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Spannendes Streichenkonzert mit »individuellen Stücken«

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Das ensemble Amphion mit (v. l.) Alexander Krins, Barbara Danner, Felicia Graf, Johanna Wallner und Markus Lentz im Streichenkircherl. (Foto: Kaiser)

Es ist keine Kritik, schon gar kein Vorwurf, wenn man konstatiert, dass die diesjährige Reihe der Streichenkonzerte sich sehr bläserbetont darstellte. Dafür »entschädigte« das letzte Konzert mit zwei Streichquintetten, mit »besonders individuellen Stücken«, wie Alexander Krins, der Initiator des ensembles Amphion (München-Wien) betonte. Er bereitete das Publikum, das im Kircherl alle Plätze besetzte, mit klugen Einführungen und hilfreichen Zuhörtipps zu W. A. Mozarts Streichquintett c-Moll KV 406 und Anton Bruckners Quintett F-Dur auf ein spannendes und anregendes Konzert vor. Im Quintett musizierten Alexander Krins, Violine, Lehrer an der Musikschule Traunwalchen, und deren früherer Leiter Markus Lentz, Violoncello; zwischen den beiden agierten, wohl geborgen und durchaus gleichberechtigt Barbara Danner, zweite Violine, und Felicia Graf und Johanna Wallner an den Violen, alle drei (ehemalige) Krins-Schülerinnen.


1782 hatte Mozart die siebenstimmige Serenade für Bläser (zwei Oboen, zwei Klarinetten, Horn, zwei Fagotte) Nr. 12 c-Moll, von ihm selber »Nacht Musique« genannt, komponiert. Schon der Ernst und der Anspruch der Tonart, dazu die komplexe Satztechnik heben dieses Werk von den übrigen Serenadenkompositionen entschieden ab. Um 1788 schrieb Mozart die Bläserserenade für Streichquintett um, ohne an den musikalischen Strukturen Wesentliches zu ändern.

Mit einem einstimmig aufsteigenden Moll-Dreiklang kündigte das Ensemble einen dramatischen Verlauf an, ließ sich aber durch ein kantables zweites Thema beruhigen. Ganz zu Ruhe und Tiefgang kam es im in sich geschlossenen Andante mit drei wunderbaren Themen. Das raffiniert und kompliziert konzipierte »Menuetto in canone« erklang in streng kanonischer Gestaltung, wobei das Trio, ohne zweite Bratsche, sich zu einem Doppelkanon verdichtete. Das finale Allegro stellte ein Thema in c-Moll vor und verarbeitete es in acht einfallsreichen Variationen, bevor die tänzerische Coda in herrlich entspanntem C-Dur endete.

Nach einer Pause, die man im Freien verbrachte (dort war es wärmer als im Kircherl), konfrontierte das ensemble Amphion die Zuhörer mit einem »sehr einsamen Werk in einer ganz eigenen Sprache« (Alexander Krins). Anton Bruckners Streichquintett F-Dur entstand 1879, 90 Jahre nach Mozarts KV 406, und ist neben einer Studienarbeit von 1862, dem erst 1949 in einem Skizzenbuch entdeckten Streichquartett c-Moll, das einzige große Kammermusikwerk des Sinfonikers und Kirchenmusikers, nicht nur eine Werk der Reifezeit, sondern ein reifes Werk. Es profitiert zwar von der sinfonischen Erfahrung des Komponisten, ist aber keine »verkappte Sinfonie«, sondern ein echt kammermusikalisch durchgestaltetes Stück.

Nach dem »gemäßigten« Kopfsatz mit seinen sanglichen Themen äußerte sich das Scherzo recht »böhmisch«, ohne den brucknerschen Tonfall zu verleugnen. Aufgeregt und aufregend vorwärtsdrängend barg es ein Trio mit kostbar ländlerischen Pizzikato-Passagen. Zum intellektuell-emotionalen Zentrum entwickelte sich der Adagio-Satz. Subtil und intensiv gestaltet mit schon sinfonischen Ausmaßen, steigerte er sich zu einem verklärten Höhepunkt, der erst in der Themenreprise zu einem sanften Schluss verebbte. Das Finale setzte mit nachdrücklichen ostinaten Tonwiederholungen ein, führte mit rhythmischen Höhepunkten und gestalterischen Überraschungen zu einem dreifachen Forte, um dann freundlich und ruhig zu enden.

Mit der Zugabe stellte das Amphion-Quintett noch einmal sein ausgeglichenes, harmonisches Musizieren unter Beweis, mit dem Adagio aus Johannes Brahms' Streichquintett G-Dur op. 111. Engelbert Kaiser