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Spektakuläre Outdoor-Aktion

Berchtesgaden - Hundert Meter geht es abwärts. Nur ein Seil überspannt den Abgrund. Darauf balanciert Slackliner Andy Lewis. Ungesichert. Für den Zuschauer: Nervenkitzel pur. Gesehen bei der »Euro-pean Outdoor Film Tour«, die am Montag im Kongresshaus Station machte. 500 Leute sahen zu.

»Sketchy Andy« auf der Slackline. Die »European Outdoor Film Tour« fand zum dritten Mal statt. Foto: E.O.F.T.

Neun Filme, neun außergewöhnliche Geschichten. Sportliche Abenteuer. Experimente, Höhenflüge, Hirngespinste, die in die Realität umgesetzt wurden. Da sind zum Beispiel die australischen Abenteurer Chris Bray und Clark Carter, die einen Extremtrip über die Victoria Islands, nördlich des Polarkreises, unternehmen.

1 000 Kilometer geht es über Eis, durch Matsch und auf Geröll. Mit dabei haben sie ein selbst gebautes Gefährt auf riesigen Traktorreifen. Monatelang quälten sich die beiden durch die unwirtliche Landschaft. Kämpften gegen die Tücken der Technik an. Und hielten sich gegenseitig bei der Stange. Viele kleine Rückschläge inklusive. Aufgenommen auf Video, für die Nachwelt gespeichert.

Nass geht es bei den Kajak-Fahrern zu. Ben Marr ist so einer. Einer, der die ganze Welt bereist hat, auf der Suche nach dem besten Spot. Und weil mächtige Strudel, heftige Wasserverwirbelungen und todbringende Stromschnellen nicht ausreichen, stürzte sich Marr ganz unkonventionell in die Fluten - in tiefster Dunkelheit.

Auf die Suche nach der Freiheit geht es mit einem Trio von Mountainbikern. Zweirad-Lenker, denen kein Berg zu steil, keine Schanze zu groß, kein Salto zu gefährlich scheint. Die mit brachialer Geschwindigkeit mondlandschaftsgleiche Hänge in Utah oder der Wüste hinunterjagen. Die stürzen - und wieder aufstehen. Zahlreiche Knochenbrüche zeugen alleine von den vielen Abenteuern, die die wagemutigen Biker in ihrem Leben am eigenen Leib erfahren haben.

Conrad Anker ist Profi-Bergsteiger. Einer, der noch einen Lebenstraum vor sich hat. Denn bislang scheiterte er an der Umsetzung, die »Shark's Fin« am Mount Meru zu erklimmen, im buddhistischen Glauben das »Zentrum des Universums«. Drei Jahre später macht er sich mit seinen Kumpanen erneut auf, ganz nach oben zu kommen. Doch die Zeichen stehen schlecht. Ein halbes Jahr zuvor hatte sich sein Kletterfreund bei einem Skiunfall schwer verletzt, Schädel- und Wirbelsäulenfraktur. Natürlich wurde dem Abenteurer von einer erneuten Teilnahme abgeraten. Bei der »Euro-pean Outdoor Film Tour« haben aber nur jene eine Chance, die das Risiko leben - und lieben. Und so versucht selbst einer, der erst kürzlich wieder ins Leben zurückgekehrt war, das scheinbar Unmögliche.

Unmöglich waren vor ein paar Jahren auch noch die luftigen Ausflüge der Birdmen. Experimentierfreudige Abenteurer, die in speziellen Fluganzügen an den Felswänden dieser Welt vorbeischießen - mit bis zu 250 Stundenkilometern. Und weil sie das Risiko lieben, sind es vor allen Dingen eng zusammenstehende Baumgruppen, enge Schluchten und Bergzinnen, an denen die »fliegenden Raketen« Slalom üben. Für den Zuschauer - völlig ungefährlich. Für die Protagonisten: ein Spiel um Leben und Tod.

Das große Finale, das im Kongresshaus-Publikum für so manchen Laut des Unwohlseins sorgt, haben sich die »E.O.F.T.«-Macher aber für den Schluss aufgehoben. Spätestens, wenn Andy Lewis die Leinwand betritt, wird dies klar. Hier fehlt einem das vernünftige Maß, die Bindung zum Leben. Andy Lewis ist Slackliner. Einer, der auf dünnen Seilen über Abgründe spaziert. Eigentlich altbekannt. Doch Lewis treibt die Sache zur Perfektion. Wagemut kombiniert mit einer großen Portion Unvernunft. Denn der Slackline-Profi balanciert nicht nur, er macht Kunststücke, springt auf dem Seil, vollführt Salti. Ungesichert. Selbst seine Freunde sagen, dass Andy Lewis, besser bekannt unter der Bezeichnung »Sketchy Andy«, keine Angst hat. Und immer wieder am Tod vorbeischrammt. So mancher Videobeweis zeugt davon, dass es um den durchaus als verrückt zu bezeichnenden Extremsportler schon so manches Mal Spitz auf Knopf stand.

Ob die »European Outdoor Film Tour« auch im nächsten Jahr wieder nach Berchtesgaden kommen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. kp