weather-image
24°

Spannung, Tanz und Temperament

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Bewunderung und Applaus gab es für die Solistin Nina Scheidmantel. (Foto: Janoschka)

Das Sinfoniekonzert im Rahmen der Bad Reichenhaller Mozart-Tage im Königlichen Kurhaus bescherte nicht nur den Bad Reichenhaller Philharmonikern ein volles Haus, sondern auch den Zuhörern ein exzellentes, musikalisches Charakterbild des Lokal-Helden Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791).


Ist dieses kompositorische Wunderkind ein Tonkünstler, so zeigte sich das Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie unter der jovialen Leitung von Christian Simonis als Klangkünstler. Kristallene Transparenz, tänzerische Leichtigkeit und packendes Temperament sind das berückende Ergebnis des »Aufeinanderhörens« und rissen die Zuhörer mit. Alle hatten dasselbe innere Klangbild und malten es genau nach der Vorgabe ihres Maestros, der seine Vorstellung mit einer klaren Körpersprache und mit »Kopf und Händen« – wie immer ohne Taktstock und mit voller Hingabe – auch dem Publikum kundtat.

Zwei Sinfonien, die »Prager« Nr. 38 in D-Dur KV 504 und die »Linzer«, Nr. 36 C-Dur KV 425, rahmten das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 in Es-Dur KV 271 mit dem Beinamen »Jeunehomme« ein, eine Umdeutung des Namens der Widmungsträgerin »Jenamy«. Die Solistin dieses Klavierkonzerts, Nina Scheidmantel, ist mehrfache Preisträgerin beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« und Stipendiatin verschiedener Gruppierungen. Trotz ihres jungen Alters blickt sie auf eine große Konzerterfahrung zurück, die sie u. a. als Zehnjährige bei einem Workshop mit Lang Lang in München sowie bei Konzerten in Peking und in der Carnegie Hall in New York gewonnen hat.

Diese Erfahrung teilte sie nun mit dem Bad Reichenhaller Publikum in ihrer Interpretation der drei Sätze Allegro, Andantino und Rondeau. Mozarts Musik ist zwar für den Zuhörer leicht erschließbar, doch gerade deshalb zählt jeder Ton. Nina Scheidmantel brillierte virtuos, besonders auch in den jeweiligen Kadenzen, und gab jedem Ton seine Bedeutung und seinen Platz im Gesamtgemälde, ob bei den perlenden Läufen oder in den ausdrucksstarken langsamen Passagen.

Im Andantino, »Mozarts erstem Konzertsatz in Moll«, wie es im Programmheft aus der Feder von Dr. Stephan Höllwerth heißt, fing sie mit einer tief empfundenen Melodie im Klavier eine expressive Stimmung ein. Ein reizendes Dialogspiel zwischen Klavier und Orchester bestimmte das Rondeau des dritten Satzes mit einer abwechslungsreichen Themenvielfalt zwischen den Wiederholungen. Als Zugabe und Dank für den großen Applaus spielte die Pianistin einen Teil des Klavierparts aus diesem virtuosen Satz solistisch, jedoch mit einer anderen Kadenz von Mozart als zuvor mit dem Orchester.

In der langsamen Adagio-Einleitung der »Prager«-Sinfonie schienen die Philharmoniker zu sagen »Hört her, jetzt kommt etwas Besonderes«. Die musikalische Aussage dieses langsamen Teils entwickelte sich allmählich weiter, indem die melodischen Figuren durch die Instrumentenregister wanderten und durch verschiedene Tonarten moduliert wurden, bis im Allegro das Tänzerische in kontrapunktischer Verarbeitung die Oberhand gewann. Auch in dieser Sinfonie deutete das Andante – wenn auch tänzerisch-wiegend im 6/8-Takt – auf eine tiefgehende musikalische Aussage mit einer nachdenklichen, fast tragischen Botschaft hin. Durch diese inhaltliche Gewichtung im Andante fällt kaum auf, dass danach eigentlich das Menuett folgen müsste. Statt dessen folgte der Prestosatz, in dem die Flöte zu Wort kam und gemeinsam mit den anderen Holzbläsern mit dem Orchester kokettieren durfte.

Auch in der »Linzer«-Sinfonie bereiteten die Philharmoniker in der bedeutenden Adagio-Einleitung das folgende »Allegro spirituoso« spannend vor, in dem das Fagott eine tragende Basslinie zeichnete. Die funkensprühende Energie glühte hintergründig – wenn auch nicht dynamisch, so doch gefühlsmäßig – im Andante weiter, bevor das kraftvolle Menuett diesen höfischen Tanz musikalisch darstellte. Die Gegenüberstellung zum reinen Streicherklang im eingebetteten Trio, das an Mozarts ländlerische Tänze erinnerte, war reizvoll, wie auch der dynamische Kontrast zwischen gesanglich-sanften und energisch-temperamentvollen Passagen, die immer wieder das Klangbild charakterisierten. Ein begeistertes Publikum nach einem Höhepunkt bei den Mozart-Tagen! Brigitte Janoschka