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Staubtrockenes Pulver

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Marcus Bluhm als Seth (links) und seine Kollegin Britta Bayer als Jenny mit ihrem Chef, gespielt von Axel Meinhardt (Foto: Anna-Maria Löffelberger/Landestheater)

»Wozu brauchst du ein Lexikon auf deinem Handy, wenn du das Wort gleich googeln kannst?« Also frisch gegoogelt, was denn der Stücktitel »Dry Powder« bedeuten könnte! Im Kanonenkrieg-Zeitalter war damit der unverzichtbare Nachschub an – trockenem – Schwarzpulver gemeint. Im heutigen Wirtschaftsleben meint der Begriff: ausreichend – flüssige – Geldmittel...


Damit sind wir auch schon in dem Stück von Sarah Burgess, die vor zwei Jahren damit in New York so richtig erfolgreich war. Nun, als Europäische Erstaufführung, ist »Dry Powder« in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters zu sehen. Die Kapitalgesellschaft KMM ist dabei, eine finanziell schwachbrüstige kalifornische Firma – Landmark, was für ein sinniger Name! – aufzukaufen. Den Arbeitsplätzen dort wird es an den Kragen gehen, die Produktion wird wohl ausgelagert nach Bangladesch. Wie’s nach langem Hin und Her ausgeht, dürfen wir hier wohl nicht verraten.

Die Geldfirma hat jedenfalls einen fiesen Typen (Axel Meinhardt) als Chef, der sich von zwei einander bös konkurrierenden Mitarbeitern beraten lässt. Seth (Marcus Bluhm) ist der Geschäfts-Anbahner, ihm eignet eine gewisse Rest-Anständigkeit. Seine Gegenspielerin Jenny (Britta Bayer) hat aber nichts anderes als Gewinne im Kopf und für menschliche Perspektiven nur Verachtung übrig. In diese Dreier-Konstellation gerät also der CEO der aufzukaufenden Firma Jeff (Sascha Oskar Weis), der von Mitarbeiter-Motivation, Arbeitsplätzen im Land und innovativen Produkten (man fertigt Koffer) träumt. Im New Yorker Wall-Street-Milieu gilt er als echter Vollkoffer.

Die Geldmenschen ticken anders: »Urlaub ist etwas für ehrliche Menschen wie dich«, reibt Jenny einmal ihrem Kollegen ums Ohr, und selbst der Boss muss sich von ihr sagen lassen: »Nur Leute aus der Waschmittelwerbung genießen ihre Hochzeit.« Angeblich ist solches Wall-Street-Jargon und machte den US-Erfolg des Stücks aus. Hier ist der Text freilich so unbeholfen-hölzern übersetzt, dass es so richtig weh tut. »Mein Punkt ist folgender...«

Da haben also die Schauspieler und Regisseur Claus Tröger ordentlich trockenes Powder zu verblasen, und mehr Gewicht als Puder hat das ganze Stück sowieso nicht. Immerhin setzt man auf Tempo. Die zweieinviertel Stunden sind trotzdem endlos, weil sich nicht im Entferntesten erschließt, warum man für die schlichte Mitteilung »Geld regiert die Welt« so viel Zeit absitzen muss. Halt, doch: Der Geld-Boss scheint irgendwie nicht bei der Sache, drückt und wischt beständig neurotisch auf seinem Handy herum. Ein Mini-Trump, dauer-twitternd und mit eingeschränkten Aufmerksamkeitsphasen, wie man es dem großen Trump nachsagt? Aber das bringt’s in den Kammerspielen wohl auch nicht. Wer geht schon freiwillig ins Theater, um Trump-Versteher zu werden?

Aufführungen finden bis 13. März in den Kammerspielen statt, Karten gibt es unter www.salzburger-landestheater.at. Reinhard Kriechbaum