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»So gut es geht, mit dem arbeiten, was man hat«

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Mebis ist das eine, aber heimische Schulen setzen auch auf viele andere Möglichkeiten, um digitalen Distanzunterricht zu ermöglichen. Foto: dpa

Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler sehen dem Schulstart am Montag gespannt entgegen – »Brauchen mehr Lehrer und IT-ler«


»Das Problem ist, dass man in dieser Pandemie zwangsweise immer nur sehr kurzfristig entscheiden kann«, sagt Matthias Schmid, Leiter des Traunreuter Johannes-Heidenhain-Gymnasiums. »Man navigiert halt immer so im Trüben. Dabei setzen wir am Johannes-Heidenhain-Gymnasium grundsätzlich nicht allein auf Mebis. Aber wir geben alle unser Bestes, um uns auf den Schulstart am Montag vorzubereiten.«

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»Wir haben uns ja schon seit Jahren mit der Digitalisierung befasst und verschiedene Dinge unternommen. Corona hat halt jetzt noch den Turbo gezündet«, sagt der Schulleiter. Internetbasierte Cloud-Lösungen gebe es an der Schule bereits sehr lange. Seit Juli seien auch alle 600 Schüler online erreichbar. »340 davon haben ein schulisches Gerät dafür, der Rest nutzt private Geräte.«

Dabei sei Geld gar nicht das Hauptproblem. »Man muss sich halt drum kümmern.« Dabei sei das Landratsamt ein sehr guter, verlässlicher Partner. Von der Regierung würde man sich aber an der einen oder anderen Stelle schon noch mehr Unterstützung wünschen.

IT ist auf alle Fälle ein Dauerprozess

Der EDV-Lehrer unterrichte drei Stunden weniger pro Woche. »Dafür hat er dann die gesamte EDV unter sich«, so Schmid. Und es sei gar nicht möglich, das einfach an einen externen Dienstleister zu übertragen. »Es ist ja nicht so, dass man da mal was installiert, und ist damit fertig. IT ist ein Dauerprozess. Nicht umsonst beschäftige jede Firma meist mehrere Fachkräfte. Zwar sei beim Digitalgipfel im Juli angekündigt worden, für Schulen Digitalkräfte anzustellen. »Aber diese Leute sind ja gar nicht auf dem Markt«, so Schmid.

Die Organisation zu Corona-Zeiten sei schon manchmal ziemlich sportlich, und zwar für alle, Lehrer, Kinder und Eltern gleichermaßen. Aber jammern wolle er keineswegs, auch nicht schimpfen über die Lernplattform Mebis oder andere Dinge, die noch nicht funktionieren, wie sie sollten. »Wir müssen halt immer wieder schauen, was geht, und was nicht.«

Natürlich könne man da schon mal ungeduldig werden, wenn das Glasfaserkabel seit November im Haus, aber noch nicht nutzbar sei. »Aber es gibt einen Vertrag mit einem Fertigstellungstermin im Frühjahr. Ich weiß ja auch nicht, was da vielleicht noch an Zuleitungen gebaut werden muss. Aber da sind wir auch mithilfe des Landratsamts dahinter.«

Generell sei es auch utopisch zu glauben, Videokonferenzen würden problemlos laufen. »Waren sie mal in einer Videokonferenz mit 29 Schülern?« Es gebe einige Schüler, bei denen das Netz nicht ausreichend sei dafür, »aber da haben wir ja keinerlei Einfluss drauf.« Trotzdem habe sich im letzten halben Jahr unglaublich viel getan.

Aber auch wenn digitaler Unterricht mittlerweile erstaunlich gut funktioniere, bilde man damit natürlich nur einen Teil dessen ab, was in der Schule sonst auch an sozialer Bildung laufe. »Und die Kinder brauchen einen strukturierten Tagesablauf.«

Zur Streichung der Faschingsferien sagt er: »Wenn wir bis dahin wieder Präsenzunterricht haben, ist das sicher gut.« Allerdings hätten die Kollegen in den vergangenen Monaten oft deutlich mehr geleistet als in früheren Jahren, da wäre die Erholung für den einen oder anderen sicher ganz gut gewesen.

»Da wird halt schon mal schnell per Federstrich entschieden. Ein einfaches Danke für den Einsatz wäre sicher hochwillkommen gewesen.« Aber das Schlimmste wäre gewesen, die Weihnachtsferien zu verlängern. »Die Kinder langweilen sich, die brauchen Struktur und etwas zum Denken.«

Distanzunterricht kam nicht überraschend

»Unsere Schule ist vorbereitet«, sagt auch Alexander Fietz, Leiter der Ludwig-Thoma-Grundschule in Traunstein. »Der Distanzunterricht kam ja nicht überraschend.« Seit Wochen habe man schon in verschiedenen Szenarien gedacht. »Präsenzunterricht wäre uns natürlich das Liebste gewesen, auch für die Familien.«

»Wir kommunizieren auch im Distanzunterricht mit den Kindern, ob per Internet, E-Mail oder Telefon. Super ist, dass das Schulamt zusammen mit dem Medienzentrum Traunstein, das am Landratsamt angegliedert ist, extra Serverkapazitäten ausgebaut hat. Damit sind auch Videokonferenzen problemlos möglich, zumindest von unserer Seite.«

In der Grundschule sei vor allem der Kontakt zum Lehrer wichtig. Dabei müsse man auch immer an die Konzentrationsausdauer von Grundschülern denken. »Die Häppchen, die wir anbieten, müssen die Kinder auch schaffen können.« So würden zu Videokonferenzen auch keine ganzen Klassen, sondern immer nur kleinere Gruppen von Schülern eingeladen. Für den Unterricht müssten die Lehrer aber die ganze Bandbreite nutzen, also auch Arbeitshefte und Arbeitsblätter, die die Eltern an der Schule abholen könnten zu bestimmten Schalterzeiten.

Natürlich gebe es auch eine Notbetreuung, aber Lehrer, die im Distanzunterricht Videokonferenzen halten, Arbeitsblätter vorbereiten und korrigieren, könnten nicht auch noch die Kinder in der Notbetreuung unterrichten. »Da muss ich die Klassenleitungen rausnehmen. Wenn, dann kann ich da höchstens eine mobile Reserve einsetzen, sofern die nicht schon woanders gebunden ist«, sagt Fietz. Aber natürlich hoffe man, dass möglichst viele Kinder daheim bleiben, denn das sei ja das Ziel, die Kontakte zu minimieren.

Mebis spiele an seiner Schule kaum eine Rolle. Grundsätzlich versuche man aber, den Ansturm auf das Internet um 8 Uhr zu entzerren. »Wir haben an der Schule ein Infoportal in der Cloud, mit dem wir alle Eltern gleichzeitig informieren können, über das Lehrer Aufgaben verteilen und Eltern gelöste Aufgaben zurückschicken können«, sagt Fietz. Insgesamt habe man schon sehr viel erreicht, aber »wir haben natürlich noch immensen Nachholbedarf, das ist alles noch nicht das Optimum.« Dennoch müsse man weiter Optimismus an den Tag legen und so gut es geht mit dem arbeiten, was man hat.

»Versuchen, schnell die beste Lösung zu finden«

Leihgeräte gebe es an der Schule, »aber die Kinder brauchen dazu Wlan, sonst nützt das beste iPad nichts«. Eine eigene IT-Kraft gebe es an der Schule nicht, wohl aber eine Systembetreuung. Ansonsten seien er und seine Konrektorin sehr gut eingearbeitet, »und wenn's klemmt, versuchen wir, schnell die bestmögliche Lösung zu finden.« Da müsse man dringend nachbessern. »Wir brauchen dringend mehr Lehrer und IT-ler. Und wir müssen hinterfragen, was ist das Ziel in diesem Schuljahr, was haben die Kinder gelernt und was eben nicht.« Die Belastung sei für alle groß gewesen. »Und das hat Spuren hinterlassen. Da braucht es dringend Erholungszeiten.« Von Januar bis April durchlernen, ist eine lange Zeit. Aber unabhängig davon arbeiteten seine Lehrer alle höchst professionell »und wir werden alles tun, dass die Kinder so wenig wie möglich versäumen.« coho