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Stöhrhaus-Sanierung abgeschlossen – Ein wenig mehr Komfort für 1,2 Millionen Euro

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Untersberg: Stöhrhaus-Sanierung bringt mehr Komfort für 1,2 Millionen Euro | Berchtesgaden
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Das Stöhrhaus auf dem Untersberg ist nach seiner Rundumsanierung mit Teilabriss nun wieder auf dem aktuellen Stand. (Foto: DAV Berchtesgaden)

Bischofswiesen – Für insgesamt rund 1,2 Millionen Euro bekam das Stöhrhaus auf dem Untersberg in rund einjähriger Bauzeit eine Frischekur. Die Alpenvereinssektion Berchtesgaden feiert den Abschluss des Projekts am 4. Oktober mit einer Bergmesse.


Bereits vor fast 120 Jahren haben die damaligen Würdenträger der DAV Sektion Berchtesgaden die einzigartige Lage am Untersberg und sein Potenzial als Tourenberg erkannt und entsprachen mit dem Bau des ersten Stöhrhauses dem Wunsch vieler Einheimischer und Touristen. Möglich war der Bau durch die großzügige finanzielle Unterstützung durch Kommerzienrat Paul Rudolf Eduard Stöhr, dem das Haus auch seinen Namen verdankt.

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Das erste Unterkunftshaus am Untersberg war komplett aus Stein gebaut und erhielt erst nach dem ersten Winter, der dem Mauerwerk stark zugesetzt hatte, seinen heute so typischen Schindelmantel auf den Wetterseiten. Um dem wachsenden Besucherstrom und den stetig wachsenden Ansprüchen der Besucher gerecht zu werden, wurde das Stöhrhaus in den folgenden Jahren und Jahrzehnten mehrmals erweitert und umgebaut.

Problem Brandschutz

Doch Anfang der 2000er Jahre stellte sich heraus, dass es nur mit »Umbauen« nun nicht mehr getan ist, dazu kamen die hohen Auflagen durch die Behörden besonders im Bereich Brandschutz. So entschied sich die Sektion Berchtesgaden nach mehreren verschiedenen Planungen für den Abriss eines Teils der Hütte und einen Neubau. Bereits in den Jahren davor waren eine neue Kläranlage und größere Wassertanks angeschafft worden, denn Quellen hat das Stöhrhaus nicht. Alles Wasser, das aus der Leitung kommt, muss aufwändig aufbereitet werden.

Nach intensiver und arbeitsreicher Vorplanung endete die Hüttensaison 2018 am Stöhrhaus bereits am 3. September und der Teilabriss konnte beginnen. Ein Teil der alten Bausubstanz, unter anderem die alte Gaststube, blieb erhalten.

Fast nach Plan konnte der Neubau bis zum Wintereinbruch Ende November noch winterfest gemacht werden. Die neue Hütte wurde in Ständerbauweise errichtet, was den Aufbau beschleunigte, aber bei einer Baustelle in dieser exponierten Lage von allen Beteiligten gute Zusammenarbeit und viel Organisationstalent verlangte. Obwohl der Jahrhundertwinter die Hütte in einen Eispalast verwandelte, wurden die Bauarbeiten bereits Ende Februar wieder aufgenommen, mit dem Ziel, die Hütte Anfang Juli wieder aufzusperren. Fast pünktlich wurde dies auch umgesetzt und die Bergsteiger können seit Anfang Juli die Hütte wieder als Unterkunft nutzen und die zeitgemäßen Verbesserungen durch den Umbau genießen.

Durch die großzügige Gestaltung der neuen Küche wurden alle Brandschutzbestimmungen erfüllt, eine zweite Essensausgabe soll in Zukunft Wartezeiten verkürzen. Durch die Initiative von Hüttenwirt Hans Gschoßmann konnte beim Abriss der alten Jennerbergstation eine Lüftungshaube für die Küche erworben werden, was nicht nur Kosten sparte, sondern auch nachhaltig ist. Die Lagerbereiche im Keller und Erdgeschoss sind nun bedienerfreundlicher und erleichtern die Arbeitsabläufe der Hüttenwirte.

Die Kapazität der Schlafplätze wurde nicht erweitert, jedoch wurde der Großteil davon erneuert, beziehungsweise die Anzahl der gefragten Zwei- und Vierbettzimmer erweitert. Die neu geschaffenen Hundezimmer fanden bereits kurze Zeit nach der Wiedereröffnung positiven Anklang. Weiter plant die Sektion noch die Einrichtung von speziellen Familienzimmern. Auch die Sanitäreinrichtungen für die Gäste wurden verbessert, die alten Plumpsklos wurden durch neue, wassersparende WC-Anlagen ersetzt.

Die Pächterwohnung und die Personalzimmer, die bisher aus normalen Gästezimmern bestanden, wurden in das Souterrain verlegt und sind nun vom Gästebereich abgeschlossen. Außerdem erhielt die Hüttencrew endlich separate Sanitäreinrichtungen. Auch an eine zukünftige Erweiterung der Gaststube wurde gedacht, diese wurde aber vorläufig aus Kostengründen noch zurückgestellt.

Viel Kopfzerbrechen machte die Fassadengestaltung. Vonseiten des Bundesverbandes des DAV war eine komplett andere Gebäudedimension und -ansicht vorgesehen. Erst in zähen Verhandlungen konnte die jetzige Fassadengestaltung durchgesetzt werden. Ein Beibehalten der ursprünglichen Schindelfassade erhöhte zwar die Baukosten, führte aber bereits zu positiven Rückmeldungen. Viel Einfühlungsvermögen verlangte dann noch die Integration der vom Landratsamt geforderten Fluchtwege in die Optik der Hütte.

Sollte mal ein Bergsteiger nass werden, steht nun ein Trockenraum mit Schuhtrockner und Heizung zur Verfügung, der durch die Wärmerückgewinnung aus dem Kälteaggregat der Kühlzelle betrieben wird. Die Einrichtung für den Trockenraum wurde aus dem Holz des alten Mulistalls gefertigt.

Außerhalb der Hüttensaison (Mitte Oktober bis Mitte Mai) bietet das Stöhrhaus jetzt einen von außen zugänglichen Schutzraum an. Die geplante Bausumme lag mit 1,2 Millionen Euro fast im Plan, bezuschusst wurde das Projekt mit 440.000 Euro von der DAV-Bundesgeschäftsstelle.

Berggottesdienst und Segnung

Um dem Bergsteiger das abwechslungsreiche Tourenangebot im Gebiet des Untersbergs nahe zu bringen, wird von der Sektion Berchtesgaden derzeit ein neuer Tourenflyer mit den Bergtouren rund um das Stöhrhaus erarbeitet. Erhältlich ist der Flyer ab Frühling 2020.

Am Freitag, 4. Oktober, findet um 11 Uhr ein Berggottesdienst mit Segnung des Teilneubaus vor dem Stöhrhaus statt, wozu die Sektion Berchtesgaden alle interessierten Bergsteiger einlädt. Umrahmt wird die Einweihungsfeier durch die Gerer Musi. Für die vom Fluglärm betroffenen Anwohner in Maria Gern und Ettenberg gibt es zwei Fass Freibier vom Hofbrauhaus Berchtesgaden. fb

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