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Starke Worte und starkes Bier im »Brenner Bräu«

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Die Musikkapelle Bischofswiesen sorgte für gute Stimmung.
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O'zapft is' (v.l.): Bürgermeister Thomas Weber, Ministerin Michaela Kaniber, CSU-Generalsekretär Markus Blume, Bezirksrat Georg Wetzelsperger, CSU-Ortsvorsitzender Josef Pletzer und Wieninger-Braumeister Bernhard Löw. (Fotos: Spranger)

Bischofswiesen – CSU-Generalsekretär Markus Blume aus München-Ramersdorf gab am Freitag im »Brenner Bräu« dem Starkbieranstich der CSU Bischofswiesen mit seiner Festrede die politische Note. Auch die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber war wieder dabei. Bevor es aber so richtig politisch wurde, zapfte Braumeister Bernhard Löw von der Brauerei Wieninger mit Markus Blume erst einmal das erste Fass Starkbier an. »Unser Impulsator ist mit 18 Prozent Stammwürze aus gutem Aromahopfen und fünf Monaten der Reifung zu einem süffigen Starkbier mit 7,3 Prozent Alkohol und einer ausgeprägten Malznote gereift«, schwärmte er für das nahrhafte Fastengetränk.


Und die Stimmung hätte nicht besser sein können. A zünftige Musi' von der Musikkapelle Bischofswiesen und ein Wirtshaus, voll besetzt mit Gesellschaft in festlicher Tracht inklusive viel lokaler Prominenz.

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Die Festrede von CSU-Generalsekretär Markus Blume war über weite Strecken ein Appell für eine ehrliche Politik, die er immer wieder mit launigen Beiträgen würzte: »Der Aschermittwoch soll der Kirche als christlicher Feiertag erhalten bleiben. Es ist in Bischofswiesen Brauch, erst am Freitag zu feiern und die Fastenzeit für eine innere Einkehr zu nutzen.« Die Fastenzeit sei ja für Besinnung eine gute Gelegenheit, und diese brauche man heute dringend.

Nur kleine Probleme in Deutschland

Der Politikwissenschaftler und ehemalige Unternehmensberater Markus Blume schwenkte nach diesem Statement zur europäischen Bühne. So seien die Probleme in England, Frankreich oder Italien ja um ein Vielfaches größer. »Solange wir in Deutschland über Bienensterben, ein drittes Geschlecht – was kaum einer versteht – und über ein Verbot von Indianerkleidung zum Fasching streiten, geht es uns gut«, betonte er und erntete damit kräftigen Applaus.

Markus Blume weiter: »Wir sind bombastisch unterwegs, verzeichnen seit zehn Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum und haben die niedrigste Arbeitslosigkeit. Und doch verändern sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drastisch, aber wir dürften nicht den Fehler machen, immer in den Rückspiegel zu schauen.« Gerade das lastet Blume der SPD an. Die Partei vergesse, was dieses Land groß gemacht habe, nämlich die Reformen auf dem Arbeitsmarkt. »Es ist nicht die Zeit, hier den Rückwärtsgang einzulegen, sondern endlich den Soli abzuschaffen – davon profitieren alle!« Und auch hier erntete Blume wieder lebhafte Zustimmung vom Publikum. Der Generalsekretär schloss die anderen Parteien von seiner pointierten Kritik nicht aus.

Die deutsche Politik dürfe sich bei wichtigen Entscheidungen nicht von Emotionen leiten lassen, bekräftigte Blume. Es dürfe nicht aus jeder Sachdebatte heraus eine moralische Grundsatzdebatte geführt und der Gegner dann als »schlechter Mensch« abgestempelt werden. »Natürlich sprechen wir bei dringenden Lebensgrundlagen für die Bienen auch von der Bewahrung der Schöpfung.« Aber es dürfe keine Spaltung der Gesellschaft betrieben werden, etwa »Bienen gegen Bauern«. Das müsse man zusammen bringen. »Warum haben denn die Grünen dagegen gestimmt, den Klimaschutz als Staatsziel in der Bayerischen Verfassung zu verankern?« fragt er. Emotionen versus Ratio, etwa bei der führenden und weltweit geachteten deutschen Leitindustrie, der Autoindustrie. »Sie wird in einer selbstzerstörenden Art kaputt geredet, ungeachtet der wirtschaftlichen Bedeutung und der Arbeitsplätze. Das ist unserem Land nicht würdig. Wir wollen die Mobilität erhalten, sie ist ein Grundrecht von uns Menschen, unserer Freiheit.«

Markus Blume begrüßte es, »dass wir in unserem Land wieder über Politik sprechen. Wir dürfen es aber nicht den Rändern, ob links oder rechts, überlassen«. Die etablierten Parteien seien geschwächt, der Druck von allen Seiten wachse, sagte Blume und wandte sich schließlich der AfD zu. »Eine Partei, die es mit Recht, Gesetz und Wahrheit nicht so ernst nimmt, die sich immer mehr in Spendenskandale verwickelt und im braunen Sumpf versinkt«, skizzierte er die aktuelle Situation aus seiner Sicht.

Bruder Barnabas vertritt das Untersbergmandl

Für den launigen Teil sorgte beim Starkbieranstich der CSU in Bischofswiesen Bruder Barnabas (Wasti Rasp), der in Vertretung des Untersbergmandls sein Debüt feierte. Der Mann vom Untersberg wollte dieses Jahr nicht herab steigen, denn es liege noch immer zu viel Schnee vor den tiefen Höhlen, ließ er sich entschuldigen. Und Bruder Barnabas übte sich in Vorsicht, war doch sein Chef, Monsignore Thomas Frauenlob, zugegen. Noch bewegt von der Rede des CSU-Generalsekretärs, erinnerte sich Bruder Barnabas an dessen Jugend. Markus Blume hatte es nämlich in jungen Jahren im Eiskunstlauf zusammen mit seiner Schwester zum deutschen Juniorenmeister geschafft. »Da wundert es nicht, dass er sich auf dem glatten politischen Parkett so gut zu bewegen weiß«, konstatierte Barnabas.

Auch beherrsche er bereits das »richtige Draufhauen«, denn mit drei Schlägen anzuzapfen zeige seine Geschicklichkeit. Ganz im Gegensatz zu Bürgermeister Thomas Weber, der sich aus unerklärlichen Gründen stets vor dem Anzapfen drücke. Respekt zollte er auch der Ministerin Michaela Kaniber, die es schnell verstand, sich in der CSU-Herrenriege zurechtzufinden. Das sei in Bischofswiesen ganz anders. »Von wegen Frauenquote«, ereiferte sich Bruder Barnabas. »Da muss man auf dem Foto des Gemeinderats die Frau ja mit der Lupe suchen. Frauenquote ist hier bei fünf Prozent.«

Bruder Barnabas fand noch viele Anknüpfungspunkte in seiner Rede. Sie reichten vom Areal des ehemaligen Hotels »Geiger« über Hotelchalets am Königssee bis hin zu einem Doktor vom Doktorberg, dem Götschen und der Beruhigung der Ortsdurchfahrt als Meisterstück der Kommunikation in sechs Akten. »Zuerst herrschte Begeisterung, dann Verwirrung und schließlich Ernüchterung beim Ausbau. Es folgten Fluchtbewegungen, die Suche nach Schuldigen, bis zur Bestrafung von Unschuldigen und schließlich die Belobigung von Nichtbeteiligten.« Als eine neue bahnbrechende Idee brachte Bruder Barnabas einen Skywalk in Bischofswiesen ins Spiel. »Da könne man dann über die erforderlichen 70 Parkplätze hinweg einen Blick auf alle Kreisverkehre der Gemeinde hinweg richten.« Gerd Spranger