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Seit 1898 eine Stimme für Frieden und Freiheit

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Patenbitten in Vachendorf 1988 anlässlich des 90. Jubiläums mit Festleiter und erstem Vorstand Georg Jobst senior, zweitem Vorstand Sebastian Rosenegger junior (links) und dem Haslacher Pfarrer Josef Schenk. (Foto: KSK Haslach)

Traunstein – Ihr 120. Gründungsjubiläum feiert die Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach am Sonntag. »Seit 1898 stellt sich der Verein wider das Vergessen und ist damit eine wichtige Stimme für Frieden und Freiheit«, stellt Schirmherr und Oberbürgermeister Christian Kegel in seinem Vorwort zur Festschrift fest.


Der Festsonntag beginnt um 8 Uhr mit dem Empfang am Festzelt beim Haslacher Feuerwehrhaus. Um 9.30 Uhr erfolgt die Ausstellung zum Kirchenzug. Der Gottesdienst findet ab 10 Uhr beim Haslacher Kriegerdenkmal statt. Im Anschluss daran formieren sich die Teilnehmer zum Festumzug durch Haslach zurück zum Festzelt, wo die Jubiläumsfeier ab etwa 12 Uhr mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingt.

»Am 28. Mai 1898 trafen sich im Gasthaus Mesnerwirt in Haslach einige Veteranen des Krieges 1870/71 und andere gediente Männer der Gemeinde, um den Veteranen- und Kriegerverein Haslach zu gründen.« So ist es in der Chronik der Festschrift nachzulesen. Aber erst ein Jahr später setzte eine Versammlung elf Statuten fest und wählte den Kusenbauern Johann Urban aus Axdorf zum Vorstand. Bereits 1900 feierte die noch junge Kameradschaft ihre erste Fahnenweihe.

Während des Ersten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben. Im November 1920 beschlossen die Gemeinde, die Kirchenverwaltung sowie der Veteranen- und Kriegerverein, an der äußeren Friedhofsmauer ein Kriegerdenkmal zu bauen, das ein Jahr später enthüllt wurde.

Im Jahr 1925 feierte der Verein sein 25. Gründungsfest. Der Kienzlbauer Anton Mader aus Traunstorf wurde zum Vorstand gewählt. Die Haslacher zählten 1927 zu den Gründungsvereinen der Krieger- und Soldatenkameradschaften des Chiem- und Rupertigaus. Und wieder kam 1939 das Vereinsleben wegen eines Weltkriegs zum Erliegen. Für eine Metallsammlung musste 1940 der bayerische Löwe von der Fahnenspitze der Vereinsfahne abgeliefert werden, der durch eine schmucklose Halskugel ersetzt wurde.

Ab 1947 führte die Krieger- und Soldatenkameradschaft eine fortlaufende Chronik. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zur Tradition, dass der Vereinsjahrtag am Dreifaltigkeitssonntag abgehalten wird. Unter Vorstand Johann Rosenegger, Huberbauer von Axdorf, entstand 1948 der Plan, ein neues Kriegerdenkmal zu errichten. Dafür fehlten aber die Geldmittel. 1949 trat Sebastian Rosenegger, Moierbauer von Seiboldsdorf, die Nachfolge von Johann Rosenegger an. Er hatte dieses Amt bis 1986 inne. Unter seiner Vorstandschaft wurde 1956 der Plan wieder aufgegriffen, den Opfern des Zweiten Weltkriegs ein würdiges Denkmal zu errichten. Der zunehmende Straßenverkehr machte eine Erweiterung des Kriegerdenkmals an der Friedhofsmauer unmöglich. Pfarrer Josef Stitzl erklärte sich bereit, ein Grundstück aus dem Besitz der Pfarrgründe zur Verfügung zu stellen. Durch Tausch erwarb er 1957 eine 200 Quadratmeter große Fläche, die er dem Verein gegen Erbpacht mit der Auflage zur Verfügung stellte, dort ein Kriegerdenkmal zu errichten und zu erhalten. In der Folge wurde das Kriegerdenkmal von Maurermeister Josef Cetina aus Haslach, Zimmerermeister Johann Bachmayer aus Axdorf und Schlossermeister Pius Binder aus Traunstein erbaut. Die Einweihung wurde im Juli 1958 mit dem 60. Vereinsjubiläum und der Weihe einer neuen Fahne verbunden.

Mit 299 Mitgliedern erreichte der Verein 1966 seinen höchsten Stand. Weil die Zahl der Mitglieder in den folgenden Jahren wegen vieler Todesfälle stark zurückging, wurde 1970 beschlossen, auch junge, aus der Bundeswehr ausgeschiedene Soldaten aufzunehmen. Konsequenterweise wurde der Verein 1976 in Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach umbenannt.

Bei der Renovierung des Kriegerdenkmals wurde 1981 das Dach vollkommen erneuert. Die Kosten von 8000 Mark übernahm die Stadt Traunstein, weil die Gemeinde Haslach 1978 in die Stadt eingemeindet worden war. Im selben Jahr wurde auch der Innenraum der Gedächtniskapelle samt Madonnenbild renoviert.

Im Jahr 1986 ging nach 37 Jahren die Ära von Vorstand Sebastian Rosenegger zu Ende. Georg Jobst aus Einham wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Er kam bis zu seinem Ausscheiden 2016 auf stattliche 30 »Dienstjahre«. In der Jahreshauptversammlung 1987 wurde die Restaurierung der alten Traditionsfahne von 1900 beschlossen. Die Wiederweihe durch Pfarrer Josef Schenk erfolgte 1988 in Verbindung mit dem 90. Gründungsjubiläum. Die Stadt Traunstein stiftete einen bayerischen Löwen als neue Fahnenspitze und ließ das Trauerband renovieren. Zehn Jahre später wurde das 100-jährige Bestehen mit einem Festgottesdienst am Kriegerdenkmal und einem Festumzug begangen.

Im Jahr 2016 übernahmen Simon Schreiber das Amt des Vorstands von Georg Jobst. Unter seiner Führung wurde die Kameradschaft auch für nicht gediente Fördermitglieder geöffnet. Stadträtin und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ursula Lay wurde als erstes weibliches Fördermitglied in die Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach aufgenommen. Bjr