weather-image
14°

Schreiben lernen in einem Bus

0.0
0.0
Schreiben lernen in einem Bus
Bildtext einblenden
Nassir lernt zusammen mit anderen Kindern in einem Bus, wie man liest und schreibt. Foto: Marwan Naamani/dpa Foto: dpa

Schon seit acht Jahren herrscht im Land Syrien Krieg. Viele Familien sind in andere Länder geflohen, etwa in das Nachbarland Libanon. Dort müssen viele Kinder helfen, Geld zu verdienen. So geht es auch Nassir und seiner Familie.


Mit einem Bleistift schreibt Nassir immer wieder den gleichen Buchstaben. Langsam und konzentriert zieht er jeweils eine Linie, die in etwa wie eine liegende 6 aussieht. Dann setzt er einen Punkt darüber. Das ist in der Sprache Arabisch das Zeichen für den Buchstaben F. Auf seinem Blatt hat Nassir auch einen Schmetterling aufgedruckt. Der heißt auf Arabisch Farascha, beginnt also mit F. So weiß Nassir: Dieser Buchstabe ist ein F.

Obwohl Nassir schon elf Jahre alt ist, kann er noch nicht lesen und schreiben. Schuld daran ist der Krieg in seiner Heimat Syrien. Seit acht Jahren toben die Kämpfe in dem Land im Nahen Osten. Im vergangenen Jahr floh Nassirs Familie deshalb in das Nachbarland Libanon. »Manchmal träume ich nachts davon, dass ich wieder zu Hause bin, dort spiele und zur Schule gehe«, erzählt er.

Im Libanon wohnt die ganze Familie von Nassir in der Hauptstadt Beirut einem einzigen Zimmer. Die Familie ist sehr arm. Um beim Geldverdienen zu helfen, verkaufen Nassir und sein 14 Jahre alter Bruder Fardus jeden Tag Taschentücher. »Mein Bruder und ich arbeiten von 8 bis 17 Uhr auf den Straßen in der Nähe des Flughafens«, sagt Fardus. Toll findet er das nicht. »Wir würden die Straße gern für immer verlassen und zur Schule gehen.«

Den einzigen Unterricht bekommen Nassir und Fardus im Moment in dem Bus einer Hilfsorganisation. Der blau-weiß-lila Bus kommt einmal die Woche bei ihnen vorbei. Darin lernen sie zum Beispiel den Buchstaben F. Sie singen und malen und spielen auch - deswegen heißt der Bus auch Spaßbus. Nassir sagt: »Ich mag es, im Bus zu lesen und zu schreiben. Hier bin ich immer glücklich.«

Unter den vielen Kindern im Bus malt auch die neun Jahre alte Ilham. Sie floh schon vor fünf Jahren aus Syrien, als Terroristen in ihr Dorf kamen. »Ich hoffe, eines Tages wieder zu Hause zu sein«, sagt sie. »Dann werde ich wieder in unserem Haus leben und meine Schule und meine Mitschüler wiedersehen.«