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Symbiose zwischen Geistlichem und Höfischem

»Das kirchliche und fürstlich-höfische Seeon an einem Serenadenabend vereint« – diese Grundidee prägte laut Dr. Helmut Wittmann von der künstlerischen Leitung des Musiksommers zwischen Inn und Salzach das Konzert der Fürstlich Löwensteinische Hofmusic im Seeoner Kreuzganghof.

Diese Symbiose spiegelte sich auch bei den Ehrengästen wieder: Wittmann begrüßte unter anderem Herzog Nikolaus von Leuchtenberg, dessen Vorfahren das säkularisierte Kloster von 1852 bis 1934 gehörte, und den früheren Pfarrer Otto Steinberger, dem die Wiederbelebung des geistlichen Seeon am Herzen lag. Das ehemalige Benediktinerkloster mit seiner berühmten frühmittelalterlichen Schreibschule war ein geistiges Zentrum im Chiemgau, und viele Komponisten waren hier nicht nur wegen des berühmten Bieres, sondern auch der Freundschaft zu Mönchen regelmäßig in Seeon, so die Familie Mozart.

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Die acht Profimusiker aus dem Großraum München mit einem Faible für weniger bekannte Komponisten und fast vergessene Meisterwerke hatten für diesen Abend lauter Tonsetzer ausgewählt, die nachweislich oder vermutlich Gäste im Kloster Seeon waren. Wie Franz Christoph Neubauer (1750-1795), der sich in Prag zum Geiger ausbilden ließ und dann für freie Kost und Logis durch diverse Klöster in Oberbayern und im deutschsprachigen Raum »streunte« und als Gegenleistung Messen und Unterhaltungsmusik komponierte.

Die Aufführung seiner viersätzigen Parthia F-Dur war etwas ganz Besonders, war sie doch nach 200 Jahren Archivschlummer erstmals wieder zu hören, wie die meisten anderen Werke im Bläseroktett mit je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern. Die sogenannte »Harmoniemusik« entstand genau in dieser Zeit um 1770 und war für Tafelmusik und Freiluftkonzerte sehr beliebt. Besondere Anmut hatte das in der Form A-B-A aufgebaute Menuett, in dem das transparente Ensemblespiel und der feine Klang gerade der Holzbläser bestens zur Geltung kamen. Im B-Teil antwortete immer wieder die verspielte erste Oboe (herausragend: Dmirtij Haritonov) auf ein lyrisches Motiv des extrem hoch singenden ersten Fagotts (Hans-Peter Vogel, der auch eloquent durchs Programm führte). Die anderen Instrumente antworteten in tänzerischer Manier. Das Rondo im Finale erinnerte wie etliche andere Schlusssätze dank der schmetternd anschwellenden Hörner an Jagdmusik.

Viel Witz und Charme hatte das anschließende Divertimento B-Dur KV 196f von Wolfgang Amadeus Mozart, das er anlässlich des Karnevals für das Münchner Hoforchester für je zwei Klarinetten, Hörner und Fagotte komponierte. Ziemlich pfiffig komponiert und mit viel Spielfreude dargeboten war das Finale-Andantino.

Die folgende Partita für Oktett stammte von Johann Nepomuk Hummel, ein pianistisches Wunderkind, der ähnlich wie Mozart mit Vater und Schwester jahrelang durch Süddeutschland reiste. Im Allegro con spirito schienen die Instrumente quirlig einander zu umspielen, und ein Bläser spann mit Leichtigkeit den Melodiefaden des anderen fort. Mit Hingabe und zarten Klängen zelebrierten die Musiker das Andante, um im Vivace assai unter Führung der virtuosen ersten Oboe auf einen überraschenden Schluss hinzusteuern.

Mit fünf kurzweiligen, unterhaltsamen kleinen Sätzen im Divertimento D-Dur von Michael Haydn für Sextett ohne die Klarinetten und einer Bearbeitung von Mozarts »Pariser Sinfonie« KV 297 durch Carl Andreas Goepfert klang der spritzige, höfisch-elegante Sommerabend aus. Hier beeindruckten bei Haydn besonders der dramatisch sich zuspitzende Schlusssatz und bei Mozart das dynamisch ausdrucksstark gestaltete Allegro assai mit äußerst virtuosen Klarinetten und das volkliedhaft-innige, wunderbar dezent verklingende Andante. Als Zugabe fürs begeisterte Publikum passte exzellent die Champagner-Arie aus »Don Giovanni«. Veronika Mergenthal