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Tango auf fliegendem Teppich

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Einmal mehr begeisterten die vier Ausnahme-Musiker von »Quadro Nuevo« samt Gastmusiker Chris Gall (links) bei zwei Konzerten in der Traunsteiner Kulturfabrik. (Foto: Heel)

Dass es kaum eine Musik- oder Stilrichtung gibt, in der sich »Quadro Nuevo« nicht heimisch fühlen würde, hat die 1996 gegründete Band bereits viele Male eindrucksvoll bewiesen.


Ob Tango oder orientalische Musik, französische Valse Musette oder Flamenco, Balkan-Swing oder Lieder aus Italien, immer waren die vier Ausnahme-Musiker, von Fernweh getrieben, auf der Suche nach Inspiration und magnetischen Melodien. Eine Suche, die sie durch viele Länder der Welt geführt hat, mit unzähligen Auftritten nicht nur in Konzertsälen und auf Festivals. Die spielsüchtigen Virtuosen reisen auch als Straßenmusikanten durch südliche Städte oder fordern als nächtliche Tango-Kapelle zum Tanz auf. Ihre Alben wurden vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem ECHO Jazz als bester Live Act.

Jetzt waren Mulo Francel (Saxophon/Klarinette), Andreas Hinterseher (Akkordeon) und D. D. Lowka (Kontrabass/Percussion) wieder einmal in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo sie an zwei ausverkauften Abenden ihr Publikum begeisterten. Als Gastmusiker hatten sie den Jazz-Pianisten Chris Gall dabei, einen überaus talentierten Mann mit vielen eigenen Ideen, der sie seit einiger Zeit bei ihren Tango-Programmen begleitet.

Folglich stand der Tango auch im Mittelpunkt ihrer zwei Konzerte, wobei sie neben Bearbeitungen von Werken wie »Por una cabeza« (Carlos Gardel) oder »Libertango« (Astor Piazzolla) auch schwungvolle Eigenkompositionen präsentierten, angeregt durch einen mehrwöchigen Aufenthalt in Buenos Aires, wo sie, einquartiert in einer alten Stadtvilla, allabendlich (per Taxi) ausgeschwärmt waren und sich kopfüber in die Szene gestürzt hatten.

Den nachträglichen Soundtrack dazu lieferte D. D. Lowka mit seinem Stück »Buenos Aires Taxi Driver«, einem kleinen Dankeschön an all die Taxifahrer, die sie auf ihren Ausflügen durch die 15-Millionen-Metropole mit wertvollen Tipps versorgt hatten. Dazu gab Mulo Francel eine nette Anekdote zur Erfindung des Tangos zum Besten: Weil die leichten Mädchen im Hafen von Buenos Aires nicht immer gleich ein freies Zimmer hatten, gingen sie mit ihren Kunden in der Wartezeit tanzen, damit die erotische Spannung erhalten blieb. Und der Tango ward geboren!

Von Chris Gall, der »Quadro Nuevo« auf ihrem Buenos Aires-Trip begleitet hatte, stammte das Stück »Yorke’s Guitar«, eine so kraftvolle wie warme Hommage an den Gitarristen Thom Yorke. Ein Stück übrigens, mit dem »Quadro Nuevo« kürzlich ihre erste »Hitsingle« aufgenommen hätten, wie Francel Mulo schmunzelnd dazu erklärte. Nicht minder eindrucksvoll geriet Chris Gall die verspielte Eigenkomposition »Der Puppenspieler«, inspiriert von dem Film »Being John Malkovich«.

Doch damit nicht genug. Nach ihrer jüngsten Reise nach Buenos Aires hatte es »Quadro Nuevo« nach Ägypten gezogen, wo sie unter anderem in den Opernhäusern von Kairo, Alexandria und Damanhur spielten. Entstanden ist aus dieser Reise das Album »Flying Carpets«, eine spannende Mischung aus arabischen Klängen, Tango und europäischem Jazz. Mit zwei Stücken daraus, »Café Cairo« und »Ikarus’ Dream«, verabschiedete sich die Band von ihren Fans, die wieder einmal ein ganz besonderes Konzert erlebt hatten: Grandiose Musik, präsentiert von vier so kreativen wie liebenswürdigen Musikern.

Unter den Zugaben gefiel besonders die geradezu betörende Interpretation des Lieds »Paroles, Paroles«, mit dem die ägyptisch-stämmige Sängerin Dalida (1933 bis 1987) und der Schauspieler Alain Delon 1972 einen Hit landen konnten. Wolfgang Schweiger