52 Minuten) kam Sepp Rottmoser ins Ziel, Dritter wurde Konrad Lex aus Peiting (27:41,00).

Judith Graßl hatte wohl selbst nicht mehr daran geglaubt, noch einmal einen deutschen Meistertitel einzufahren, zumal ihre Stärke eigentlich die Abfahrt ist. Natürlich profitierte die Ramsauerin am Jenner davon, dass die Seriensiegerinnen Barbara Stockklauser (früher Gruber) und Steffi Koch-Klinger vom Rennsport zurückgetreten sind. Doch Judith Graßl ließ bei diesem Aufstiegsrennen immerhin neun starke, zumeist deutlich jüngere Skibergsteigerinnen hinter sich. Nach 37:57,80 Minuten hatte sie die Bergstation erreicht. Dabei hatte sich die Ramsauerin erst am Morgen zur Teilnahme entschieden. Und der Start verlief auch alles andere als glücklich. Denn Judith Graßl hakte nach wenigen Metern mit der Ferse in der Bindung ein und musste erst umständlich alles korrigieren. »Ich dachte mir, jetzt ist es eh gelaufen«, erinnerte sich Judith Graßl im Ziel an ihr Malheur. Doch als sie ihren Rhythmus wieder gefunden hatte, lief es wieder gut.

Einen hervorragenden 2. Platz sicherte sich hinter Judith Graßl die Schönauerin Christine Stöger (38:42,59), die alles aus sich herausholte, um noch vor der Garmischerin Manuela Hartl (38:44,06), die ihr dicht auf den Fersen war, ins Ziel zu kommen. Gerne wartete das Publikum im Ziel auch noch auf den bald 70-jährigen »Ostwandkönig« Heinz Zembsch. Der wurde zwar »nur« Vorletzter. Doch in 1:05:05,56 Stunde von der Mittelstation zur Bergstation aufzusteigen, ist auch für einen wesentlich Jüngeren noch eine starke Leistung.

Zahlreiche Bilder vom Jennerstier gibt es in der Mediengalerie. UK