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Tatort: Tod und Spiele

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Tatort: Tod und Spiele
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Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon) undercover im Kampfsport-Studio. Foto: Thomas Kost/WDR Foto: dpa

Beim Dortmunder «Tatort» taucht man ein in menschliche Abgründe. In eine Kampfsportszene, die keine Grenzen kennt. Überraschend wie erfreulich am Rande der Story: Kommissar Faber entwickelt sich vom zynischen Ekel in Richtung Mensch.


Dortmund (dpa) - Es beginnt mit verbrannten Menschenknochen. Am Stadtrand entdeckt ein Obdachloser die menschlichen Überreste in einer Industriehalle in einer Feuerstelle.

Im Dortmunder «Tatort - Tod und Spiele» übernehmen die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt). In der Asche finden sie einen Schlüssel, der sie zu einem Hotelzimmer führt. In dem liegt ein verängstigter Junge unterm Bett versteckt. Er versteht nichts, kein Wort, in keiner Sprache. Dabei er ist womöglich der einzige Zeuge in einem Mordfall.

Die Spur führt in eine extrem brutale, illegale Kampfsportszene. Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon) - er tritt gerade erst seinen Dienst in der Dortmunder Mordkommission an - muss sofort ran und volles Risiko eingehen. Unfreiwillig. Der grantige Chef Faber will es so. Also in rein in einen dubiosen Fightclub und rein in den Ring. Dem Darsteller Okon hat das beim Dreh so einiges an Training abverlangt. Pawlak hängt sich im Club an einen Tschetschenen, der dort als Trainer arbeitet und offenbar bei illegalen Kämpfen antritt.

Parallel dazu ermittelt Bönisch undercover, checkt als Tanja Mayerfeld in dem Hotel ein, zu dem der gefundene Zimmerschlüssel passte. Hier ist auch der zwielichtige Multimilliardär Oleg Kombarow abgestiegen. Sie erobert ihn in kürzester Zeit - und sie kommen sich extrem nahe, so nahe sich Mann und Frau eben kommen können. In anderen «Tatorten» wäre eine Kommissarin dafür vom Fall abgezogen worden. Der russische Oligarch vertraut ihr jedenfalls schnell, nimmt sie mit in die illegale Fighterszene. Abstoßende menschliche Abgründe tun sich auf.

Die Kommissare kommen voran. Jeder für sich. Aber Faber missfällt die Nähe seiner Kollegin zu dem zwielichtigen Russen: «Frau Bönisch, Sie werden, nur weil er viel Kohle hat - und was auch immer - nicht plötzlich unprofessionell, oder?» Antwort: «Sind Sie eifersüchtig? Wär' doch mal 'ne menschliche Regung.» Die üblichen galligen Dialoge zwischen den beiden Ermittlern fehlen auch diesmal nicht. Aber, Überraschung: Faber zeigt spürbar Empathie, die Fassade des verbitterten, weil traumatisierten Ekels bröckelt.

Daran hat auch der kleine Junge seinen Anteil, der Zutrauen ausgerechnet zu Faber fasst. Auch Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) stellt fest: «Da mag Sie jemand. Muss ein ganz neues Gefühl für Sie sein». Sie ist zur Babysitterin abkommandiert, wacht Tag und Nacht im Präsidium über das Kind - allerdings am Ende mit mäßigem Erfolg.

Manche unvorhersehbare Wendungen gibt es in dem insgesamt spannenden «Tatort». Einiges Staunen lösen aber am Rand der Geschichte die Anzeichen für Fabers Veränderungsprozess aus. Es kommt sogar es zu einer Premiere: «Sie haben gelächelt», staunt Bönisch ungläubig. «So ein kleines sympathisches Lächeln.» Aha, erwischt. Faber reagiert trocken. Aber zugleich auf nette Weise selbstironisch: «Das gibt meine Gesichtsmuskulatur gar nicht her.»

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