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Seen-Sucht nach Süden

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Seen-Sucht nach Süden
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Blick von Nago (Italien) auf den Gardasee und die Gemeinde Torbole. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa

»Seen-Sucht« heißt eine ZDF-Miniserie über klassische europäische Urlaubsregionen. Den Anfang macht Barbara Luegs Beitrag über »Die oberitalienischen Seen« zwischen Volkstümlichkeit und italienischer Grandezza.


Berlin (dpa) – Goethe kam schon 1786 – und George Clooney fühlt sich hier heute noch wohl. So wie alljährlich Millionen Touristen von nah und fern. Die Rede ist vom oberitalienischen Seengebiet mit Gardasee, Comer See und Lago Maggiore.

Dort, wo in den Augen vieler Nordländer gleich nach Überwindung der Alpen der Mittelmeerraum und eine heile Ferienwelt beginnen. In ihrer Doku »Seen-Sucht nach Süden – Die oberitalienischen Seen« schildert die Journalistin Barbara Lueg die seit Generationen beliebte Region.

Das ZDF zeigt sie am Donnerstag (11. Juli) um 22.15 Uhr. Sie ist gleichzeitig Auftakt einer dreiteiligen Serie über klassische europäische Binnengewässer-Sommerziele. Es folgen jeweils genau eine Woche später »Die Mecklenburgische Seenplatte« von Bernd Mosebach (18. Juli) und »Die Kärntner Seen« von Gert Anhalt (25. Juli).

Die Urlaubsparadiese haben die Faszination gemeinsam, die Wasser auf Menschen ausübt – auf seine Anwohner und auf Gäste. Verbunden mit einem ganz speziellen Lebensstil, der allerdings auch ziemlich elitär sein kann. Letzteres gilt etwa am Lago di Como, wo der amerikanische Filmstar George Clooney (58, »Monuments Men«) in Ufernähe die riesige Sommerresidenz Villa L'Oleandra besitzt, in die er gern Hollywood-VIPs wie Jennifer Aniston einlädt.

Die meisten Dorfbewohner von Laglio scheinen den Schauspieler allerdings allenfalls von weitem zu kennen, wie Äußerungen in der Doku zu entnehmen ist. Der Comer See hat eine lange Tradion als Ziel für betuchte Gäste. Das belegt eindrucksvoll das alte Schlosshotel Villa d'Este, in dem der Jetset bereits in den 1950ern abstieg.

Am volkstümlicheren Gardasee hat Franco hat das Aufkommen des Massentourismus in der Nachkriegszeit miterlebt und dessen Geschichte ein Museum gewidmet. Inzwischen gibt es alljährlich 24 Millionen Übernachtungen, vorrangig aus Deutschland. Er liebe seine Touris, sagt Franco, weil sie den einst armen Einheimischen doch zu Lohn und Brot in eigenen Hotels, Gaststätten und Restaurants verholfen hätten.

Barbara Lueg zeigt auch einiges Kritikwürdige an den Touristenmassen auf. Zum Beispiel anhand einer Familie, die vor dem Trubel in eine entfernte Bergregion geflohen ist und dort auf traditionelle Art Ziegenkäse produziert. Insgesamt aber ist auch die deutsche Reporterin von der Schönheit und dem Charme des Seengebiets vor alpiner Kulisse angetan.

Luxus regiert dann wieder am Lago Maggiore. Mit der Reformbewegung auf dem nahen Berg Monte Verità, der schon vor gut 100 Jahren Naturliebhaber wie den Architekten Walter Gropius, den Maler Paul Klee und den Dichter Hermann Hesse faszinierten, erinnert Lueg auch an eine ungewöhnlichere Facette.

Mit Humor nimmt heute das ältere Ehepaar Giovanni und Colette sein Schicksal an, wegen ausländischer Billigkonkurrenz mittlerweile die wohl letzten Produzenten von qualitätvollen Regenschirmen am Lago Maggiore zu sein. Ein Handwerk, das man ausgerechnet dort, im meist sonnigen Süden, wo die Orangen und die Zitronen blühen, wohl kaum erwartet hätte.

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