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Tänzerische Heiterkeit und kämpferische Wucht

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Schwungvoll und in perfektem Einklang spielten die Musiker von »Pro Musica Salzburg« unter der Leitung von Romolo Gessi. (Foto: Janoschka)

Vor der barocken Pracht des Altarraums in der Ruhpoldinger Pfarrkirche St. Georg hat sich das Orchester »Pro Musica Salzburg« unter der Leitung von Romolo Gessi aus Triest beim Musiksommerkonzert von seiner besten Seite gezeigt: Die Instrumentalisten fügten der reichhaltigen barocken Architektur klassische Pracht, Heiterkeit und Klang-Jubel hinzu.


Zwei Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) – das Divertimento D-Dur, KV 136 und die Sinfonie Nr 29 in A-Dur, KV 201 – stand nach der Pause die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur, op. 36 von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) gegenüber. Diese Kompositionen wurden in einer überwältigenden Klarheit, Transparenz und Präzision, aber auch mit so viel Verve und aussagekräftiger Empfindung dargeboten, dass nach jedem Schlussakkord ein unbeschreiblicher Jubel losbrach.

Dafür bedankte sich das Orchester mit dem 5. ungarischen Tanz von Johannes Brahms (1833 bis 1897), dessen temperament- und schwungvolle Melodie mit ihren Ritardandi und spannungssteigernden Pausen aufs Neue Begeisterungsstürme hervorrief. Da Professor Wilfried Tachezi aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen die Leitung des Konzerts hatte absagen müssen, sei dankenswerterweise Romolo Gessi (siehe Kasten) eingesprungen, erklärte Cellist Simon Nagl bei seiner Begrüßung. Die Programmänderung – Beethoven statt Brahms – habe aber noch Tachezi vorgenommen.

Gessi dirigierte alle drei Werke auswendig, und es gelang ihm, mit seiner klaren Gestik und Körpersprache eine unmittelbare Synchronizität mit den Orchestermusikern herzustellen, sodass diese im selben Augenblick genau so spielten, wie der Maestro es vorgab.

Die Wirkung war enorm und die Folge war nicht nur ein gesteigerter Hörgenuss, sondern auch ein bewussteres Verständnis der Musik beim Zuhörer. Die Gestaltung von Aufbau und Struktur sowie die musikalische Aussage, Wiederholungen im Piano mit Echowirkung, das Auskosten aller musikalischer Parameter wie auch die Steigerung der Lautstärke, um auf den Höhepunkt der Phrase hinzuführen, boten sich dem Ohr an wie eine Offenbarung.

Höfisch-galant bewegte sich der Dirigent bei Mozarts Divertimento mit den drei Sätzen Allegro, Andante und Presto, sodass in der Vorstellung der Zuhörer assoziativ Szenen aus dem fürsterzbischöflichen Kontext Salzburgs auftauchen konnten.

Die vier Sätze der Sinfonie Nr. 29 – Allegro moderato, Andante, Menuetto und Allegro con spirito – versprühten mit ihren wunderbar einschmeichelnd-tänzerischen Melodien Mozartschen Geist. Mit kammermusikalisch-transparentem Klang zelebrierte das Orchester mit seinem Dirigenten jede Möglichkeit der Klangabstufung und -gestaltung.

Waren zur Sinfonie von Mozart zwei Hörner und zwei Oboen zu den Streichern gestoßen, so musizierte bei Beethovens zweiter Sinfonie mit ihren vier Sätzen Adagio molto-Allegro con brio, Larghetto, Scherzo-Allegro und Allegro molto ein Sinfonieorchester mit strahlendem Klang der Blechbläser und warmem Holzbläserchor, der immer wieder mit den Streichern in Dialog trat, sowie Pauken, die den Charakter der Sinfonie mitbestimmten.

Temperamentvoll und spannungsgeladen drückte Gessi die Musik Beethovens aus, aber zu keiner Zeit aufgeregt oder exaltiert, sondern immer im Dienste der Musik. Bravour, Glanz und Pracht unter dem Chorgewölbe des Kirchenraums. Unvergesslich!

Brigitte Janoschka