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Stimmungsvolle Gitarrenklänge

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Fingerstyle-Westerngitarrist Michael »Micha« Kern aus Übersee überzeugte beim Sonntagabend-Barkonzert in der Theater-Strickerei Grabenstätt auf ganzer Linie. (Foto: Müller)

Ein hochklassiges Barkonzert »Real Good for Free« gaben die beiden Solo-Gitarrenkünstler George P.J. und Michael »Micha« Kern in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Wenige Tage nach dem dritten Geburtstag der Kleinkunstbühne hätte man sich kaum etwas Klangvolleres, Mitreißenderes und Stimmungsvolleres zum kleinen Jubiläum wünschen können.


Der Wahl-Chiemgauer George, der in seiner langen Musikerkarriere schon die großen Bühnen dieser Welt gerockt hatte, verletzte sich 2017 bei einem Konzert mit seiner damaligen Band in Toronto schwer an den Beinen und musste dann – was kann es für einen Profimusiker Schlimmeres geben – über ein Jahr mit dem pausieren, was er am liebsten macht und am besten kann, nämlich Musizieren, Komponieren und Menschen von der Bühne aus begeistern.

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Erst langsam tastet er sich wieder heran, doch es sei ein langer und schwerer Weg, wieder auf das Leistungsniveau von einst zurückzukommen, meinte George zwischen zwei Stücken beim (gleichzeitigen) Verbeugen und Dehnen und sorgte mit diesen Worten für ungläubiges Staunen, denn das, was der Gitarrenvirtuose an Klassikern und eigenen Arrangements zum Besten gab, war (leicht untertrieben) nahe dran an der Perfektion. Er »performte« sie mit unglaublich viel Kreativität, Improvisationsvermögen und Hingabe. Seine Finger flogen teilweise mit so atemberaubender Geschwindigkeit über die Saiten, dass den Gästen beim genauen Hinsehen schwindelig wurde.

Der andere Part oblag an diesem Abend dem kongenialen Überseer Steelstring-Gitarrenmann Michael »Micha« Kern, der unlängst seinen sicheren Job als Maschinenbauingenieur für seine große Leidenschaft, die Musik aufgegeben hat. Vor einem Jahr hat seine Solokarriere in der Theater-Strickerei begonnen und mittlerweile hat er schon an diversen Orten im Chiemgau umjubelte Konzerte gegeben. Seine Anfänge hatte der Mittzwanziger in der Volksmusik, doch mittlerweile ist er mit seiner Fingerstyle-Westerngitarre musikalisch ziemlich breit aufgestellt. Nicht nur der Blues ist eine seiner Inspirationsquellen, auch Jazz, Swing und Countrymusik haben es ihm angetan. Noten braucht der Gefühls- und Bauchmusiker keine, er hat alles im Kopf und im Herzen abgespeichert.

Beeindruckend war auch, mit wie viel Virtuosität, Groove und Seele er seine Eigenkompositionen wie »Colours of last Summer«, »Spanish Tornado« und »Fly away« darbrachte; das Ganze oft ganz bewusst mit einem Schuss Melancholie kredenzt. Nicht selten hörte es sich an, als würde nicht ein Solokünstler, sondern eine ganze Band spielen. Wie geht das? Ganz einfach: »Bass, Percussion, Rhythmus-Gitarre und oben drauf eine Melodie, Begleitung nur mit dem Daumen, damit die anderen Finger frei sind«, so der Vollblutmusiker. Auch zwei kurze Nummern von den Beatles durften nicht fehlen. Applaus, Bravo-Rufe und Jubel waren den beiden Ausnahmemusikern sicher. Bleibt nur der Wunsch auf ein baldiges Wiedersehen und dass beide auch einmal ein Stück gemeinsam intonieren. Markus Müller

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