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2:0 im Freitagsspiel

Tabellenführung - Aber Hannover mit Euphorie und Ärger

Nicht ganz Hannover feierte. Nach der Eroberung der Tabellenspitze ärgerte sich 96 wieder über eigene Fans. Dennoch überwog die Freude. Hamburg hat dagegen nach dem 0:2 trübe Aussichten.

Erster
Die Hannoveraner Spieler feiern die Tabellenführung. Foto: Peter Steffen Foto: dpanitf3

Hannover (dpa) - Das Jubelbild von Aufsteiger Hannover 96 hatte einen Schönheitsfehler. Zwar sangen sehr viele Fans mit der Mannschaft nach dem Spiel gegen den Hamburger SV laut: «Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!»

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Doch 96-Sportchef Horst Heldt war trotz des verdienten 2:0 (0:0) gegen den HSV und der gerade eroberten Tabellenführung ziemlich angesäuert: «Die Mannschaft zerreißt sich und ist eine absolute Einheit - und wird von Teilen der Fans einfach im Stich gelassen.» Dafür fehlten ihm die Worte, sagte Heldt.

Einige Anhänger in Hannovers Fankurve hatten beim zweiten Heimspiel der Saison ihren Stimmungsboykott fortgesetzt. Sie protestieren damit gegen Clubchef Martin Kind, der die Anteilsmehrheit an der Profigesellschaft übernehmen möchte. Während der Partie beschimpften sie Kind mit Bannern und Gesängen. Viele andere 96-Anhänger riefen dagegen «Ultras raus!» und unterstützten das Team lautstark.

96-Coach André Breitenreiter beschwerte sich, dass Ultras die Kurve verlassen hätten, bevor seine Spieler auf ihrer Dankesrunde dorthin kamen. «Das ist schon ein klares Signal gegen die Mannschaft», sagte er.

Die 96-Profis ließen sich ihre gute Stimmung aber nicht verderben. Es überwog die Freude, durch den Erfolg gegen den harmlosen Gast aus Hamburg zumindest bis Sonntag Spitzenreiter zu sein - und das zum ersten Mal seit 48 Jahren. «Bei aller Euphorie vergessen wir aber nicht, wo wir herkommen», sagte Angreifer Martin Harnik, der das 1:0 erzielt hatte (50. Minute). Der Sieg hätte sogar höher ausfallen können, denn nach der Führung verpasste 96 bis zum 2:0 durch Ihlas Bebou (82.) eine Reihe guter Gelegenheiten.

Das Saisonziel, betonten alle Hannoveraner, bleibe aber der Klassenerhalt. «Wir drehen jetzt nicht durch und glauben, dass wir bei den Großen mitzocken können», sagte Harnik. Torwart Philipp Tschauner betonte: «Wir wissen, dass andere Zeiten kommen werden.»

Damit meinte er wohl eine Phase, wie sie gerade der HSV erlebt. Nach einem überraschend erfolgreichen Saisonstart mit zwei Siegen hat das Team nun zweimal verloren. Zudem fehlen dem Club zahlreiche Leistungsträger aus dem Arbeitsbereich Offensive wegen Verletzungen. Gegen die Niedersachsen konnte die Ersatz-Angriffsreihe der Hanseaten kaum gefährliche Situationen herausspielen. Die «Wunden lecken» und weitermachen müsse das Team jetzt, forderte Trainer Markus Gisdol.

Zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Mittwoch könnte Stürmer Bobby Wood zurückkehren, der gegen Hannover kurzfristig ausgefallen war und von Sven Schipplock vertreten wurde. Und auch Aaron Hunt sei möglicherweise am kommenden Wochenende wieder einsatzbereit. Dann spielt Hamburg zum Abschluss der Englischen Woche bei Bayer Leverkusen.

Das Team werde sich von der Situation nicht entmutigen lassen, versicherte HSV-Sportdirektor Jens Todt und sagte: «Natürlich sind die kommenden Aufgaben alles andere als leicht, gar keine Frage. Aber das ist ja immer so.»