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Thema Schulprobleme einmal etwas anders

Das zweite Schauspiel des noch jungen Theatervereins Ising, das neue Stück »35 Kilo Hoffnung«, überzeugte in jeder Hinsicht. Die ausgezeichnete Regie- und Bilderarbeit von Regisseur Marc Bouvet brachte das leider nur zu aktuelle Thema »Bildungsnotstand« trotz Zeitverläufen und Mehrfachbesetzungen der Nebenrollen klar und verständlich auf die Bühne.

Sie haben es alle nicht leicht: Das Foto zeigt (v. l.) den Vater (Laurentius Fischer), Camille (Nina Benekam) und die Mama (Kirsten Benekam). (Foto: Hans Eder)

Die Geschichte der 13-jährigen Camille ist von Anna Gavalda ursprünglich als Jugendroman verfasst und von Petra Wüllenweber zum Bühnenstück umgearbeitet worden.

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Das Stück erzählt in lustigen wie auch ernsten Passagen den beschwerlichen Alltag eines jungen Mädchens in Schule und Familie. Camille (Nina Benekam) droht in dem leistungsbezogenen Schulsystem unterzugehen, das ihrer eigentlichen handwerklichen Begabung keinen Raum zur Entfaltung und Selbstbestätigung lässt.

Trotz aller Kritik am herrschenden Schulsystem wird bei diesem Stück deutlich, wie vielschichtig diese Problematik eigentlich ist und dass es zu kurz greifen würde, einer der beteiligten Personengruppen, seien es Eltern, Lehrer, Gesellschaft oder Schüler, den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben. Vielmehr zeigt dieses Stück die Entwicklungs- und Lösungsmöglichkeiten für Camille selbst auf, die es sich in ihrem Unglücklichsein zuerst recht gemütlich gemacht hat. Mit Hilfe ihres geliebten Opas, anrührend und überzeugend gespielt von Marc Bouvet, versucht sie, die Probleme zunehmend selbst in die Hand zu nehmen.

Aber eine gute Geschichte wäre natürlich nur die Hälfte wert, wenn sie nicht überzeugend von den Schauspielern dargeboten werden würde. An erster Stelle muss da die junge Nina Benekam genannt werden, die in all den emotionalem Facetten der Camille von Zorn, Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, aber auch Kraft, Fantasie und Ideenreichtum zu überzeugen wusste.

Die unglaubliche schauspielerische Leistung lässt hoffen, dass Nina nicht zum letzten Mal auf der Bühne stand. Kirsten Benekam als Mutter und Mitschüler von Camille wie auch Laurentius Fischer als Vater, Großmutter (!) und Nachbar vervollständigten das Bild eines wunderbaren Theaterabends. Auch das Bühnenbild darf nicht unerwähnt bleiben, das in seiner Einfachheit, aber auch Verwandlungsfähigkeit immer wieder überraschte.

So bleibt eigentlich nur noch die Empfehlung, sich dieses meisterhaft inszenierte und gespielte Schauspiel anzusehen. Dazu gibt es noch die Gelegenheit am 28. und 30. Juni sowie am 5. und 13. Juli. Kartenvorbestellungen sind möglich unter Telefon 08669/5263. Das Ensemble wäre auch bereit, für Schulklassen zusätzliche Termine anzubieten, um sich mit diesem aktuellen Thema auf diese Weise auseinanderzusetzen – gerade jetzt, wo der nachlassende Schulstress am Ende des Schuljahres mehr Freiraum lässt. he