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Sondereinsatz am Purtschellerhaus

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Teamarbeit: Helfer der THW-Ortsverbände Berchtesgadener Land und Sonneberg waren gemeinsam im Einsatz. (Fotos: privat
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Mit vereinten Kräften zogen die THWler die Fichte vom Tragseil.

Berchtesgaden – So was nennt man Teamarbeit: Die Ortsverbände Berchtesgadener Land und Sonneberg des Technischen Hilfswerks haben jetzt die Materialseilbahn des Purtschellerhauses vor großem Unheil bewahrt. Denn nicht nur der schwere Schnee bedrohte die Stahlseile, sondern auch ein umgestürzter Baum.


Das Purtschellerhaus gehört der Sektion Sonneberg des Deutschen Alpenvereins. Es ist von Mitte Mai bis Mitte Oktober für Mitglieder des Alpenvereins wie auch für Nichtmitglieder geöffnet und ermöglicht herrliche Aufenthalte und anspruchsvolle Bergtouren. Das Haus steht seit dem Jahr 1900 in 1 692 Meter Höhe direkt auf der deutsch-österreichischen Grenze auf dem Nordausläufer des Hohen Göll (2 522 m).

Im Winter sind Schneehöhen von über einem Meter normal und Schneeverwehungen hüllen oft ganze Hausseiten ein«, weiß Günter Geyer, der Vorsitzende des DAV-Sektion Sonneberg.

Doch die Schneemassen im Januar, wegen derer sogar der Katastrophenfall ausgerufen wurde, waren zuviel. Der Ortsteil Buchenhöhe an der Zufahrtsstraße zum Zustieg des Purtschellerhauses war vom Verkehr abgeschnitten. Deshalb machte sich der Sektionsvorstand Sorge um den Zustand des Hauses und vor allem der Materialseilbahn. Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner war es gelungen, mit Tourenski die Alpenvereinshütte zu einer ersten Inspektion zu erreichen. Das Gebäude war in Ordnung, obwohl der Schnee so hoch lag, dass man mit den Ski über das Haus hinweg hätte fahren können.

Weitaus problematischer zeigte sich jedoch die Situation an der Materialseilbahn. Die Seile waren meterdick eingeschneit und drohten unter der Schneelast zu reißen.

Der mit der Wartung der Seilbahn beauftragten Firma gelang es gemeinsam mit dem Hüttenwirt unter großen Strapazen, im über zwei Meter hohen Schnee auf dem Waldweg etwa 120 Kilo schweres Werkzeug zur Talstation zu bringen und die Seile zu entspannen. Damit war jedoch nur ein Teil der Gefahr gebannt. Denn eine Fichte war unter der Schneelast gebrochen und auf das Tragseil gefallen. Mit einfachen Mitteln war sie nicht zu entfernen. Im Gespräch mit dem THW-Ortsverband Sonneberg wurden Rettungsmöglichkeiten erörtert. Schließlich baten die Thüringer ihre Kollegen in Ainring um Hilfe. Die Antwort: Ja, natürlich.

Zunächst arbeitete sich ein Trupp zur Begutachtung der Situation an der Seilbahn vor. Wenige Tage später wurde dann die Aktion durchgeführt. Sieben Einsatzkräfte waren einen ganzen Tag lang beschäftigt. Die Unfallstelle konnte wieder nur mit Tourenski oder Schneeschuhen erreicht werden. Auf dem Forstweg von der Enzianhütte an der Roßfeld-Höhenringstraße, die nun befahrbar war, waren mehrere Bäume gefährlich durch den Schneedruck umgebogen oder bereits gebrochen. Das Werkzeug und Seile mussten zum Einsatzort mit Körperkraft geschleppt werden. Dann konnte die Fichte am Tragseil der Bahn entfernt werden. Das gelang nur mittels Umlenkung eines Fixseils an einem benachbarten Baum und Verwendung eines Seilzugsystems. Mit einem Hoch-Entaster konnte der Stamm schließlich durchtrennt werden, sodass das Seil frei war. cfs