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Spanische Liedtradition aus alter und neuer Welt

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Viel Beifall gab es für Rolando Villazòn und die Pianistin Carrie-Ann Matheson. (Foto: Aumiller)

Eine kleine Geschichte spanischer Lieder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchschritt Rolando Villazóns Programmgestaltung bei seinem Festspielliederabend im Haus für Mozart in Salzburg.


Er spannte dabei einen Bogen von 1899 bis 1944. Es war ihm offensichtlich ein Anliegen, die spanischen Klangfarben als »echte Kunstlieder bedeutender spanischer und lateinamerikanischer Komponisten« darzustellen und verstanden zu wissen. So basieren die »Siete canciones populares espanolas« von Manuel de Falla zwar auf Melodien der Volkskultur, sind aber »auf eine Kunstebene gehoben«, wie Villazón betonte. Auch die Canciones clásicas espanolas« von Fernando Obradors servierte er als echte Kunstlieder, ebenso die Weisen des französisch-katalanischen Komponisten Federico Mompou oder die Vertonungen der poetischen Gedichte Federico García Lorcas durch den Mexikaner Silvestre Revueltas.

Ob Alberto Ginastera, Alberto Nepomuceno, Luis Antonio Calvo: Villazòn zeigte, dass all diese Melodien Herzensangelegenheiten für ihn sind und er sang sie in seiner spanisch-mexikanischen Muttersprache mit aller intensiver emotionaler Identifikation des textlichen Gehalts, der sich um Liebe, Sehnsüchte, Schmerz, Klagen, Trauer aber auch um fantasievolle Komik rankt. Die Poesie Luis Cernudas in »Las nubes«, von Carlos Guastavino vertont, ist für Villazòn »eine Wanderung in die Tiefe der Seele«. Und man spürte es, dass er aus den eigenen Tiefen schöpfte, dass es ihm wichtig war, die Musik als Herzensempfindung mitzuteilen.

Seine starke Präsenz, mit der er sein Publikum meist mit erheiternden Zutaten um den Finger zu wickeln pflegt, war diesmal ganz von Seriosität und ernsthaftem Gestaltungswillen getragen. Stimmlich kam es ihm entgegen, dass er die Stücke zum Großteil in der ähnlichen Tessitura, im Mittellagebereich, vortrug. Mit tenoralen Höhen ging er dabei sparsam um, punktete aber mit langen Atemphrasen und fokussierter Diktion. Mit lange gehaltenen Schlussnoten und einigen in der höheren Lage gelungenen Leuchttönen war ihm der große Applaus sicher. Wenn er sich mal in die zu tiefe Region wagte, war die Stimme auf unsicherem Terrain. Aber die breite Mittellage nützte er als ausdrucksstarkes Mittel, um die Musik intensiv gefühlsbetont auszuloten. Dass durch die durchgängig fast gleiche Tonlage und ebenso die meist getragenen Tempi eine gewisse Gleichförmigkeit aufkam, tat aber am Ende der Begeisterung der Zuhörer keinen Abbruch.

Der vokalen Getragenheit setzten die Komponisten in der pianistischen Begleitung einen Gegenpart mit variantenreicher Rhythmik, reizvoller Farbskala, hämmernden Akkorden, Triolen und raschen tanzenden Läufen. Villazóns Klavierpartnerin, die kanadische Pianistin und Dirigentin Carrie-Ann Matheson, war mit all den verschiedenen Facetten vertraut und war dem Sänger eine gut korrespondierende Stütze und sichere Begleiterin. Elisabeth Aumiller