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Studie: Strompreiskosten drei Milliarden Euro zu hoch

Berlin (dpa) - Die Verbraucher zahlen einer Studie zufolge in diesem Jahr bis zu drei Milliarden Euro zu viel für ihren Strom. Das geht aus einer Analyse des Energieexperten Gunnar Harms für die Grünen-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Peter Altmaier
Bundesumweltminister Altmaier will die teure Förderung der Solarenergie früher beenden als bisher geplant. Foto: Caroline Seidel/Archiv Foto: dpa

Trotzdem können laut Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) schon in Kürze weitere Strompreiserhöhungen um bis zu fünf Prozent drohen.

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Laut dem Energieexperten Harms sind die Preise im Stromeinkauf seit 2011 trotz der Stilllegung von acht Atomkraftwerken um 10 bis 20 Prozent gefallen. «Der Atomausstieg hat nicht zu den befürchteten Preissteigerungen geführt», betont er. Wenn diese Effekte an die Endkunden komplett weitergegeben würden, müsste der Strompreis demnach rund zwei Cent je Kilowattstunde niedriger sein. Die Energiebranche wirft Harms methodische Fehler vor.

In der Summe mache dies in diesem Jahr insgesamt drei Milliarden Euro aus. «In den letzten fünf Jahren zeigt sich, dass gestiegene Einkaufspreise stets unverzüglich weitergegeben wurden, Preissenkungen hingegen nicht, zumindest nicht an das Kundensegment der Haushaltskunden.» Die Preise für Industriekunden seien um drei Prozent gesunken, «während gleichzeitig private Endkunden seit 2008 rund 20 Prozent mehr für den Strom bezahlen müssen».

Die Grünen kritisieren, dass es für energieintensive Unternehmen zu viele Ausnahmen bei den Netzentgelten und den Kosten zur Förderung erneuerbaren Energien gebe, daher müssten die Verbraucher Mehrkosten schultern. Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte der «Saarbrücker Zeitung», letztlich sei auch die Regierung für den unaufhaltsamen Anstieg der Strompreise verantwortlich. Sie lade die Kosten der Energiewende bei den Verbrauchern ab, indem sie die Unternehmen umfassend entlaste.

Einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kostet die Ökostromförderung jährlich 125 Euro, davon zahlt er nach Angaben der Industrie 31 Euro für die Industrie-Rabatte. Die energieintensive Branche vertritt die Ansicht, nicht die Ausnahmen seien das Problem, sondern die Förderung erneuerbarer Energien. 16,4 Milliarden Euro an Vergütungen wurden 2011 an die Produzenten von Ökoenergie gezahlt.

Umweltminister Altmaier bereitete die Deutschen - auch wegen des Solarbooms - auf einen weiteren Preisanstieg vor. Am 15. Oktober wird die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien für 2013 bekanntgegeben, sie könnte bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden auf 175 Euro klettern. «Es gibt Experten, die eine Preiserhöhung von fünf Prozent erwarten. Ich hoffe, dass wir etwas darunter liegen können», sagte er der «Rheinischen Post».

Altmaier betonte, die beschlossene Deckelung der Solarförderung sei ein Schritt zur Dämpfung der Ökoenergie-Förderkosten. «Die Förderung des Solarstroms wird ganz auslaufen, wenn wir das Ziel von 52 Gigawatt an Leistungskapazität erreicht haben.» Dieser Wert könnte 2014 erreicht sein. Der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, forderte die Politik zum Handeln auf. «Sie muss darauf achten, dass Strom nicht zum Luxusgut für Reiche wird», sagte Billen «Handelsblatt Online». «Es kann nicht sein, dass viele große Unternehmen von den Kosten der Energiewende ausgenommen werden und die Verbraucher die Zeche zahlen», kritisierte Billen.

Die Energiebranche wehrte sich gegen den Vorwurf, bei Stromkosten zu viel zu kassieren. So seien in der Harms-Studie einige Komponenten bei der Strombeschaffung nicht berücksichtigt worden, kritisierte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). «So kommen Beschaffungspreise von rund 5 Cent pro Kilowattstunde zustande, die in der Praxis für Stromvertriebe nicht zu erreichen sind.» Die Kosten, die den Bürger wirklich drückten, seien mit einem Anteil von 45 Prozent am Strompreis die Steuern und Abgaben.

Studie zu Strompreisen für Grünen-Fraktion

Kritik des BDEW an Studie

Infos zur Stromsteuer, S.123

BDEW-Grafik zu Entwicklung von Steuern und Abgaben beim Strompreis

BDEW-Strompreisanalyse