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»Tief in der Heimat verwurzelt«

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Die neu geschaffene Skulptur des Traunsteiner Malers und Heimatforschers Max Fürst von dem Siegsdorfer Künstler Walter Angerer dem Jüngeren ist ein Blickfang inmitten der Ausstellung in der Klosterkirche Traunstein. (Foto: Giesen)

Eine umfassende Werkschau des bedeutenden Traunsteiner Malers, Schriftstellers und Heimatforschers Max Fürst hat der Historische Verein für den Chiemgau nun eröffnet. Anlässlich seines 125-jährigen Bestehens zeigt der Historische Verein eine Doppelausstellung zu Max Fürst im Kunstraum Klosterkirche sowie im Heimathaus Traunstein.


Werner Paul Hellmuth, Ehrenmitglied des Historischen Vereins, machte es sich nach seiner Pensionierung zur Aufgabe, zu dem bekannten Traunsteiner Max Fürst, der auch Namensgeber des seit 2002 verliehenen Preises an verdiente Heimatforscher ist, so viele Werke und Forschungsergebnisse wie nur möglich zusammenzutragen. Hellmuth konzipierte die umfangreiche Präsentation mit Freskenentwürfen und religiöser wie auch historischer Malerei, Ölporträts und vielen historischen Fotos zum Werk von Max Fürst. Bei der Vernissage in der Klosterkirche erinnerte Hans Helmberger, Vorsitzender des Historischen Vereins, an die verschiedenen Stationen im Leben von Max Fürst, der seit 1909 auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Traunstein ist.

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1846, als Sohn eines Traunsteiner Mesners geboren, studierte Fürst ab 1863 in München an der Königlichen Akademie der Künste für die Antikenklasse. Schon 1869 erhielt er den Jahrespreis und die Silbermedaille der Akademie für sein Gemälde »Moses schützt die Töchter des Jethro«. 1872 begab sich Fürst auf eine Italienreise, auf der er sich vor allem mit Michelangelo, Raphael und Leonardo da Vinci befasste, wobei er später auch ein Buch über die alten italienischen Malschulen verfasste. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in München nieder, wo er zahlreiche Wandgemälde in vielen Kirchen in ganz Bayern und weit darüber hinaus – bis Straßburg – malte. Seine umfangreichste Arbeit sind die 30 Deckenfresken, die er in den Jahren von 1904 bis 1909 für die Pfarrkirche St. Oswald in Traunstein malte.

An vielen Orten der Region sind Max Fürsts Gemälde, vor allem in Kirchen, zu bewundern, so zum Beispiel in der Antonius Kapelle in Maria Eck, wo er Wandfresken zur Antonius-Legende schuf, oder in der Pfarrkirche in Grabenstätt, die er vollständig ausmalte.

Neben seinen vielfältigen Arbeiten als Maler schrieb Max Fürst unter anderem 1901 das »Biographische Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach«, in dem eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten mit ihren wichtigsten Tätigkeiten verzeichnet ist und das im Rahmen der Ausstellung auch im Heimathaus Traunstein zu haben ist. Fürst verfasste außerdem das Buch »Traunstein im 19. Jahrhundert« und verschiedene lokalhistorische und kunsthistorische Schriften, darunter »König Ludwig I. und seine Bauwerke«. Max Fürst starb am 30. August 1917 in München.

Hans Helmberger betonte bei der Vernissage auch die menschlichen Seiten des Künstlers. So sei er als humorvoller Mitbürger bekannt gewesen, der das Künstleralbum vom Hochfelln begründete, das neben vielem anderen im Heimathaus Traunstein ausgestellt ist. Fürst war Mitglied in verschiedenen Traunsteiner Vereinen, so auch in der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft, der er eine große, in der Klosterkirche ausgestellte Schützenscheibe malte.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke sagte in seinem Grußwort, dass in der Klosterkirche bei dieser Ausstellung »die passende Kunst am passenden Ort« sei. Sie zeige, wie tief der Künstler Max Fürst in Traunstein und im Chiemgau verwurzelt gewesen sei. Der Maler und Heimatforscher habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Wurzeln der heimischen Gesellschaft zu erhalten und zu transportieren. Für die damalige Gesellschaft sei es bezeichnend gewesen, dass Fürst als gebildeter Mensch in viele Richtungen gedacht und sich nicht nur der Kunst verschrieben habe.

Bei einem ausführlichen Rundgang führte Werner Paul Hellmuth durch die Klosterkirche und gab Erläuterungen zu den einzelnen Kunstwerken. Diese Ausstellung sei nur der Anfang vieler notwendiger, weiterer Arbeiten, sagte Hellmuth. Er wolle ein »Langzeit-Projekt« anstoßen. Seiner Meinung nach sollten alle Werke von Max Fürst öffentlich gemacht und digitalisiert werden, um sie weiteren Forschungen zugänglich zu machen.

Die zweigeteilte Ausstellung »Max Fürst als Maler« ist bis Sonntag, 11. Mai, im Kunstraum Klosterkirche zu sehen, »Max Fürst als Heimatforscher« bis Pfingstmontag, 9. Juni, im Heimathaus. Die jeweiligen Öffnungszeiten sind werktags von 10 bis 15 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr. Christiane Giesen

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