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Spielen allein nach Gehör

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In ungewöhnlicher Besetzung zwar, aber nichtsdestotrotz musikalisch auf einem hohen Niveau spielten die blinden Musiker.

Ein Konzert mit blinden Musikern aus München im Studio des Traunreuter k1 wurde ein voller Erfolg. Der Erlös dieser Benefizveranstaltung geht an den Verein »Licht für Kinder e.V.«


Gespannt wartete das Publikum auf das erste Stück und wurde bei diesem und allen weiteren nicht enttäuscht. Nach einem Auftakt mit Klassik ging es mit mehr jazzigen Stücken weiter. Die Besetzung mit Schlagzeug, drei Trompeten und zwei Tenorhörnern wirkt zunächst etwas ungewohnt. Nach den ersten Stücken merkt man aber, dass das Konzept funktioniert. Nicht nur die zunächst naheliegenden Bläsernummern wie Bert Kämpferts »Swinging Safari« oder Herb Alperts »Tijuana Taxi« klingen wie aus einem Guss. Auch die Interpretationen von Jazz-Standards wie »Summertime« oder »The Girl from Ipanema« können sich aufgrund der durchdachten Arrangements hören lassen.

Da wandert die Melodie von den Trompeten zu den Tenorhörnern und wieder zurück. Da wechseln mehrstimmig gesetzte Melodien mit freier Improvisation. Immer ist alles sauber intoniert und auf den Punkt gespielt.

Dem Zuhörer stellt sich da unwillkürlich die Frage, wie es blinden Menschen gelingt, sich all die Abläufe zu merken, da ein Spiel nach Noten nicht möglich ist. Das Repertoire der Band umfasst immerhin mehrere hundert Stücke. Hier gab Johannes Huber, der einzige Sehende, Trompeter und Leiter des Ensembles, einige interessante Einblicke in die Probenarbeit.

Die Ensemblemitglieder bekommen ihre Parts auf Diktiergeräte aufgespielt und üben dazu solange, bis sie sie auswendig spielen können, wobei einigen Musikern schon ein einmaliges Anhören genügt. In Traunreut spielten die Blinden Musiker in der Formation Theo Kalaitzidis (Tenorhorn), Jörg Schiener (Tenorhorn), Marco Eller (Trompete), Astrid Schweitzer (Trompete), Lourdes de Melo (Schlagzeug). Einige von ihnen, wie Astrid Schweitzer, sind Musiker schon von klein auf. Sie gewann mit acht Jahren den Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« mit ihrem ersten Instrument Blockflöte.

Vor der Pause und auch bei Zugabe verblüfften die Bandmitglieder das Publikum mit gekonnten A-Capella-Einlagen. Vor Beginn des zweiten Abschnitts führte der Arbeitskreis »Soziales« der Grünen eine kurze, aber sehr eindringliche Einlage zum Thema Inklusion auf. Große Anerkennung fand die Leistung des Ensembles auch bei den im Publikum anwesenden Musikern. Mit ihrer Musik, aber auch einigen humorvollen Anmoderationen, verstanden es die Musiker aus München, von Beginn an eine gute Stimmung zu verbreiten.

Man kann nur großen Respekt haben vor der Leistung dieser Menschen, die trotz ihres Schicksals immer gut gelaunt und bescheiden auftreten, denen aber auch die Wertschätzung ihrer Arbeit und der Zuspruch des Publikums sehr wichtig ist. Nach großem Applaus und drei Zugaben durften die sympathischen Musiker aus München die Heimreise antreten.