weather-image

Sicherheitsdebatte nach tödlichem Unfall in Le Mans

Le Mans (dpa) - Erstmals seit 1997 ist bei der Jubiläumsausgabe der 24 Stunden von Le Mans wieder ein Rennfahrer gestorben. Es war der 117. Tote in 90 Jahren. Prompt begann nach dem tödlichen Unfall des Dänen Allan Simonsen zu Beginn des Langstreckenrennens eine Debatte über die Sicherheit.

Allan Simonsen
Der Rennfahrer Allan Simonsen ist an den Folgen eines schweren Unfalls gestorben. Foto: Thomas Frey Foto: dpa

Neun Minuten nach dem Start hatte der 34-Jährige die Kontrolle über seinen Aston Martin verloren und war in die Leitplanke gekracht - an einer Stelle, wo keine Reifenstapel als Puffer aufgebaut waren. Er erlag im Streckenkrankenhaus seinen Verletzungen, wenige Stunden nachdem bereits am Nürburgring bei den deutschen Langstreckenmeisterschaften ein 55-jähriger Rennfahrer nach einem Herzinfarkt am Steuer gestorben war.

Anzeige

«Der Unfall auf dem Nürburgring war ja kein Rennunfall. So etwas kann auch auf einem Mountainbike passieren», sagte der Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes, Hans-Joachim Stuck, der Nachrichtenagentur dpa. «Man darf diesen Zwischenfall nicht dem Thema Rennsport und speziell dem Nürburgring zuordnen.»

In Le Mans ist das anders. «Man wird sich Gedanken machen müssen. Die Rennstrecke führt im 45-Grad-Winkel auf die Landstraße. Gerade an dieser Stelle sollte man mit Reifenstapeln die Leitplanken zusätzlich absichern», sagte der dreimalige Le-Mans-Sieger Marco Werner, der als Audi-Botschafter in Frankreich weilte. Dagegen nahm der fünfmalige Le-Mans-Gewinner Frank Biela die Verantwortlichen zum 90. Renngeburtstag in Schutz. «Ich glaube nicht, dass man irgendjemandem einen Vorwurf machen kann. An dieser Stelle fliegt man normalerweise nicht von der Strecke.»

Viele aktive Fahrer wollten sich aus Respekt vor dem veranstaltenden Automobile Club de l'Ouest (ACO) nicht äußern. Die Nachricht vom 117. Todesopfer des ältesten noch ausgetragenen Rennens der Welt war aber noch nicht offiziell bestätigt, da gab es bereits erste Stimmen, dass es um die Sicherheitsvorkehrungen an der Unfallstelle nicht zum Besten stehe. Die Kurve «Tertre Rouge», in der Fahrzeuge der GTE-Am-Klasse etwa 170 Stundenkilometer schnell sind, ist Teil einer abgesperrten, öffentlichen Landstraße. Deswegen, so die Meinung vieler Beobachter, hätten an dieser Stelle vor den Leitplanken noch zusätzlich schützende Reifenstapel gehört.

Als Führender der GTE-Am-Klasse war Simonsen bei seinem siebten Start in Frankreich in der dritten Runde bei leichtem Regen in die Absperrung gekracht. Streckenposten hatten ihn aus seinem Aston Martin mit der Startnummer 95 geborgen. Nach dpa-Informationen war der erfahrene Rennfahrer mit zwei Podiumsplätzen in Le Mans (GT2) auf die blaue Streckenmarkierung gekommen und hatte dadurch in seinem Lieblingsrennen die Kontrolle über sein Auto verloren. Ein anderer Pilot war an dem Unfall demnach nicht beteiligt. Obwohl der Wagen schwer beschädigt war, hatte es zunächst keine Anzeichen für eine lebensbedrohliche Verletzung gegeben. In der Folge gab es eine Safety-Car-Phase, die fast eine Stunde andauerte.

«Das war leider ein klassischer Rennunfall mit einem fatalen Ende. Man darf im Motorsport nie den Respekt verlieren. Motorsport ist und bleibt gefährlich. Der Unfall in Le Mans zeigt deutlich, dass immer ein Restrisiko besteht», sagte Stuck.

Simonsen war bei seinen Fahrerkollegen sehr beliebt. Auch sein Landsmann Tom Kristensen (Audi), dem man die Nachricht zunächst nicht übermitteln wollte, war geschockt. Der achtfache Le-Mans-Sieger bat darum, während des Rennens nicht auf das Thema angesprochen zu werden. In Dänemark änderte der übertragende Radiosender P3 nach dem Tod sein Programm.

Zahlreiche Rennfahrer äußerten ihr Bedauern über den Unfall via Twitter, darunter Formel-1-Pilot Jenson Button und Audi-DTM-Fahrer Jamie Green. «Allan war ein extrem talentierter und erfahrener Sportwagen-Pilot, der schon in jeder Ecke der Welt gefahren ist und von seinen Kollegen und seinem Team sehr respektiert wurde. Für viele im Sportwagen-Sport war er darüber hinaus ein guter Freund, dem seine Leidenschaft für das Rennfahren auf und neben der Strecke anzusehen war», hieß es in einer von Automobilweltverbands-Präsident Jean Todt und ACO-Präsident Pierre Fillon unterzeichneten Stellungnahme. Auch Audi und Toyota sprachen der Familie ihr Beileid aus.

Der Leichnam wurde bereits zur Bestattung an die Angehörigen übergeben. Simonsens Vater und Bruder waren in Le Mans vor Ort. Sie waren noch am Samstagabend mit einem Privatjet nach Hause geflogen worden. Carina, die Lebensgefährtin von Simonsen, hatte wegen der 2012 geborenen Tochter Mie-Mai auf die Reise verzichtet und war in Simonsens Wahlheimat Monaco geblieben.

Die verbliebenen vier Fahrzeuge von Aston Martin fuhren weiter. «Seine Familie hat uns gebeten, weiter zu machen, zu Ehren von Allan, der das sicher so gewollt hätte», teilte Teamchef David Richards mit. Die Rennteilnahme zum 100. Geburtstag des britischen Herstellers war aber fortan überschattet vom Tod des Teamkollegen.

Unterdessen hat der ACO mitgeteilt, dass der Unfall und seine Folgen von den französischen Behörden untersucht würden. Dies sei bei einem Unfall mit Todesfolge ein ganz normaler Vorgang.

24 Stunden von Le Mans

Homepage Allan Simonsen

Tweet von Jenson Button

Tweet von Jamie Green