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Super-Halbfinals bei Confed Cup ohne Balotelli

Rio de Janeiro (dpa) - Das sind echte Fußball-Kracher. Beim Confed Cup in Brasilien versprechen die Halbfinal-Spiele große Fußballkunst und einen tollen Vorgeschmack auf die WM im kommenden Jahr am Zuckerhut.

Stürmerstar
Italiens Mario Balotelli ist angeschlagen. Foto: Peter Powell Foto: dpa

Das Gastgeberteam will mit dem wieder gewonnenen Selbstverständnis großer Stärke gegen Uruguay am Mittwoch ein Trauma wie bei der Heim-WM vor 63 Jahren in Belo Horizonte unbedingt vermeiden. In der Neuauflage des EM-Finals versucht Italien am Donnerstag in Fortaleza nach dem 0:4 vor zwölf Monaten diesmal erfolgreich an der spanischen Vormachtstellung zu rütteln, muss dabei aber auf den verletzten Top-Torjäger Mario Balotelli verzichten.

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Der Confed Cup präsentiert sich mit tollem Sport und einem Torrekord schon nach der Gruppenphase als bester seiner Art. Doch ohne Schatten verläuft der WM-Testlauf nicht. Nach den Massendemos gegen Korruption in Brasilien hat die FIFA Kritik an der Organisation energisch zurückgewiesen. «Es besteht der Eindruck: 'Wir kommen ins Land, wir genießen das Land und verlassen es mit vollen Taschen'. Das ist nicht so», sagte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke bei einer Pressekonferenz am Montag in Rio de Janeiro. «Wir tun viel Gutes», betonten der Franzose.

Die Proteste auf den Straßen gingen derweil deutlich zurück. In Rio Janeiro zogen etwa 2000 Menschen vor das Wohnhaus von Gouverneur Sergio Cabral. In der Hauptstadt Brasilía zogen Hunderte Eltern mit ihren Kinder vor den Kongress. Tragisch endete eine Protestaktion bei Cristalina, rund 130 Kilometer von der Hauptstadt Brasília entfernt. Dort wurden zwei Frauen überfahren, als sie eine Straße mit Autoreifen blockieren wollten.

Die Polizei verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen für das Halbfinale zwischen Brasilien und Uruguay am Mittwoch im Mineirão-Stadion. In dieser Woche werden weitere Groß-Demos erwartet. Die Regierung sucht derweil den direkten Dialog mit den Organisatoren der Demonstrationen. Staatschefin Dilma Rousseff lud Vertreter der Bewegung «Passe Livre» (Freifahrtschein) zu einem Treffen ein. Diese Gruppe hatte von São Paulo aus den Auftakt für die landesweiten Proteste organisiert.

Der Sport steht mittlerweile wieder im Mittelpunkt. Und die vier Fußball-Schwergewichte bereiten sich auf den Turnierendspurt vor. «Wir kennen die Italiener, wir wissen um ihre Stärke», meinte Spaniens Stürmer Fernando Torres und erinnerte nur zu gerne an 2012, als der Welt- und Europameister in Kiew mit einem 4:0 die Squadra Azzurra quasi zerlegte. «Das Finale war eines der besten Spiele, das Spanien in den letzten Jahren gemacht hat.»

Jetzt kommt es zum Wiedersehen. «Ich denke, für Italien ist das Spiel sehr wichtig, denn die Erinnerung an die Niederlage bei der EM ist bei ihnen noch frisch. Ich bin sicher, sie werden auf Revanche aus sein», sagte Spaniens Trainer Vicente del Bosque: «Das Spiel wird eine echte Herausforderung für uns.» Die Squadra Azzurra muss allerdings ohne Sturm-Exzentriker Balotelli auskommen, der wegen einer Verletzung am linken Oberschenkel zur Behandlung zurück nach Italien fliegt. Italien ohne Topangreifer Balotelli - das ist eine kaum zu verkraftende Schwächung.

Eine klare Angelegenheit war das 8:0 von Uruguay gegen die Amateure aus Tahiti. Und so sprachen die Stars weniger über das Spiel als über «Maracanazo». Das fast schon mythische Wort aus den glorreichen Fußball-Tagen Uruguays steht für den größten Sieg Uruguays über den Nachbarn vom Zuckerhut, der in Rio und andernorts weder vergessen noch verwunden scheint.

Das kleine Uruguay raubte dem großen Brasilien durch ein 2:1 im Maracana von Rio de Janeiro 1950 den fest eingeplanten ersten WM-Titel. «Auf geht's Uruguay. Jetzt sind wir bereit für das Halbfinale am Mittwoch. Vorwärts la Celeste», twitterte Luis Suarez voll Vorfreude auf das brisante Aufeinandertreffen.

Am liebsten würde der Südamerikachampion die Fußball-Historie in kleinerem Rahmen wiederholen und für ein Mineirazo sorgen - soll heißen, im Estadio Mineirao den Siegeszug der Seleção beim Testlauf für die WM 2014 überraschend beenden. Die Brasilianer sind jedenfalls trotz ihrer Hochstimmung gewarnt. «Wenn wir gegen Uruguay spielen, müssen wir sehr vorsichtig sein. Unser Scout meint, sie sind das beste Team», sagte Trainer Luiz Felipe Scolari.