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Sinfonisches Konzert mit konsequenter Steigerung

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Flötensolist Maximilian Randlinger und das Musikkollegium Traunstein unter dem Dirigat von Augustin Spiel begeisterten das Publikum. (Foto: Kaiser)

Das zweite Traunsteiner Sinfonische Konzert dieser Saison, gestaltet vom Musikkollegium Traunstein unter dem Dirigat von Augustin Spiel, nahm eine interessante Entwicklung: Am Anfang stand ein Jugendwerk des 16-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart, die Sinfonie in A-Dur KV 134.


Aus dem Beginn des ersten Satzes klang ein Mazurka-Rhythmus heraus, so betont und lässig wirkten die ersten Takte. Auch aus der weiteren Entwicklung klang ungenierte, spielerische Experimentierfreudigkeit. Das folgende Andante war wie eine Vorahnung späterer schmerzlich-süßer Opernarien. Ein keckes Menuett erweiterte die damals übliche Dreisätzigkeit einer Sinfonie um einen erfindungsreichen Satz, der kurz und gut vorüberzog. Entspannt und ganz mit sich im Reinen zog das Schlussallegro vorbei. Leider störten Intonationsprobleme bei den Streichern den erfreulichen Eindruck eines Werkes, mit dem sich jemand auf Größeres vorbereitete. Auch die beiden Waldhörner waren bei ihren Einwürfen nicht sehr treffsicher.

Als Mozart sechs Jahre später für einen Flöte spielenden holländischen Kaufmann »ein paar Konzertln« schreiben sollte, hatte er gerade dazu keine Lust und schrieb ein bereits bestehendes Oboenkonzert um. Doch der clevere Kaufmann roch den Braten und strich dem »Komponisten« die Gage um mehr als die Hälfte zusammen. Inzwischen gehört dieses D-Dur-Konzert zum Standard-Repertoire auch für Maximilian Randlinger, der 1988 in Traunstein auf die Welt kam. Zusammen mit dem bestens aufgelegten Musikkollegium machte er dieses Werk zu einem Kleinod virtuosen Könnens und melodischen Reichtums.

Mit einer bezwingenden Einleitung öffnete das Orchester das erste Thema des Allegros für den Solisten, der sich mit strahlendem Silberton und reichen Auszierungen in die Herzen der Zuhörer spielte. Bei der ausgefuchsten, blendend formulierten Kadenz beeindruckte seine uneitle, natürliche Gestaltung. Mit großem Atem zelebrierte er ein traumhaft in sich ruhendes Adagio und ließ den Zauberton seines Instruments betörend erklingen. Nach einer übermütigen Einleitungsformel tat sich, in feinem Zusammenspiel mit dem Orchester, eine Fülle kokett-verspielter Einfälle auf, die die Zuhörer vollends begeisterten.

Ihren brausenden Beifall belohnte Maximilian Randlinger mit einem der schönsten Solostücke der Flötenliteratur, mit »Syrinx« von Claude Debussy, einer Fülle sehnsüchtiger, schmeichelnder Melodien, gebündelt in Wohlklang.

Nach der Pause lag die anmutig-unbeschwerte Sinfonie Nr. 6 C-Dur von Franz Schubert auf den Pulten des Orchesters, das nun mit allen Blasinstrumenten (mit Ausnahme von Posaunen) besetzt war. Schon im ersten Satz übernahmen nach einer wuchtigen Adagio-Einleitung, die sich in Fröhlichkeit sublimierte, die Bläser unwiderstehlich die Führung. Das Andante war erfüllt von Schubertscher Melodiefülle, nicht in »Melodienseligkeit«, sondern sehr bewusst und konzentriert zu Gehör gebracht. Mit straffen Rhythmen und deutlichen Akzenten zeigte sich das Scherzo ziemlich aufmüpfig, das abschließende Allegro moderato spielte sich in Rondoform mit vorwärtsdrängenden Motiven und endete mit einer grandiosen Steigerung.

Die Aufführung dieser »kleinen C-Dur-Sinfonie« war in ihrer kompromisslos-konsequenten Gestaltung ein weiterer Höhepunkt in der Reihe der Interpretationen von Wiener Meistern durch das Musikkollegium. Zwei kurze Sätze aus Beethovens Kontretänzen widmeten Augustin Spiel und sein Orchester dem Traunsteiner Publikum als Dank für den reichen Beifall. Engelbert Kaiser