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Tahiti hat Platz im Herzen der Fußball-Welt

Rio de Janeiro (dpa) - Mikael Roche hat einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern sicher. Tahitis Torwart ist der erste Schlussmann, der beim Confed Cup zehn Treffer in einem Spiel kassierte.

Augenhöhe
Tahitis Torwart Mikael Roche (l) empfängt die Glückwünsche seines spanischen Gegenübers Pepe Reina. Foto: Felipe Trueba Foto: dpa

Und doch muss man sich Roche als glücklichen Menschen vorstellen. Mehr als 70 000 Fans feierten den Keeper von AS Dragon im Fußball-Heiligtum Maracana nach dem 0:10 des Meisters aus Ozeanien gegen den Weltmeister Spanien. Der Schlussmann wurde zur Symbolfigur eines Team mit begrenzten Möglichkeiten, aber großem Herzen.

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«Es ist unglaublich, was uns hier passiert ist. Wir sind in Brasilien bekannter als in unserer Heimat», sagte Trainer Eddy Etaeta. Und doch war der Coach, von seinen Spielern liebevoll Dad genannt, nicht recht froh über den Abend im Maracana. «Vielleicht sind wir manchmal zu respektvoll gewesen», monierte er. Fast schon rührend war die Szene vor Spielbeginn, als die komplette Ersatzbank Tahitis zur spanischen Reserve ging und alle Hände geschüttelt wurden. Muschelketten gab es für den übermächtigen Gegner gratis.

Am Sonntag endet die Märchenreise des Ozeanienmeisters mit dem Spiel gegen Uruguay in Recife. Dann geht es zurück in die Heimat. Doch Etaeta will wieder kommen auf die große Fußball-Bühne, gestärkt durch die Erfahrungen in Brasilien. Bei der WM 2014 ist das nicht möglich. Die Qualifikation wurde schon verpasst. «Aber es gibt 2018 und 2022 noch eine WM», sagte Etaeta. Und das Rezept hat er schon parat: Professionalisierung.

«Wir müssen Spieler ins Ausland bringen», sagte er. Um die «riesige Lücke» zu schließen, solle zudem die Jugend besser ausgebildet werden. Marama Vahirua ist der Einzige, der sein Geld schon im Ausland verdient hat und 2001 mit dem FC Nantes gar französischer Meister wurde.

Für Torwart Roche werden sich die Auslandsofferten wohl in Grenzen halten. In Rio de Janeiro bekam er von Spaniens Torwart Pepe Reina immerhin dessen Trikot geschenkt und einen freundlich gemeinten Rat: «Was auch immer passiert, wir sollten nie vergessen, wir haben beide im Maracana gespielt.»