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Singende Geigenvirtuosin Rebekka Hartmann

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Mittel- und Glanzpunkt des Abends war Rebekka Hartmann, die begeistert mit reichlich Applaus gefeiert wurde. (Foto: Aumiller)

Mit »Humorvoll-Himmlisch-Impulsiv« waren die drei Programmpunkte beim dritten Konzertabend der Bad Reichenhaller Mozartwoche überschrieben. Himmlisch ist Mozarts G-Dur-Konzert KV 216 gewiss und Rebekka Hartmann spielte es mit Engelstönen.


Da war es schon schade, dass das eher schütter besetzte Theater nicht so recht zur Festatmosphäre taugte. Aber die Geigerin war ein Fest für sich. Ihrer kostbaren Stradivari entlockte sie Glanz und singenden Wohllaut. Den melodischen Reichtum und das gefühlige Melos wusste sie subtil und wunderbar innig auszuloten. Die eher schlichten Linien formte sie mit gewichtiger innerer Kraft, die der Klangqualität indes beflügelte Schwerelosigkeit verlieh. Besonders für den träumerischen Mittelsatz fand sie feinsinnigen Zauberklang in nuancenreicher Ausformung. In den breit angelegten Kadenzen, die aber geschmackvoll die Themen variierten und sie wie gekonnt improvisatorisch wirkend ausreizten, ließ sie ihre technisch virtuosen Fertigkeiten schillern.

Diese erfuhren noch eine Steigerung bei der folgenden Zugabe eines Violin-Juwels von Fritz Kreisler, bei dem sie alle geigerischen Bravourregister aufbot. Aber sie beließ es nicht bei der effektvollen Demonstration instrumentaler Brillanz, sondern zeigte gleichermaßen, mit ausdrucksstarker Intensität gestaltend, den reizvollen musikalischen Gehalt der Komposition. Rebekka Hartmann: zweifellos ein Highlight für die Mozartwoche. Das Orchester begleitete solide, verabsäumte aber weitgehend, sich von den gestalterischen Impulsen der Solistin inspirieren zu lassen.

Mozart hatte seine fünf Violinkonzerte in relativ kurzer Folge als Neunzehnjähriger komponiert. Damals war er Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Aber später widmete er der Geige keine weiteren Solokompositionen mehr. So ist es naheliegend, dass die Violinkonzerte für bestimmte Anlässe und zu gegebenen Gelegenheiten entstanden. Nichtsdestoweniger ließ sie Mozart zu musikalischen Schätzen werden.

Zum Auftakt des Konzertabends kam Antonio Salieris Ouvertüre C-Dur zu Gehör. Sie stellte den humorvollen Programmteil dar. Nun ja, mit vier Trompeten war das sicher zutreffend. Die Mozartwochen-Konzerte führen heuer alle verfügbaren Salieri-Kompositionen in ihren Programmen. Das ist ein interessanter Ansatz, überragte doch Salieri damals an Berühmtheit seinen Kollegen und »Gegenspieler« Mozart. Sicher ist es löblich, diese Musik mal aufzuführen, der Adt auch das Attribut musikalischer Größe zubilligt. Immerhin war Salieri geschätzter Lehrer unter anderem von Beethoven, Czerny, Liszt, Schubert, Süßmayer und Mozarts Sohn Franz Xaver Mozart. Nach dieser Ouvertüre aber war es leicht zu begreifen, warum seit etwa dem Jahr 1800 bis heute Mozart der Berühmtere ist.

Die Prager Symphonie mit ihrer beeindruckend gravitätischen Einleitung als dritter Programmpunkt des Abends war im ganzen ersten Satz eher eine Reichenhaller Symphonie. Impulsiv war das nur bedingt zu nennen, Charme und Spannung blieben außen vor. Wenn man nahezu in der Größenordnung eines Kammerorchesters besetzt, müsste man auch in kammermusikalischer Qualität und Transparenz spielen. Hier hatte man aber eher der Eindruck von lustloser Routine, so als geige ein jeder eben so vor sich hin. Die Bläser ließen sich in markanterer Klanglichkeit vernehmen, mischten sich mit den Streichern jedoch nicht gerade in idealer Balance. Eine explizit herausgearbeitete Phrasierung zum Ausloten der modulatorischen Vielfalt und reichen Kontrapunktik blieb verborgen. Der Andantesatz geriet dann gefälliger, die polyphonen Motive und Kontraste überzeugender und im Zusammenklang geschlossener. Und das Presto-Finale erlebte dann schon tempobedingt eine Steigerung. Da mussten die Kräfte mobilisiert werden und Streicher und Bläser machten sich auf zum fröhlichen Duell. Versöhnliches Klingen bereitete zuletzt einen turbulenten Abgesang, der heftigen Beifall provozierte. Elisabeth Aumiller