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Startrekord «Käse»: Hoeneß interessiert nur der Titel

München (dpa) - Nach dem besten Start in der Bundesliga-Geschichte durften die Bayern «glücklich» aufs Oktoberfest ziehen. Präsident Hoeneß will nach zwei titellosen Jahren aber auch wieder auf Trophäen anstoßen. Ribéry spielt gegen Hoffenheim schon meisterlich auf.

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Bayern-Star Franck Ribéry zeigte ein überragendes Spiel. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa

Sieben Siege - na und? Uli Hoeneß schrie nach dem besten Start einer Mannschaft in 50 Jahren Fußball-Bundesliga nicht freudetrunken «Hoch die Maß!» Der Präsident des FC Bayern blaffte die Reporter nach der Ribéry-Gala beim 2:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim vielmehr angriffslustig in den Stadion-Katakomben an. «Was nützt dir der beste Start der Geschichte, wenn du am Ende nicht Meister wirst? Also, hört's auf mit dem Käse», belehrte Hoeneß. «Wir haben 21 Punkte, das ist die wichtigste Statistik des Tages.»

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Was bedeuten schon Rekorde für einen Rekordchampion? Titel sind nach zwei Bayern-Jahren ohne Trophäen die Endstation Sehnsucht in München. «Mich interessiert nur die Differenz zwischen Platz eins und zwei. Das ist für mich der Maßstab für meine Laune», sagte Hoeneß.

Diese war beim Tabellenführer immerhin nach einer Woche mit der ersten Saisonniederlage in der Champions League gegen BATE Borissow (1:3) sowie den offiziell für beendet erklärten Zwistigkeiten zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer wieder blendend. Jedenfalls hatte der herausragende Franck Ribéry mit seinem sechsten Bundesliga-Doppelpack (19./48. Minute) dafür gesorgt, dass Vorstand, Spieler, Trainer und Betreuer beim Oktoberfestbesuch am Sonntag entspannt auf das bislang Geleistete anstoßen durften.

«Es gab auch mal Zeiten, wo wir nicht so glücklich zur Wiesn gegangen sind», bemerkte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger und prophezeite: «Nach sieben Siegen wird es ein schöner Tag.»

Auch Ribéry freute sich, die Lederhose überzustreifen, «ein bisschen Spaß» im Kollegenkreis zu haben und eine Apfelschorle zu trinken, «das ist besser für mich». Noch wohler als im Festzelt fühlt sich der Franzose aktuell jedoch wieder auf dem Stadionrasen. «Ich bin sehr glücklich auf dem Platz», sagte der Franzose, den die 71 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena feierten. «Diese Saison müssen wir Meister werden», erklärte Ribéry, der von seinem Trainer ein Sonderlob erhielt. Heynckes hob besonders hervor, dass Ribéry auch «nach hinten arbeitet» und «wie er dort Bälle erkämpft».

Karl-Heinz Rummenigge fiel es somit leicht, am Ende einer turbulenten Bayern-Woche doch noch ein positives Fazit zu ziehen: «Die Dinge sind alle in Ordnung. Alles wunderbar», verkündete der Bayern-Chef, der zudem bemüht war, auch einen Schlussstrich unter die Affäre Heynckes/Sammer zu ziehen. Das Thema sei nach einem sehr offenen und ehrlich geführtem Gespräch «erledigt». Am Sonntagnachmittag auf dem Oktoberfest stießen Sammer, Heynckes, Rummenigge und Finanzvorstand Karl Hopfner in Käfer's Wiesn-Schänke dann mit den Maßkrügen an - zufriedene Gesichter überall.

Entscheidend sei für ihn, dass die sportliche Führung «harmonisch, vertrauensvoll und auch ehrlich» miteinander umgehe, hatte Rummenigge am Vorabend betont: «Ich habe den Eindruck, dass dies auch der Fall ist.» Heynckes sprach immerhin von einem «sehr guten Arbeitsverhältnis» mit Sammer. Beim ersten Tor umarmten sich beide sogar am Spielfeldrand. «Wenn man sieben Spiele gewinnt, gibt es nicht so viel zu meckern», beschrieb Nationalspieler Toni Kroos den Ist-Zustand.

Der wird bei den Hoffenheimern nach wie vor sehr stark von der Sorge um den schwer verunglückten U 21-Nationalspieler Boris Vukcevic beeinflusst. Angesichts der schwierigen Umstände lobte Trainer Markus Babbel sein Team für den Auftritt in München, bei dem sieben Monate nach der 1:7-Blamage diesmal zumindest eine Schadensbegrenzung gelang. «Wenn ist sehe, was in der letzten Woche alles passiert ist, muss ich sagen: Hut ab vor der Truppe!» Defensiv habe man nicht viel zugelassen, «nach vorne hat die letzte Überzeugung gefehlt. Und am Ende waren die Jungs platt». Das größte Hoffenheimer Problem aber hieß Franck Ribéry. «Wir haben es nicht geschafft, ihn aufzuhalten», stöhnte Kapitän Marvin Compper.