weather-image

»Spaßvogel(n) mit Sepp Bumsinger«

3.6
3.6
Berchtesgaden: Markus Langer amüsiert mit bayerischem Typenkabarett im AlpenCongress
Bildtext einblenden
Markus Langer ohne Sepp Bumsinger. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Witze, Pointen, Kammerspiel. Bei Programmbegriffen, wie »Spaßvogel(n)« und »Sepp Bumsinger« schwant einem anspruchsvollen und kultivierten Kabarett-Flaneur böses. Oder ist es »nur« Comedy? Es klingt fast so flach, dass es schon wieder gut sein muss. Der »Berchtesgadener Anzeiger« zog sich das Abendprogramm von Markus Langer im AlpenCongress mal rein.


Die Veranstaltung war nahezu ausverkauft. Markus Langer und sein »Special Guest«, die fiktive Figur »Sepp Bumsinger«, belustigten am Freitagabend das Publikum im Kleinen Saal auf eine recht unverblümte Art.

»Nicht nur eine Knallcharge sein«

Durch das in bairischer Mundart vorgetragene Typenkabarett zog sich ein deftiger Geschmacksfaden. Das Witzrepertoire begründete sich durch eine ewig nörgelnde Ehefrau (die durch eine Blasenschwäche nervt, »was sonst ihre Stärke ist...«) sowie der Fall in die Tristesse der Arbeitslosigkeit. Ein krankhafter Bierkonsum befruchtet zusätzlich Fehlentscheidungen und Tritte in sämtliche Fettnäpfchen. Da wird im Suff die Pizza bei 15 Grad und einer Wartezeit von 220 Minuten natürlich nix und die Kartenrunde der Spezl nicht mit Salzstangen, sondern Hundeleckerli abgespeist. Schauspielerisch schaffte es Markus Langer, seine Lebenskrise plausibel zu parodieren. Ein aufwendiges Bühnenbild hätte daher nur abgelenkt und blieb somit spartanisch. Unterstützend bot die Technik eine hervorragend ausgesteuerte Saalakustik, sodass jedes noch so kleine Schnaufen und Stöhnen des Künstlers bis in die hinterste Reihe gut zu vernehmen war.

Als Possenbasis diente im ersten Teil eine Kette skurriler Verwicklungen, verursacht durch das Tragen eines Leoparden-Tangas. Folglich wird er an der Tankstelle misstrauisch beobachtet und muss sich anschließend sogar im Polizeidialog rechtfertigen. Außerdem hing ihm doch auffällig sein linkes »Ei« unkontrolliert aus der dünnen und materialermüdeten Badehose heraus. Auf die Frage des Wachtmeisters, ob er denn mit einer »Alkoholprobe« einverstanden sei, antwortete er: »Ja freili! Wenn kein »Oettinger« dabei ist!«. Im zweiten Abschnitt des Abends kamen dann die Fans des »Sepp Bumsinger« auf ihre Kosten. Die Kultfigur findet besonders im Internet mit gedrehten Kurzclips aus der bayerischen Provinz regen Zuspruch.

»Jetzt mach'ma erst amoi a Hoibe auf«, so »Sepp Bumsingers« Tages- und Lebensmotto. Gewohnt präsentiert er sich lallend in orangefarbener Arbeiter-Kluft mit reichlich Promille unter der Baseball-Mütze. Grund dafür ist seine sogenannte »Männer-Handtasche«, gefüllt mit dem Lieblingsbier »Arschlecken 3 50«. Als personifizierter Kalauer kostümiert und mit einem Dentaldesaster im Gesicht à la »Horst Schlämmer«, sucht dabei seine unkontrollierte Zunge immer wieder den Weg ins Freie. So kommt alles, wie es kommen muss: Die Hilfestellung einer Katzenrettung endet anschließend per Katapulteinschlag im REWE-Schaufenster, ein mobiler Massagedienst scheitert am Promillespiegel. Und auch über das Sexualleben bestehen zunehmend Zweifel. Denn laut »Sepp Bumsingers« Statistik hat der deutsche Mann alle achteinhalb Tage Sex. Und so hinterfragt er sich: »Welche Sau bumst da für mich mit?«.

Auch sein ewiges Problem, die Morgenlatte, will er einfach nicht mehr so »stehen lassen«. Ein gebohrtes Loch in die Matratze bis zum Lattenrost soll Abhilfe schaffen. Dumm nur, dass sein Hund darunter schläft und geweckt agiert. Großes Amüsement im Kleinen Saal.

Mehrere Facetten zeigen

Doch wer im Publikum der Ansicht war, die Figur »Sepp Bumsinger« dominiere den Abend, wurde überrascht. Zwar schlüpfte Markus Langer zweimal in die Rolle des »prallen« Proleten, dennoch sollte die Figur nicht das Programm bestimmen. Auf die Frage, warum Markus Langer der Kult-Figur doch relativ wenig Spielraum einrichtete, erklärte der Kabarettist nach dem Auftritt: »Ich möchte nicht nur auf eine Knallcharge reduziert werden. Auch wenn diese so erfolgreich angenommen wird. Mein Programm soll mehrere künstlerische Facetten zeigen.« Jörg Tessnow