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Tänzerische Reise durch die Märchenwelt und den Advent

Bereits seit 15 Jahren bereichert die Ballettschule am Taubenmarkt in Traunstein unter der Leitung von Teodor Rusu und Marion Vitzthum-Rusu mit ihren Ballett-Abenden das Traunsteiner Kulturleben. Das Kulturangebot im Landkreis Traunstein ist sehr groß und vielschichtig und dennoch wird die Kunst des Tanzes als künstlerisches Ausdrucksmittel nicht in den Maßen gezeigt wie andere musikalische oder bildnerische Präsentationen.

»Der gestiefelte Kater« mit Viktoria Mack und Hanna Hailer (links) war eines der getanzten Märchen.

Teodor Rusu und Marion Vitzthum-Rusu wollen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen etwas von dem Vergnügen und der Faszination vermitteln, die der Tanz für sie bedeutet. Es ist bereits zur festen Einrichtung im Traunsteiner Kulturleben geworden, dass die Ballettschule alle zwei Jahre Ende November und Anfangs Dezember zwei Ballettabende veranstaltet. Auch die diesjährigen Aufführungen mit dem Thema »Reise durch die Märchenwelt und den Advent« begeisterten das Publikum ganz besonders.

Wie bei all ihren Veranstaltungen haben es Teodor Rusu und Marion Vitzthum-Rusu auch in diesem Jahr wieder geschafft, alle Altersgruppen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) in die einzelnen Szenen kunstvoll und originell zu integrieren. Dem schier unermüdlichen Einsatz von Marion Rusu-Vitzthum ist es zu verdanken, dass eine Aufführung mit solch hohen Ansprüchen und Niveau stattfinden kann. Sie näht und ändert nach wie vor selber alle Kostüme, die in diesem Jahr besonders wirkungsvoll und farblich aufeinander abgestimmt und ansprechend waren. Auch die hervorragende und äußerst professionelle Choreographie, wie sie die einzelnen Märchen akzentuierte und den Stimmungsgehalt des Advents umsetzte, zeigt ihr großes künstlerisches Können. Das Unterrichten und Weitergeben der Ballettkunst und das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen ist ihr zur Passion geworden, die in jeder Aufführung, in jedem Akt und in jeder Szene spürbar ist.

Über 100 Tanzschüler wurden in die beiden Veranstaltungen eingebunden, die mit vollem Einsatz und Motivation ihr Erlerntes dem begeisterten Publikum zeigten. Auffallend und besonders beeindruckend war, dass in der diesjährigen Veranstaltung sehr viel auf Spitze getanzt wurde. Man erkennt dabei den hohen Anspruch und das Niveau, das die Ballettschule am Taubenmarkt an sich stellt und dies an die Tänzerinnen und Tänzer weitergibt.

Märchen besitzen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen eine besondere Anziehungskraft. Im ersten Teil wurde diesmal nicht wie in den vergangenen Jahren nur eine Handlung aufgeführt, sondern – wie es der Titel bereits ausdrückte – eine Reise durch die Märchenwelt gezeigt, die sogar einen Bezug zur Stadt Traunstein hat, werden doch alljährlich zur Adventszeit an den Häuserfassaden verschiedene Märchenfiguren platziert.

Den Auftakt im ersten Akt bildeten der Page, Julian Rohner und die sechs Hofdamen. Danach folgten die zehn kleinen Feen und die drei großen Feen, Franziska Bartschmid, Ivonne Rohner und Sarah Feiertag. Anschließend sah man Lena Kestler als »Schneewittchen« auf der Bühne. Zusammen mit ihren Zwergen bildete diese Szene eine harmonische Einheit. Spannungsgeladen und sehr überzeugend dargeboten wurde der »Gestiefelte Kater« durch Viktoria Mack und die Katze mit Hanna Heiler. Besondere Aufmerksamkeit wurde Antonia Brunnhuber als »Rotkäppchen« geschenkt. Verlockend hinterlistig und dramatisch wurde der Wolf inszeniert, den Ramona Kern hervorragend personifizierte.

Einen ganz besonderen Blickfang bildete das mit seinen blauen Kostümen bekleidete Vogelpaar mit Louisa Golliner und Jonathan Rohner. Zudem waren die acht kleinen Vögel eine prachtvolle Ergänzung zu dieser Szene. Mit hoher Konzentration und Tanz auf Spitze wurde der Walzer dargeboten. Besonders ausgereift war die Choreographie für 15 Tänzerinnen.

»Dornröschen«, getanzt von Paula Blain, entzückte und verzauberte mit ihrer Anmut sowie mit ihrem Tanz auf Spitze das begeisterte Publikum. Besonders schwierige Schrittpassagen meisterte sie gekonnt und überzeugend. Mit den Rosenmädchen Stella Neumayer, Hannah Stadler, Magdalena Stadler, Paula Darda, Carolina Fenninger und Nina Rappl, die symbolhaft Dornröschen eine Rose überreichten, endete der erste Teil des Ballett-Abends.

Passend zum Advent erhielt der zweite Teil der Aufführung den Titel »Durch den Advent«. Und durch den Advent im wahrsten Sinne des Wortes wurden die Besucher durch die äußerst weihnachtliche, choreographische Gestaltung der Szenen von Marion Vitzthum-Rusu wie auch durch das Bühnenbild und die Beleuchtung geführt und entführt. Man spürte wahrhaftig den Winter, die Schneeflocken und die Sterne, die ja tatsächlich an diesem Abend die Landschaft draußen schmückten. Dieser Stimmungsgehalt wurde mit nur wenig Mitteln und Dekoration in überzeugender Art und Weise auf der Bühne erfahrbar gemacht. Musik, Choreographie und Ausstattung bildeten dabei eine Einheit.

Neun Engel mit Posaunen eröffneten den zweiten Teil der Veranstaltung. Es folgten zehn kleine Engel und die ganz zauberhaft kostümierten 10 Schneeflocken, die für ihre Tanzfertigkeit großen Applaus erhielten. Einen ganz besonderen Eindruck hinterließen die Schneemänner, Stella Neumayer und Hannah Stadler, die eine sehr abwechslungsreiche und lebendige Tanzdarbietung vorführten. Entzückend waren auch die folgenden acht Sternchen, dargestellt von Yuki Keller, Mimi Zauner, Lena Anner, Lisa Wissing, Emma Darda, Leonie Peternagel, Nalani Rohner und Chiara Schlonski mit ihren großen weißen Sternen als Symbol. Ihre Formationsbildungen tanzten sie im völlig musikalischen Einklang.

Einen würdigen Abschluss mit einer sehr professionellen Choreographie bildeten die großen Engel in schlichter Kleidung. Mit hoher Konzentration, großem Ausdruck und übereinstimmenden Schrittfolgen verleiteten sie das Publikum beinahe den Atem anzuhalten, so majestätisch und still verabschiedeten sich die Tänzerinnen. Zum Schluss kamen alle Mitwirkenden auf die Bühne und bekamen viel Applaus. Gabriele Morgenroth