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Spannend und «komisch»: Pep verändert Bayerns Spielstil

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Pep Guardiola weist die Mannschaft in sein System ein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa

Arco (dpa) - Für einen ersten kurzen Moment stand Pep Guardiola beim FC Bayern mit dem Rücken zur Wand. Umzingelt von aufgeregten italienischen Reportern, Kameramännern und Ordnern gab der Starcoach vor einer Werbetafel Auskunft nach dem 3:0 (2:0) des Champions-League-Siegers gegen Brescia Calcio.


Auch auf Deutsch gab Guardiola noch rasch Antworten nach «unserem ersten Test gegen eine seriöse Mannschaft», bei dem wieder deutlich wurde: Der Spanier hat ein spannendes Projekt gestartet, denn er tut etwas, was sehr ungewöhnlich ist. Er will bei einer Mannschaft, die alles gewonnen hat, nicht nur kleinere kosmetische Verfeinerungen vornehmen, sondern den Spielstil erkennbar verändern.

Das 4-1-4-1-System mit nur einem Sechser und weit vorrückenden Außenverteidigern sei «ein wenig komisch», gestand Franck Ribéry, der in der offensiven Viererreihe weiterhin links spielt, aber auch vermehrt nach innen zieht. Die Spieler zeigen sich aber offen für Neues. «Wir müssen reden, müssen lernen, müssen üben», erklärte Ribéry. Thomas Müller, der mit Toni Kroos die zwei zentralen offensiven Mittelfeldpositionen besetzte, berichtete von «anderen Anforderungen und Laufwegen, auch wenn wir gegen den Ball arbeiten».

Defensiv taten sich bei flotten Gegenzügen des Gegners größere Räume auf. Aber Guardiolas Bayern-Fußball ist schließlich auf noch mehr Ballbesitz ausgelegt. Die Münchner greifen mit bis zu sieben Spielern an, weil die Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba sich weit nach vorne verschieben. Müller (23. Minute), Kroos (32.) und Jan Kirchhoff (90.+1) erzielten gegen den italienischen Zweitligisten die Tore. «Einige Trainingsergebnisse haben wir im Spiel schon umsetzen können», kommentierte Müller.

4-1-4-1 statt 4-2-3-1? Guardiola mag keine Systemdebatten führen. «Das System ist nicht das wichtigste», bekräftigte er auch nach dem vierten Testspielsieg und wiederholte: «Ich weiß, es wird nicht einfach am Anfang.» Sportvorstand Matthias Sammer mahnte am Mittwoch Offenheit an. «Die Tradition der Mannschaft und des FC Bayern treffen auf Peps Ideen. Wenn wir die nicht annehmen, wäre das negativ.» Er sehe auch keine Revolution, sondern nur «Detailveränderungen».

Auf die großen Fragen wie die, wer denn der einzige Sechser sein könnte - Bastian Schweinsteiger oder Javi Martínez - kann es noch keine Antworten geben. Wichtige Spieler seien noch nicht da, verletzt oder noch in Behandlung, merkte Guardiola mit Blick auf die Urlauber Martínez und Dante oder Schweinsteiger und Mario Götze an. Götze konnte am Mittwoch das Lauftraining aufnehmen und soll in 14 Tagen das Teamtraining aufnehmen. Bei Schweinsteiger ist es schon nächste Woche soweit. «Das sind erfreuliche Nachrichten», so Sammer.

Gegen Brescia besetzte der 17-jährige Pierre-Emile Hojbjerg die Schlüsselposition vor der Abwehr, später dann Emre Can (19). «Wir brauchen mehr Zeit», sagte Guardiola: «Wir haben sehr gut gearbeitet in der ersten Periode. Und langsam kommen stärkere Gegner.»

Sammer setzt bei den Veränderungen des Spielstils auf «die Qualität und Vielseitigkeit» der Münchner Profis. «Es ist eine Umstellung», gestand der Schweizer Xherdan Shaqiri, der gegen Brescia auf dem rechten Flügel spielte. Arjen Robben kam nach erst zwei Trainingstagen noch nicht zum Einsatz.

«Vorbereitungsspiele sind wichtig, um sich einzuspielen, erst recht, wenn man einen neuen Trainer hat, der das eine oder andere testen will und etwas Neues einführen wird», sagte Karl-Heinz Rummenigge, der extra zum Spiel nach Italien angereist war. «Wichtig ist, dass wir am 9. August, wenn es losgeht mit der Bundesliga, in der richtigen Form sind. Davon bin ich überzeugt», sagte Rummenigge.