weather-image
20°

Spaß, Spiel und Spannung

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Michael Altinger (rechts) hatte Gäste ins Traunsteiner NUTS mitgebracht: Michael Elsener (von links), Winfried Klima und Gaston Florin als »Jaqueline« gestalteten einen unterhaltsamen Abend. (Foto: Heel)

Für beste pointenreiche Unterhaltung haben der Kabarettist Michael Altinger und seine drei Gäste bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gesorgt. Altinger war zwar leicht erkältet, was ihn aber nicht daran hinderte, den Abend launig zu moderieren.


So kam er gleich eingangs auf die anstehende Regierungsbildung zu sprechen, die recht seltsam verlaufen müsse, wenn, wie kürzlich verlautbart, jede Seite aufeinander zugegangen sei. Seltsam sei auch, dass im Gegensatz zu seiner Jugendzeit heute die Kinder häufig konservativer eingestellt seien, als ihre Eltern. Sozusagen eine kleine Rebellion von rechts, verbunden mit der Sehnsucht nach einem starken Anführer. Sein persönliches Rezept dagegen: ein Tattoo gegen Rechts.

Sein erster Gast war Michael Elsener aus Zug in der Schweiz, der Shootingstar der Schweizer Kabarettszene. Der studierte Politologe präsentierte Auszüge aus seinem neuen Programm »Mediengeil«, in denen er zunächst humorvoll das etwas zurückhaltende Temperament seiner Landsleute durch den Kakao zog, bevor er bissig auf die Machenschaften des »gemeinnützigen« Vereins FIFA zu sprechen kam. Mit viel schwarzem Humor gewürzt waren seine Anmerkungen zum Thema Sterbehilfe: »Sterben, wie geht das? – Man legt sich irgendwo hin, zum Beispiel unter eine Lawine.«

Auf Elsener folgte der in Seeon wohnhafte Winfried Klima. Er gab Ausschnitte aus seinem Programm »Voll verappled« zum Besten, meist lustige, aber auch nachdenklich stimmende Betrachtungen zum »Homo Digitalis«, der zwar nicht so intelligent wie sein Smartphone sei, aber für alle Lebenslagen über eine App verfüge, von Durchfall bis Tsunami. Und weil auch der smarte Haushalt längst schon keine Utopie mehr sei, erwarte er demnächst, dass sich während seines Urlaubs der Kühlschrank meldet und frech verkündet: »Mir ist so verdammt kalt, ich fahr mich jetzt auf 20 Grad hoch.«

Nachdem Winfried Klima den »Apple als Beginn allen Übels« ausgemacht hatte, interpretierte er die Schöpfungsgeschichte auf ganz eigene Art und Weise neu: Hier wurden Adam und Eva aus dem analogen Paradies geworfen, weil sie vom Apple-Baum gegessen hatten. »Die Moral von der Geschicht': Beiß in einen Apple nicht.«

Altingers letzter Gast war der Magier und Komödiant Gaston Florin aus München, der unter anderem die Titel Deutscher Meister und Weltmeister der Zauberkunst sowie den von Siegfried und Roy in Las Vegas verliehenen »Sarmoti Award« gewonnen hat. Er verzauberte das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes mit einer einzigartigen Mischung aus magischen Ereignissen, gepaart mit Schauspielkunst, Kabarett und jeder Menge Charme.

Als gehemmter, wortkarger »Gunther« lamentierte er zunächst über seine Sucht, ständig irgendwelche »Taschenspielertricks« machen zu müssen und ließ dabei Hütchen auf seinen Fingern, Flaschen aus Papiertüchern und große Spazierstöcke aus dem Nichts erscheinen. Geradezu tiefgründig und ungeheuer spannend anzusehen war, wie er das Phänomen Zeit veranschaulichte – spielerische Philosophie in Höchstform.

Abschließender Höhepunkt seiner Show war dann seine Verwandlung in »Jaqueline«, mit der er die Stimmung im NUTS zum Kochen brachte. Mit blonden Locken, französischem Akzent und der selbstbewussten Haltung einer erfahrenen Mittvierzigerin führte er noch ein paar Zauberkunststücke vor – das Publikum staunte nicht wenig, wie locker und mühelos es hinters Licht geführt wurde. Eine großartige Show, die nicht nur viel Spaß machte, sondern auch richtig spannend war. Wolfgang Schweiger