weather-image
28°

Sehenswerte Einblicke in die Vielfalt der Kunst

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Ninon Voglsamer (links) und Christine Dobler präsentieren noch bis zum 18. Juni ihre Werke in einer gemeinsamen Ausstellung mit Christoph Haußner in Tacherting. (Foto: Morgenroth)

Zeitgenössische Kunst äußert sich in mannigfaltiger Formensprache – in der derzeitigen Ausstellung im Gewölbesaal des historischen Salzstadels in Tacherting vermitteln ausgewählte Gemälde und grafische Blätter der drei befreundeten Künstler Christine Dobler, Christoph Haußner und Ninon Voglsamer dem Besucher beispielhafte Einblicke in die Vielfalt an Erscheinungsformen, die für die Kunst in unserer Zeit bezeichnend ist. Von Konkreter Kunst über Surrealismus bis zu figurativer Formensprache spannt sich der Bogen in der Tachertinger Präsentation.


Christine Dobler begann 1974 autodidaktisch mit ihrem intensiven künstlerischen Schaffen. Neben der Malerei und der Zeichnung, die sie seit Beginn an stets begleiten, und der intensiven Auseinandersetzung mit der Radierkunst beschäftigt sie sich seit mehr als fünf Jahren mit der Technik des Holzschnitts. 1986 erhielt sie den Förderpreis des Landkreises Traunstein für Malerei. Sie lebt und arbeitet in Tacherting und veranstaltet seit 2004 wiederkehrende Ausstellungen in der eigenen »Galerie im Salzstadel« in Tacherting.

Tierdarstellungen als zentrales Sujet

Motivisch erarbeitete sich Christine Dobler im Laufe der Jahre ein typisches Repertoire, das sie in zahlreichen Varianten formuliert. Zwei Themen charakterisieren vor allem das Holzschnittwerk von Christine Dobler: Tiere und Pflanzen. Die Tierdarstellungen bilden in ihrer großformatigen ausgestellten Farbholzschnitt-Serie »Zauberwelten« in der Tachertinger Präsentation das zentrale Sujet. Häufig erscheinen in ihren »dreigeteilten Blättern« Mischwesen und Tiere wie Affen oder Hühner in Gruppen, sitzend oder stehend, während oftmals ein Drache oder ein Baum in der Mitte das Zentrum bildet. Hinzu kommen in den jüngsten Blättern auf den Außenseiten der Blätter die Konturen einer menschlichen Figur.

Christine Dobler konzentriert sich bei ihren Farbholzschnitten auf die elementaren Gestaltungsmittel von Fläche und Strich. Einige kraftvolle Linien oder Flächen genügen ihr zur Bezeichnung einer Figur oder eines Körpers. Die dargestellten Tiere im Zyklus »Zauberwelten« tragen viele symbolische Aspekte in sich: das Geheimnisvolle, das Unheimliche, die friedliche Ruhe oder die neugierige Wachsamkeit. Christine Doblers Werke zeichnen sich aus durch ihre Treue zur Figürlichkeit in einer Zeit, in der die Abstraktion vorherrscht.

Christoph Haußner, in Augsburg geboren, absolvierte von 1979 bis 1986 sein Studium der Kunsterziehung und Germanistik und ist seither freier Maler. 2006 erhielt er den Seerosenpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München, wo er lebt und arbeitet.

Der Inhalt seiner ausgestellten Gemälde sprengt oftmals die Zwänge und Logik und gelangt zu neuen visuellen Vorstellungen, in denen nichtzusammengehörige Dinge sich in unerwarteten Gegenüberstellungen verkoppeln und eine magisch-poetische Wirklichkeit erzeugen. Zudem leben seine Werke vom Zusammenspiel von Akteur und Kulisse. Sein Hauptanliegen scheint die Verfremdung der Dingwirklichkeit zu sein.

Die ausgestellten »Landschaftsbilder« oder »Traumlandschaften«, ungewöhnlich und fast irreal mit einzelnen Objekten wie Federn angefüllt, als auch seine Gemälde der vier Elemente zeichnen sich durch eine gesteigerte, nahezu fotorealistische Präzision der Zeichnung wie der Farbgebung aus. In diesen Arbeiten erweist sich sein Prinzip, jede Illusion und vordergründige Ähnlichkeit der Dinge untereinander zu negieren, als eine eigenständige Antwort auf die Infragestellung der sichtbaren Realität. Es scheint, als würde Haußner die Erscheinungsformen der Gegenstände in dem Augenblick, in dem er sie auf die Leinwand setzt, einer gewissen Metamorphose unterwerfen, die von der Art ihrer Verarbeitung abhängig ist.

Seine präsentierten Arbeiten bieten einen guten Einstieg in die Gedankenspiele und Ideenwelt des Künstlers. Christoph Haußner spielt hier mit dem Betrachter ein »surrealistisches Spiel«, hinterfragt dessen Vorstellungen von Realität und irritiert dessen Sehgewohnheiten. Durch das Wecken von Empathie erheben sich die Arbeiten über ihre dekorativen, illustrierenden Eigenschaften.

Ninon Voglsamer absolvierte ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sie ist freischaffende Malerin, Bildhauerin und Dozentin. 2008 erhielt sie den Seerosenpreis der Stadt München. Sie lebt und arbeitet in München und Mengkofen.

In der Tachertinger Ausstellung präsentiert Voglsamer kleinformatige Arbeiten, in denen die bildnerischen Elemente weder Abbild der Natur noch symbolisch gemeint sind, sondern in ein Wechselspiel von geometrischen Formen nur sich selbst bedeuten. Die ausgestellten Arbeiten sind Teil eines langen Wegs zu formaler Einfachheit und Klarheit.

Ninon Voglsamers Farbverständnis, die Glätte des Farbauftrags wie in der Verwendung geometrischer Formen und die harmonischen Proportionen wie auch die Farbgebung selbst bewirken eine deutliche Spannung von Ton zu Ton, die die formale Ausgewogenheit der Kompositionen dynamisiert. Die Gemälde zeigen auf der engen, formalen Begrenzung auf die elementare, geometrische Grundform des Quadrats die unendliche Vielfalt der Farbflächengestaltung.

Die Formate der »Cubes« sind bewusst klein

Der Bezug der Farbgebung in wechselseitiger Position bietet Voglsamer dabei ein vielgestaltiges, künstlerisches Experimentierfeld. Die Formate ihrer ausgestellten »Cubes« sind bewusst klein gehalten, da das Konzept in einem sich ständig weiterentwickelnden Element von Farbästhetik, Positionierung und räumlicher Tiefenwirkung beruht.

Die Künstlerin nennt ihre »Cubes« auch »Mosaiksteine« für die Wand, variabel kombinierbar durch ihre elegante Farbintensität. Alle »Cubes« sind mit bis zu fünf Farbschichten pro Segment aufwändig gemalt. Es entstehen in einem permanenten Entwicklungsprozess immer neue Themenreihen wie Architektur-, Origami-, Bluestar- und Asymetric-Cubes, die in Tacherting zu sehen sind. Ihre Arbeiten wirken spielerisch leicht, verlangen jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Sujet.

Die äußerst sehenswerte Ausstellung ist bis zum 18. Juni zu sehen und Donnerstag sowie Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet sowie nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 08621/3284. Gabriele Morgenroth