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Tage des letzten Schnees

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Tage des letzten Schnees
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Das gemeinsame Abendessen ist seltener geworden: Tanja (Christina Große) und Markus Sellin (Bjarne Mädel) mit ihrem Sohn Titus (Moritz Thiel). Foto: ZDF/Marion von der Mehden/dpa Foto: dpa

Bjarne Mädel als erfolgreicher Banker im Anzug und mit einer jungen Geliebten - der Hamburger Schauspieler zeigt derzeit mit jedem neuen Film ein neues Gesicht. Nun ist er in einer düsteren Romanverfilmung mit Henry Hübchen, Victoria Mayer und Barnaby Metschurat zu sehen.


Hamburg (dpa) - Der Schauspieler Bjarne Mädel war lange vor allem für lustige und extravagante Rollen bekannt. Als Ernie in »Stromberg«, Schäffer in »Mord mit Aussicht«, Schotty in »Der Tatortreiniger« oder Dealer Buba in »How to Sell Drugs Online (Fast)« hat er sich fast schon einen Kultstatus bei vielen Zuschauern erspielt.

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Mittlerweile aber streift der Theater- und Fernsehschauspieler das klamaukige Image mit jedem Film mehr und mehr ab. Im ZDF-»Fernsehfilm der Woche« ist der 51-Jährige am Montag um 20.15 Uhr erneut in einer ernsten Rolle zu sehen. In »Tages des letzten Schnees« von Regisseur Lars-Gunnar Lotz spielt der Wahl-Berliner den verheirateten Banker Markus Sellin, der sich in die junge Lisa (Mercedes Müller) verliebt und damit nicht nur sein Leben ins Verderben stürzt.

Eingebettet ist diese Geschichte in einen zweiten Erzählstrang, der nicht weniger tragisch ist: Familienvater Lars Eckert (Barnaby Metschurat) baut auf dem Heimweg vom Eishockeytraining seiner elfjährigen Tochter im Schneetreiben einen Autounfall. Er überlebt. Seine Tochter stirbt.

Eckert ist davon überzeugt, dass ein zweiter Autofahrer involviert war. »Es war nicht meine Schuld. Da war ein Licht, ein anderes Fahrzeug. Wir wurden abgedreht«, beteuert er gegenüber dem Hamburger Kriminalhauptkommissar Johannes Fischer (Henry Hübchen) immer wieder. Doch Beweise dafür finden sich nicht. Eckerts Frau (Victoria Mayer) zweifelt in tiefer Trauer auch noch an der Unschuld ihres Mannes.

Das verbindende Element zwischen den beiden Welten von Banker Sellin und Familienvater Eckert ist zunächst nur der Polizist. Denn der ermittelt nicht nur wegen des Autounfalls, sondern findet am nächsten Morgen zudem die erschossene Lisa in einer Hamburger Wohnanlage.

Bjarne Mädel wollte in diesem Film auch wegen der Kollegen gern mitspielen. »Das gesamte Ensemble ist wirklich herausragend. Über Mercedes Müller als Spielpartnerin bin ich mehr als froh. Wir sind ja ein etwas fragwürdiges Pärchen wegen des großen Altersunterschiedes, aber es fiel mir nicht schwer, mich in diese Frau zu verlieben«, sagte Mädel der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Zusammenarbeit mit Hübchen habe ihn begeistert. »Es war toll, dass ich Henry endlich mal kennenlernen durfte. Er hat mich total geprägt, was mein Theater-Verständnis und meine schauspielerische Entwicklung angeht.« Als angehender Theaterschauspieler habe er Hübchen oft an der Berliner Volksbühne gesehen.

Doch auch der Plot des Films nach dem Roman von Jan Costin Wagner habe ihn begeistert. »Das, was ich in dem Roman so toll fand, ist in unserem Film echt gut umgesetzt worden. Was im Roman wesentlich war, konnte im Film gerettet werden.« So sei »Tage des letzten Schnees« spannend und überraschend zugleich. »Ich finde spannend, wie die Geschichten der beiden Pärchen miteinander verknüpft sind. Ich mag auch gern, wie der Krimi den roten Faden im Hintergrund bildet, an dem das Drama hängt.«

Das Krimidrama »Tage des letzten Schnees« ist weit entfernt von einem Gute-Laune-Film. Weite Strecken kommt er düster und schwer daher. Jeder Charakter hat für sich mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Die verzweifelte Trauer um die Tochter, um das Ende einer Ehe, um die spät entdeckte Liebe zur Ehefrau, die dann an Krebs erkrankt - unaufgeregt und ruhig im Ton zeigt Regisseur Lars-Gunnar Lotz auch die Sprachlosigkeit, die mit diesen persönlichen Dramen einhergeht.

Mädel gibt eine klare Empfehlung: »Ich würde sagen, nimm dir 'ne Packung Taschentücher mit auf's Sofa, denn es ist wirklich ein hartes Drama. Es lebt von den Schauspielern, es ist toll gefilmt und großartig gespielt. Alle sind toll, aber Victoria Mayer ist der Hammer.«

Und seiner eigenen Oma würde er noch sagen: »Du kannst mich auch mal schön im Anzug sehen, weil ich einen Banker spiele. Also in einer Rolle, die ich sonst eher selten angeboten bekomme: einen erfolgreichen Geschäftsmann.«