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Spanien im Herzen

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Jost-H. Hecker (von links), Ricardo Volkert und Carmen Lopez brachten spanisches Lebensgefühl in die Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Spanische Musik, Literatur und Lebensgefühl vermittelte der Münchner Gitarrist, Sänger und Flamenco-Experte Ricardo Volkert bei seinem Auftritt in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Kongenial begleitet am Violoncello wurde er dabei von Jost-H. Hecker, einem der Mitbegründer des »Modern String Quartets«, der u. a. mit Charlie Mariano, Klaus Doldinger, Joan Baez, Mercedes Sosa und Konstantin Wecker gespielt hat und derzeit als Theatermusiker in München tätig ist. Als Dritte im Bunde agierte die Flamenco-Tänzerin Carmen Lopez, die wieder einmal mit ihren atemberaubenden Tanzeinlagen beim Publikum für Beifallsstürme sorgte.

Im Mittelpunkt der musikalischen Lesung standen dabei die Dichter Federico Garcia Lorca, Pablo Neruda und Rafael Alberti und damit auch der Spanische Bürgerkrieg, der vor 80 Jahren zu Ende ging. Ein Krieg, dem Lorca gleich zu Beginn zum Opfer fiel, während Alberti nach dem Sieg der Faschisten ins Exil nach Argentinien flüchtete. Betroffen war auch Neruda, der als chilenischer Konsul in Spanien zwar zur Neutralität verpflichtet war, sich aber dennoch gegen die Putschisten unter General Franco engagierte.

Drei Schicksale, auf die Volkert kenntnisreich einging, bevor er teils selbst übersetzte Texte intonierte, darunter eine der berühmten »Zigeuner-Romanzen« von Lorca und das Gedicht »Tu Risa/Dein Lachen« aus Nerudas Buch »Spanien im Herzen«. Nicht umsonst versteht er sich heute mehr als »Cantautor«, als spanischer Liedermacher, den es reizt, spanische und lateinamerikanische Poesie dem Publikum nahe zu bringen. Eingebettet in jede Menge Rumbas, Flamencos und Sevillanas wie etwa einer »Sevillana Biblica«, in der Geschichten aus dem Alten Testament erzählt werden, ging so ein Stück spanischer Kultur über die Bühne, wie es kurzweiliger und informativer kaum sein kann.

Zu dieser Kultur zählt auch die Flamenco-Tänzerin Carmen Lopez, geboren und aufgewachsen in San Fernando, einer Stadt am Atlantik in der Provinz Cádiz. Hier hat sie von klein auf in der Flamenco-Schule der heute weltweit berühmten Flamenco-Tänzerin Sara Baras und deren Mutter Concha Baras das Tanzen gelernt. Vor etwa 15 Jahren hat sie dann angefangen, selbst zu unterrichten – zunächst als Hobby. Mittlerweile lebt sie seit über 10 Jahren mit ihrer Familie bei Traunstein und betreibt neben ihrer Aufgabe als mehrfache Mutter intensiv das Tanzen.

An ihren zahlreichen Tanzeinlagen, sehr persönlich geprägt und reich an Ausdruck, berauschte sich das Publikum, und dass Lopez nebenbei auch noch wunderbar singen kann, bewies sie mit der auf Spanisch vorgetragenen Version des Welthits »Can’t Take My Eyes Off You«, hier schlicht »Te Quiero Mucho« genannt. Ein Titel, der auch gut zum Abend gepasst hätte, der als letzten Höhepunkt noch ein fulminantes Violoncello-Solo Heckers zu bieten hatte. Wolfgang Schweiger