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»The Hurricanes« länger als die Stones aktiv

In Erinnerungen schwelgend, blättern Leo Brunner (66) und Walter Veitinger (63) in einem handgebundenen Fotoalbum. Braver als heute sahen die beiden Gründungsmitglieder der Kultband »The Hurricanes« 1962 auf dem ersten Bandfoto aus. Dennoch empörte sich die Bevölkerung über die Burschen im einheitlichen Anzug und mit Elvis-Locke: »Stromgitarren« und Schlagzeug in Inzell, das ging gar nicht! Damals waren sie Revolutionäre, heute sind sie Oldies. Geblieben ist der Spaß an der Musik. Jede Menge Spaß versprechen die Musiker auch fürs Jubiläumskonzert zu ihrem 50-Jährigen am Samstag ab 20 Uhr im Festsaal Inzell. Karten gibts nur an der Abendkasse. Einlass ist um 19 Uhr. Als Support-Band spielt »Club 3«.

Das älteste Bandfoto, erstellt im Studio von Sepp Kehr (v.li.): Leo Brunner, Pilo und Walter Veitinger sowie Karl-Heinz Dießbacher. (Repro: Mergenthal)

Als »The Hurricanes« zum ersten Mal auf der Bühne standen, tauchten in Großbritannien gerade erst die Beatles am Horizont auf. Die Stones gab es offiziell noch nicht. Elvis Presley war der internationale Star. In Deutschland waren Schlager von Conny Froboess, Rex Gildo oder Freddy Quinn »in«. Der Erfolgsfilm des Jahres der Kuba-Krise, in dem Konrad Adenauer noch ein Jahr lang regieren sollte, war »Frühstück bei Tiffany«.

Die Idee zur Bandgründung hatte Pilo Veitinger, damals 17. Er begeisterte seinen 14-jährigen Bruder Walter und Karl-Heinz Dießbacher, damals 18, dafür. Der 16-jährige Leo Brunner kam als letzter dazu und wollte auch Gitarre spielen. »Aber die haben gesagt: Spinnst du, Gitarren hamma scho gnua, a Schlagzeug brauch’ man no«, erinnert sich der Friseur schmunzelnd. So wurde er Drummer. Zu Weihnachten 1961 bekam er sein erstes Schlagzeug.

Bereits vor dem April 1962 hatten die Vier viele Auftritts-Angebote, etwa im legendären »Seeteufel« in Waging. Schweren Herzens sagten sie damals ab: Sie hatten noch nicht genug Stücke für vier Stunden. Für die erste Anlage der Band streckte Walters und Pilos Vater das Geld vor, immerhin 2000 Mark. Bald ging die Post ab, wo immer die Hurricanes auftraten - in ihren Anfangsjahren vor allem in den Tanzcafés in Traunstein, Ruhpolding und Reichenhall und später in der »Frillensee-Klause« in Inzell.

Die Urbesetzung hielt fünf Jahre. Dann stieg Karl-Heinz Dießbacher aus, 1971 auch Pilo Veitinger. Franz Dunst, bis heute Bassist, und Erich Dobler (Rhythmusgitarre und Keyboards) kamen dazu. Eine schöpferische Pause von 1980 bis 1990 folgte: Die meisten waren junge Väter und Walter beim Eishockey sehr aktiv, wo er von 1964 bis 1983 in der 1. Mannschaft gespielt hatte. Im Jahr 2000 entstand die heutige Besetzung mit Sänger Herbert Ringsgwandl, ehemaliger Skirennläufer, und Gitarrist Herbert Lang, beide 48.

Heute heizen die »Hurricanes« regelmäßig am Strand von Jesolo, beim Eisspeedway in Inzell, nach Traditions-Umritten in der Region, auf Burg Kaprun und bei Benefizkonzerten ein. Ob es 2013 weitergeht, ist offen. Franz Dunst verabschiedet sich mit der Silvesterparty im Inzeller Hotel Kienberg aus der Band.

Das schönste Jubiläumsgeschenk für die »Hurricanes« wäre daher ein neuer Bassist, der menschlich und musikalisch zu ihnen passt und das anspruchsvolle Repertoire schnell drauf hat. Drei potenzielle Nachfolger für Dunst haben sich inzwischen bei der Band gemeldet. Titel wie »Hotel California« (Eagles), »Sultans of Swing (Dire Straits) oder »Wish you were here« (Pink Floyd), aber auch Eric Clapton, CCR, Stones, Beatles und vieles mehr spielen die Kult-Rocker, denen als junge Band die Profi-Karriere offen stand, so originalgetreu wie möglich nach. Weitere Auftrittstermine unter www.the-hurricanes.de. Veronika Mergenthal