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Salz und Hochkultur: Seit 25 Jahren ist die Pernerinsel Hallein Aufführungsort der Salzburger Festspiele

Symbiose seit einem Vierteljahrhundert

Viele Festspielbesucher erinnern sich liebend gerne an die vielen Stunden, die sie für Luc Percevals »Schlachten!« auf der Pernerinsel in Hallein ihr Sitzfleisch malträtiert haben auf den harten Holzbänken. Es lohnte. 1992 wurde auf Initiative von Kulturschaffenden die Sudhalle der 1989 eingestellten Salzproduktion zur Theaterspielstätte umgestaltet und seither ständig genutzt.

Bühne und Zuschauerraum der Pernerinsel Hallein. (Foto: Festspiele/Clemens Kois)

Wie viele Intendanten seit Gérard Mortier auch gekommen und gegangen sind – die Pernerinsel wurde von keinem je ernsthaft infrage gestellt. »Mir liegt die Pernerinsel als Spielort ganz besonders am Herzen, weil sie sich von den erwartbaren Theaterräumen wesentlich unterscheidet und wir den Besuchern der Salzburger Festspiele mit diesem Ort einen ungewöhnlichen Erlebnisraum für die Kunst bieten können«, bekräftigt auch Intendant Markus Hinterhäuser.

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»Die Festspiele bringen mit der Spielstätte Pernerinsel der Kulturstadt Hallein alljährlich internationale Aufmerksamkeit. Die Pernerinsel wiederum wurde für die Festspiele zum Wallfahrtsort für all jene, die mehr Neugier als Altgier ins Theater treibt.« So beschreibt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler die nun ein Vierteljahrhundert währende Symbiose.

Die Pernerinsel ist heute die einzige verbliebene Insel der ursprünglich drei großen Salzachinseln der Salinenstadt. Nach der Stilllegung der Holzauffanganlage Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden die Pitschach- und die Griesrecheninsel. Die Pernerinsel ist benannt nach Christoph Perner, der im 16. Jahrhundert Uferschutzbauten an der Salzach durchführte und die Salzach bis Lend schiffbar machen wollte. Die Insel diente einst den Fürsterzbischöfen Salzburgs als Lustgarten. Auf der Altstadtseite gegenüber der Pernerinsel befindet sich die Neue Pfleg. Das 1654 errichtete Verwaltungsgebäude für das Salzwesen beherbergt seit 1970 das Keltenmuseum Hallein.

Die Habsburger leiteten nach der Eingliederung Salzburgs in das Habsburgerreich mit der Neuerrichtung einer Salinenanlage auf der Pernerinsel (1854 bis 1862) eine bereits höchst notwendige Modernisierung der Salzverarbeitung ein. Nach fast acht Jahrhunderten wurde die Salzproduktion in Hallein 1989 eingestellt und die Pernerinsel, bis auf einen kleinen Bereich am nördlichen Ende, von der Stadt Hallein erworben. Erstes Interesse als Kulturstätte fanden die Räumlichkeiten bei der Szene Salzburg. Peter Stein, der damalige Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, brachte schließlich sprichwörtlich den Stein ins Rollen. Die Umgestaltung zur Bühne im Jahr 1992 beanspruchte nur 80 Tage Bauzeit. Hallein erhielt mit den Festspielaufführungen nicht nur einen Schub in Richtung Kulturstadt, sondern ist seit 1992 idealer Aufführungsort für experimentelles Theater.

Kultstatus erreichten die Marathon-Aufführungen von Luk Percevals Deutung der shakespeareschen »Rosenkriege« unter dem Titel »Schlachten!« (1999), aber auch Luigi Pirandellos Drama »Die Riesen vom Berge« (1994), oder Sophokles´ letzte Tragödie »Ödipus« (2010) mit Klaus Maria Brandauer.

Leider hat die Pernerinsel andere Sommer-Kulturgäste eingebüßt: Die Internationale Sommerakademie hat diesen die Kreativität der Lehrenden und Studierenden über viele Jahre anregenden Unterrichtsort 2014 aufgegeben. Umso wichtiger also die Festspiele: Von deren Pernerinsel-Engagement als »regionalem Wirtschaftsmotor« spricht Halleins Bürgermeister Gerhard Anzengruber. »Wir sind für diese Symbiose sehr dankbar und hoffen, dass auch in den nächsten Jahrzehnten die Salzburger Festspiele unsere einzigartige Kulturinsel bereichern. Mit unserem Salz vom Dürrnberg kam über Jahrhunderte Wohlstand in die Landeshauptstadt. Das Salz verfeinert und veredelt auch die Speisen. Die Kultur aber bereichert und erfüllt nicht nur unser Leben, sondern ebenso unsere Gesellschaft.« Reinhard Kriechbaum