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Schubertiade beim Chiemgauer Musikfrühling

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Schlussapplaus für (von links) Anja Lechner, Daniel Rowland, Sergey Malov, Razvan Popovici, Maximilian Hornung und Diana Ketler. (Foto: Aumiller)

Zum ersten Mal in seiner 12-jährigen Geschichte glänzte der Chiemgauer Musikfrühling mit einer Schubertiade, die in der Klosterkirche Traunstein den Reigen der zehn Konzerte anführte.


Die künstlerischen Leiter Diana Ketler und Razvan Popovici überraschten auch diesmal mit der Zusammenstellung eines ungewöhnlichen Programms und der Präsentation erstklassiger Musiker, deren Zusammenspiel ein höchst kompatibles und zugleich unbeschwertes Miteinander kennzeichnete. Das ist besonders bemerkenswert, da die Trio- und Quartett-Formationen nicht von fixen Ensembles dargeboten wurden, was meist als unverzichtbares kammermusikalisches Credo gilt. Vielmehr fanden sich miteinander befreundete hochwertige Solisten ein, um zusammen zu musizieren und ihre offensichtliche Freude daran auf die Zuhörer überspringen ließen. Und das Ergebnis war stupend.

Schuberts selten zu hörendes Streichtrio B-Dur D 471 ist ein unvollendetes Fragment. Schon von den ersten Takten an ließen der Geiger Daniel Rowland, der Bratscher Razvan Popovici und der Cellist Maximilian Hornung verführerischen Klangzauber walten. Mit sensibler Finesse, in feiner Balance austariert, zeichneten sie die schlichten melodischen Linien und formten sie zum filigranen Kabinettstück.

Zu den Streichern Rowland und Popovici gesellten sich sodann die Pianistin Diana Ketler und die Cellistin Anja Lechner für John Harbisons Klavierquartett November 19, 1828. Der 1938 geborene amerikanische Komponist und Dirigent hatte hiermit eine Art Schubert-Memorandum in vier Sätzen geschrieben, in denen er in der »Introduction« Schuberts Todesstunde in Klang fasst, in der »Suite« Schubert in einem Spiegelsaal schildert, im »Rondo« an Fragmente von 1816 erinnert und in der »Fugue« Schuberts Kontrapunktstudien bei Simon Sechter versinnbildlicht. Es ist ein beeindruckendes Werk, voller Farbigkeit, von den vier Musikern berührend und exzellent dargeboten. Daniel Rowland siedelte es in seiner bildhaften Vorbemerkung in Schostakowitsch-Nähe an.

Zum weiteren Höhepunkt wurde Schuberts Quartettsatz c-Moll D 703, der ebenfalls Fragment blieb, aber dennoch aus dem Repertoire namhafter Streichquartette nicht wegzudenken ist. Daniel Rowland, Serge Malov, Razvan Popovici und Maximilian Hornung fanden hier zu einer ebenso expressiven wie verfeinerten Klangsprache, die Schuberts Melos mit kraftvoller Eleganz erblühen ließ und die melancholisch gefärbte Kantabilität in prägnanter Phrasierung auslotete. Jubel und Begeisterung der Zuhörer nahmen im Anschluss enthusiastische Formen an.

Bravi hatte es auch bereits nach den ersten beiden Auftaktstücken gegeben: bei der fragmentarischen Grazer Fantasie in C-Dur D 605 für Klavier solo und der attacca anschließenden posthumen Fantasie C-Dur D 934 für Violine und Klavier. Diana Ketler war ziemlich gefordert, die Facetten ihrer pianistischen Bravour aufzufächern. Die wenig bekannten Stücke erzeugten Entdeckerfreude bei den Zuhörern, erschienen in ihrem Melos aber eher untypisch für Schubert und das berührende Element blieb etwas hinter dem Staunen vor dem dramatischen Einsatz zurück. Sergey Malov fädelte aber dann gefühlszart romantische Linien ein, sich von hinten langsam mit geheimnisvoll klangformendem Bogeneinsatz ans Podium heranpirschend. Ein hübscher Effekt, dem er virtuose Kantilenen in differenzierter Tongebung und energetisch aufgeladener Intensität folgen ließ. Diana Ketler sekundierte am Klavier, manchmal jedoch die Geige mit ihren Bravourläufen übertrumpfend.

Der Eröffnungsabend verspricht bis kommenden Sonntag eine Reihe von außerordentlichen Folgekonzerten in Kloster Seeon, Traunreut und Traunstein. Elisabeth Aumiller