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Schwitzkur auf der Alm

Berchtesgaden – Am liebsten würde Christoph van Bebber in der neuen Panoramasauna sofort den Ofen in Betrieb nehmen und einen ersten Aufguss genießen. Doch ganz so weit ist man noch nicht mit den Sanierungs- und Umbauarbeiten in der Watzmann Therme. Immerhin ist dem Geschäftsführer fünf Wochen vor der Wiedereröffnung die Vorfreude auf den 15. Dezember bereits anzumerken. Für den Thermen-Chef ist die neue Almsauna, die sich im Bereich der bisherigen Ruheräume befindet, eindeutig das Highlight des »neuen« Berchtesgadener Freizeitbads.

In vielen Bereichen gibt es bis zum 15. Dezember noch allerhand zu tun.

Den von einem Solarium ausgelösten Thermen-Brand am 16. Mai hat sich der damals erst seit 14 Tagen eingesetzte neue Geschäftsführer Christoph van Bebber am allerwenigsten gewünscht. Statt das Bad neu zu vermarkten, musste er es erst einmal wieder aufbauen. »14 Tage lang habe ich an einem neuen Konzept gearbeitet«, sagt van Bebber und ergänzt: »Ich konnte mir nicht vorstellen, den Gästen nach langer Schließungszeit ein unverändertes Bad anzubieten«. So konnte van Bebber gleich einmal seine eigene Handschrift einbringen – und so ist die Therme nun irgendwie auch »sein« Bad.

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Beim Rundgang ist dem Geschäftsführer allerdings anzumerken, dass eine Sanierung nicht in allen Punkten Spaß machen muss. »Die Brandschutzauflagen sind mittlerweile enorm«, sagt van Bebber. Nur mit großem Aufwand konnten diese erfüllt werden. An allen Ecken und Enden mussten neue Notausgänge geschaffen, Brandschutztüren eingebaut werden. Die Lüftungsanlage musste mit zusätzlicher Technik versehen werden. Etwa 250 000 Euro wird das kosten – wer dafür zu welchen Teilen aufkommt, ist immer noch nicht klar. Sicher ist nur, dass der Brandschaden selbst, der 1,2 bis 1,3 Millionen Euro beträgt, von der Versicherung getragen wird.

Am stärksten vom Brand betroffen war der gesamte Eingangsbereich des Bades. Die Sanierung wird hier gleichzeitig für eine Neuorganisation des Kassenbereichs genutzt. Der Schalter wird in der Mitte des Raumes angeordnet, sodass die Gäste beiderseits bedient werden können. Abgerechnet wird künftig ausschließlich beim Verlassen des Bads, ein eigener VIP-Zugang unter anderem für Besucher mit Mehrwertkarten soll das Passieren erleichtern. Einen Kassenautomaten, der oft defekt war, wird es nicht mehr geben. Im Kassenbereich gibt es bis zum Eröffnungstermin am 15. Dezember noch allerhand zu tun. Die Leitungen liegen noch frei, sie sollen demnächst hinter der neuen Akustikdecke verschwinden. Auch vom neuen Kassenschalter ist bislang noch nichts zu sehen.

Der alte Solariumraum im Erdgeschoss, in dem das Feuer ausgebrochen war, wurde verlegt. Eine Nachrüstung entsprechend der Brandschutzauflagen wäre hier zu aufwendig gewesen. Die Solarien befinden sich künftig in einem Teil des bisherigen Gymastikraums. Dort sind die Arbeiten schon fast abgeschlossen.

Ein Stockwerk höher ist der gesamte Erlebnisbereich noch voller Gerüste. Die stehen allerdings nur noch für die Maler, die derzeit die Decke streichen. Das bisherige Blau soll einem neutralen Weiß Platz machen. Das Gerüst wird wohl in Kürze »nasse Füße« bekommen, denn das Becken soll bald geflutet werden. »Wir müssen sehen, dass wir die Wasseraufbereitung in Schwung bekommen«, sagt Christoph van Bebber. Deshalb wird auch das Solebecken bereits befüllt. Die Leitungen werden mit Chlorlösungen gespült, um die hygienischen Anforderungen erfüllen zu können. Das Gesundheitsamt kann somit schon bald seine Prüfungen durchführen. Für den Gerüstabbau im Erlebnisbecken muss das Wasser später noch einmal abgelassen werden.

Teile der kaum genutzten Ruhezonen im Solebereich werden einer neuen Nutzung zugeführt. Die beiden neuen Räume mit Salzlichtbad und Solebrunnenbad sind schon fast fertig. Bei einer Raumtemperatur von 40 Grad lässt sich auf beheizten Granitbänken hier in Wohlfühlatmosphäre Wärme tanken.

»Nun kommen wir zum absoluten Höhepunkt«, kündigt Christoph van Bebber beim Baustellen-Rundgang mit leuchtenden Augen an. Tatsächlich macht schon der erste Blick in den neuen Saunabereich neugierig. Rustikales Altholz auf massiven Steinmauern erzeugt Almatmosphäre. Die Schwitzkur auf der Alm ermöglichen drei Kaser unterschiedlicher Größe und Aufmachung. Glanzstück ist die Panoramasauna mit freiem Blick auf Berchtesgaden. Das neue Angebot soll der Sauna wieder steigende Besucherzahlen bescheren, denn in den letzten Monaten vor dem Brand war doch ein starker Besuchereinbruch zu verzeichnen gewesen.

Altholz soll es auch im Gastronomiebereich der Sauna geben. Eine rustikale Sitzecke wird vor allem die einheimischen Stammgäste in geselliger Runde zusammenführen. Davon ist allerdings bislang noch nichts zu sehen, die Trennwände zum künftigen Ruhebereich, der am Standort der bisherigen Saunakabinen entstehen soll, müssen noch errichtet werden. Doch Christoph van Bebber ist überzeugt, dass man das bis zum 15. Dezember schaffen wird: »Es ist kein Spaziergang, aber es wird funktionieren«. Immerhin sind die beteiligten Firmen, die größtenteils aus dem Berchtesgadener Talkessel kommen, mit Ehrgeiz bei der Sache. Und auch die Teamleiter der Watzmann Therme bringen sich mit ihren Ideen in die Sanierung ein.

»Unsere Gäste werden ab 15. Dezember eine neue Badatmosphäre mit teilweise neuen Farben erleben«, kündigt der Geschäftsführer an. Das sanierte Bad kann dann freitags und samstags sogar bis 24 Uhr genutzt werden. Und so mancher wird vielleicht auch erfreut zur Kenntnis nehmen, dass Wasser- und Lufttemperatur um ein Grad angehoben werden. Schließlich hat van Bebber ein ehrgeiziges Ziel: 250 000 Eintritte im Jahr 2014. Das wären rund 20 000 mehr als 2012. Ulli Kastner