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Seelenkitzler aus der Renaissance

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Der Seeoner Kammerchor verwöhnte die Zuhörer des 3. Namenstagskonzert mit ausgesuchten Werken aus der Renaissance. (Foto: Benekam)

Die heilige Walburga, die um 710 im südenglischen Wessex geboren wurde und Mitte des 8. Jahrhunderts ihre Heimat verließ um in Deutschland als Missionarin zu wirken, wäre sicherlich entzückt gewesen von den kraftvollen Singstimmen und der wohltuenden Energie, die von dem Seeoner Kammerchor ausging.


Andrea Wittmann nahm das Namenstagskonzert zum Anlass, einmal eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Unter dem Motto »Renaissance in Kunst und Musik« bekamen die Gäste des gut besuchten Konzerts einen profunden Geschichtsunterricht. Sie erfuhren, dass Nonnen um 1000 aus dem Kloster Nonnberg in Salzburg und dem Kloster Eichstätt, wo die Hl. Walburga begraben ist, auf der kleinen Seeoner Halbinsel, wo jetzt die Kirche St. Walburg steht, wirkten. Des Weiteren erfuhren die Gäste von der Kirchenmusikerin Wissenswertes über die Renaissance und Spätrenaissance, die europäische Kulturepoche vom 15. bis 16. Jahrhundert.

Die passende Musik lieferte der in allen vier Stimmlagen gut aufgestellte Chor, der den Altarraum füllte. Die selten gehörten und gewiss nicht leicht zu singenden Werke, die Wittmann teilweise am Cembalo begleitete, klangen harmonisch ausgewogen und erfreulich klar.

Die ersten zwei Stücke waren dem Fresko der Mannalese am linken Altar gewidmet: »O salutaris hostia« und »Alta Trinità beata«. Öl auf die Haut, Gesang unter die Haut: Mit dem vierstimmigen »Echo« von Orlando di Lasso, bei dem der Chor vierstimmigen Widerhall von der Empore bekam, fühlte sich das Publikum wie auf einem akustischem Wellnessurlaub.

So auch bei zwei von Andrea Wittmann solistisch gesungenen »Ave Marias« (von Jakob Arcadelt und Giulio Caccini). Das »Ave Maria« von Tomás Luis de Vittoria, das wie eine Liebeserklärung an die Mutter Gottes klang, interpretierte der Seeoner Frauenchor mit viel Gefühl im vierstimmigen Gesang mit zwei Sopran- und zwei Altstimmen. Schön aufeinander hörend und mit akzentuierten Einsätzen, waren auch ein Kanon sowie das Lied »Lobt Gott getrost mit Singen« von Adam Gumpelzhaimers wahre Seelenkitzler.

Segenreich abgerundet war die musikalische Stunde der Renaissance mit Werken von Heinrich Schütz: »Also hat Gott die Welt geliebt« und »Aller Augen warten auf ihn«, in denen im Sopran Petra Huber und im Alt Resi Mußner mit gut intonierenden, zusammenpassenden Stimmen mit Psalmversen begeisterten.

Geliebte Gewohnheit des Seeoner Kammerchors ist es, seine Konzerte mit den Zuhörern im gemeinsamen Singen ausklingen zu lassen. Das Lied »Geh' aus mein Herz und suche Freud« von Paul Gerhardt hätte zu diesem Anlass nicht besser passen können. Kirsten Benekam