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Der Bischofswieser Hartmut Karstens gibt die Verantwortung nach 18 Jahren an den Ramsauer Manfred Weber ab

Servicedienstleister für den Spitzensport

18 Jahre lang leitete Hartmut Karstens (r.) das Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land des Olympiastützpunktes Bayern. Zum 1. Januar übergab der 71-Jährige den Posten an den 52-jährigen Ramsauer Manfred Weber. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – »Wir sind quasi ein Dienstleister für den Spitzensport«, sagt Hartmut Karstens über das Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land des Olympiastützpunkts Bayern. Nach 18-jähriger Tätigkeit als Leiter des Regionalzentrums gab der Bischofswieser die Verantwortung zum 1. Januar ab. In seine Fußstapfen tritt mit Manfred Weber erneut ein ehemaliger Berufssoldat. Der 52-jährige Ramsauer ist als Vorsitzender der Berchtesgadener Tafel und Fußballtrainer beim FC Ramsau im Berchtesgadener Talkessel kein Unbekannter.


Ein Jahr nachdem Hartmut Karstens im September 1997 als Oberstabsfeldwebel bei der Bundeswehr in den Ruhestand gegangen war, übernahm er den Posten bei der damaligen Außenstelle Berchtesgaden des Olympiastützpunkts Bayern. Schon zwei Jahre später erweiterte sich sein Zuständigkeitsbereich, als das Bundesministerium des Inneren und der Deutsche Olympische Sportbund Anlauf nahmen, die Olympiastützpunkte neu zu strukturieren. Als Modellregion wurden in Bayern die drei Regionalzentren Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Chiemgau/Berchtesgadener Land geschaffen.

Von Königssee bis Inzell

Zum Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land, das fortan Hartmut Karstens leitete, gehören seitdem die Trainingszentren in Ruhpolding, Inzell, Götschen, Jenner, Kälberstein und am Königssee. Angegliedert sind das Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in Ainring, die Sportschule der Bundespolizei in Bad Endorf und die CJD-Eliteschule des Sports in Berchtesgaden. Das hiesige Regionalzentrum umfasst die Sportarten Ski alpin, Snowboard, Biathlon, Ski nordisch, Bob, Rennrodel, Skeleton, Eisschnelllauf und Short Track.

»Unsere Aufgaben sind Servicedienstleistungen für die Spitzensportverbände in den Bereichen Trainingswissenschaft, Sportmedizin, Physiotherapie und Umfeldmanagement. Damit sind wir direkter Ansprechpartner für die Athleten und Trainer«, erklärt Hartmut Karstens. Da geht es beispielsweise um die Koordination von Terminen, um Hilfestellung für andere Olympiastützpunkte oder um die Organisation von Förderanträgen an die Deutsche Sporthilfe im Rahmen der Internatsförderung. »Da fällt viel Kleinkram an. Vieles ist Routine, so manche Anforderung kommt aber auch ganz spontan«, erklärt Hartmut Karstens.

Genau mit Abschluss der aufwändigen Sanierungsarbeiten der Olympiastützpunkt-Räumlichkeiten an der Berchtesgadener Schießstätte übergab Karstens nun an seinen Nachfolger Manfred Weber. Mit dem Ramsauer übernimmt nach Manfred Kattengell, Heribert Ailler und Hartmut Karstens erneut ein ehemaliger Berufssoldat auf Honorarbasis die Verantwortung beim Olympiastützpunkt.

Fußballtrainer und Tafel-Vorsitzender

Der gebürtige Trierer kam 1998 in die Ramsau, war lange Jahre Berufssoldat in der Strub. In den letzten fünf Jahren seiner Dienstzeit leitete er die Betreuungsstelle für Zivile Aus- und Weiterbildung der Bundeswehr in Stuttgart. Für organisatorische Aufgaben müsste Manfred Weber deshalb bestens qualifiziert sein. Vor drei Jahren übernahm der ehemaligen-A-Jugend-Fußballer bei Eintracht Trier beim FC Ramsau den Trainerposten. Ein wenig stolz ist er schon darauf, dass er die Mannschaft nach und nach aus dem Tabellenkeller holen konnte. Heute belegt sein Team immerhin den 3. Platz in der B-Klasse. Obwohl Manfred Weber als Familienvater und Landwirt auch im Ruhestand ganz gut ausgelastet ist, übernahm er vor zwei Jahren auch noch den Vorsitz bei der Berchtesgadener Tafel.

»Die Fußstapfen, in die ich nun beim Olympiastützpunkt trete, sind durchaus groß«, weiß der 52-Jährige. Doch der Ramsauer ist zuversichtlich, dass er sich schnell in seinen neuen Aufgabenbereich einarbeiten werde. »Jetzt muss ich erst einmal die entsprechenden Leute kennenlernen und mich etwas frei schwimmen«, sagt Weber. Seine erste größere Aufgabe wird in den nächsten Monaten die Organisation der Förderanträge zur Internatsförderung sein.

Derweil darf sich Hartmut Karstens nun etwas zurücklehnen. »Ich scheide mit einem guten Gefühl. Denn meine letzte große Aufgabe, die Sanierung der Olympiastützpunkt-Räumlichkeiten, ist erfüllt Und ich habe einen qualifizierten Nachfolger gefunden, der das ganz sicher packen wird«, sagt der 71-Jährige zuversichtlich. Er blickt auf eine Zeit mit vielen Herausforderungen, mit Höhen und Tiefen, zurück. Positiv in Erinnerung geblieben ist ihm unter anderem die Begegnung mit dem früheren DSV-Skisprungtrainer Reinhard Heß, den er als »herausragende Persönlichkeit« kennengelernt hatte. Schmerzlich sind auch 16 Jahre nach der Gletscherbahn-Katastrophe am Kitzsteinhorn mit elf Toten aus dem Skiverband Chiemgau die Erinnerungen an diese schwere Zeit. »Die Trauerfeier, die Beerdigungen, die Begegnungen mit den Angehörigen – all das hat mich persönlich sehr getroffen«, erzählt Hartmut Karstens.

»Momentan keine Aufgaben«

Ob man Hartmut Karstens, der jahrzehntelang auch große Eröffnungsfeiern für Bob- und Rennrodel-Welt- und Europameisterschaften organisiert hatte, einmal wieder an verantwortungsvoller Position antreffen wird, lässt der Bischofswieser offen. »Momentan habe ich keine Aufgaben übernommen, ich will ja etwas kürzer treten«, sagt der 71-Jährige.

Und dann fällt ihm doch noch ein in Kürze anstehender öffentlicher Auftritt ein: Bei den Brigade-Skimeisterschaften wird Hartmut Karstens wieder die Funktion des Sprechers übernehmen. Da trifft er dann auch seinen Olympiastützpunkt-Nachfolger Manfred Weber, der bei den Rennen traditionell für die korrekte Zeitmessung sorgt. Ulli Kastner