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Projekt der Berchtesgadener Bergbahn AG nimmt Formen an – Gemeinderat genehmigt Abgrabungsmaßnahmen

Schon in zwei Jahren in Zehnergondeln auf den Jenner?

Schönau am Königssee – Eine komplett neue Seilbahn mit Zehnergondeln, eine neue Sechser-Sesselbahn unterhalb der Mittelstation, ein Kinderlandbereich mit zwei Teppichliften und Spielmöglichkeiten im Winter und im Sommer sowie verschiedene Pistenkorrekturen – es klingt beinahe futuristisch, was aktuell im Jenner-Skigebiet geplant ist. Doch das bis zu 35 Millionen schwere Projekt rückt tatsächlich in greifbare Nähe, wie man am Dienstag im Gemeinderat Schönau am Königssee erfuhr. Bereits in zwei Jahren könnten die neuen Anlagen in Betrieb gehen.

Beim Bau einer neuen Jennerbahn wird auch die alte Talstation nicht mehr benötigt. Die in die Jahre gekommenen Zweiergondeln werden durch zeitgemäße Zehnergondeln ersetzt. (Foto: Kastner)

Eigentlich ging es am Dienstag im Gemeinderat nur um den Bauantrag der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) auf Pistenkorrekturen und Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen des Jenner-Projekts. Dem stimmten die Gemeinderäte mit dem Dank an Bürgermeister Hannes Rasp und BBAG-Betriebsleiter Wilfried Däuber für ihr Engagement auch einstimmig zu. Spannend war aber vor allem die Präsentation des gesamten Projekts durch Däuber und Rasp.

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Däuber machte klar, dass im Rahmen des seilbahnrechtlichen Verfahrens vom Landratsamt noch geklärt werden müsse, ob der Bau überhaupt zulässig sei. Vor allem kommt es dabei auf das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung an. Es werden Antworten verlangt, wie der waldrechtliche und der naturschutzrechtliche Ausgleich erreicht werden können. Vor allem Letzter könnte problematisch werden, man hofft darauf, auf das Ökokonto der Marktgemeinde Berchtesgaden zugreifen zu können. »Auf jeden Fall werden wir alle Auflagen der sogenannten Kompensationsverordnung erfüllen und hier nicht tricksen«, versicherte Bürgermeister Hannes Rasp.

Tal- und Bergstation an alter Stelle

Ein weiterer Teil der Planungsarbeiten ist das baurechtliche Verfahren, in dem es um die Errichtung von neuen Tal- und Bergstationen inklusive Gaststätte geht. Für die beiden Stationen im Tal und am Berg läuft derzeit ein Architektenwettbewerb mit fünf Architekten, die Auslobung soll im Januar erfolgen. »Wenn das Ergebnis vorliegt, werden wir einen Bauantrag einreichen«, sagte Wilfried Däuber, der das Projekt detailliert vorstellte.

Von der ursprünglich geplanten Verlegung der Talstation in Richtung Parkplatz ist man abgerückt, nachdem die Grundstücksverhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hatten. »Die Talstation bleibt, wo sie ist«, sagte Däuber, allerdings als kompletter Neubau. Die neue Bahn wird mit 20 Stützen auskommen, bislang sind es über 40. Zum Einsatz werden Zehner-Gondeln kommen. Die haben den Vorteil, dass mit ihnen auch Euro-Paletten problemlos transportiert werden können. Theoretisch könnten damit bis zu 1 600 Personen pro Stunde befördert werden. Wilfried Däuber machte aber klar, dass man von einer Fahrgaststeigerung um rund 20 Prozent ausgehe. Dann würde man im Sommer an Spitzentagen bis zu 3 360 Personen und im Winter bis zu 1 800 Personen befördern. »Das Wesentliche ist aber, dass wir mit einer hohen Förderkapazität die Wartezeiten verkürzen«, sagte Wilfried Däuber.

Neu gebaut werden auch die Bergstation sowie die Mittelstation als Ersatzbau für die derzeitige Mittelstation, die abgerissen wird. Die neue Mittelstation soll ihren Platz unterhalb des neuen Beschneiungsweihers finden, oberhalb des Weihers wird ein eigenes Gebäude für eine Gaststätte errichtet.

Neue Sechser-Sesselbahn

Im Bereich der beiden Beschneiungsweiher finden die größten Veränderungen am Jenner statt. So kommt etwa an die Stelle der jetzigen Mittelstation die Bergstation für eine neue Sechser-Sesselbahn, die vor allem Kinder und Skianfänger nutzen werden, weil sie im relativ flachen Gelände verläuft. Zwischen den beiden Weihern werden zwei überdachte Teppichlifte als Zentrum des neuen Kinderlandes angelegt. Das Kinderland soll aber auch im Sommer genutzt werden können, vor allem durch Spielangebote an den Beschneiungsteichen. »Wir wollen hier aber kein Disneyland. Alles soll zum Nationalpark und zur Natur passen«, betonte Bürgermeister Rasp.

Nicht mehr benötigt wird die Jennerwiesenbahn, die abgebaut werden soll. Dagegen wird es im Mitterkaserbereich zu weiteren Investitionen kommen. Die komplette Mitterkaserbahn hinauf zur Bergstation wird erneuert. Hier sollen kuppelbare-Vierer-Sesselbahnen zum Einsatz kommen.

Spur für Skitourengeher

Im Zuge des Projekts wird es zu verschiedenen Pistenkorrekturen kommen. So ist an einer Engstelle im unteren Bereich der Talabfahrt eine Verbreiterung um sechs Meter geplant. Die Querfahrt soll von bislang sechs bis sieben Metern auf elf Meter verbreitert werden. Unterhalb der Querfahrt soll eine eigene Spur für Skitourengeher angelegt werden, die mit Pistengeräten auch gepflegt wird. »Unser Ziel ist es, dass wir irgendwann eine komplett eigene Aufstiegsspur für Tourengeher anbieten können, dann hätten wir sie von der Piste weg«, sagte Däuber. Weitere Geländekorrekturen sind im Bereich des Spinnerkasers, am Ausstieg der Mitterkaserbahn und am Mitterkaserweg notwendig, wo man wenigstens ein gleichmäßiges Gefälle schaffen will.

Der Zeitplan für die Realisierung des Projekts, den Bürgermeister Hannes Rasp vorstellte, ist sportlich. Die Rodungsarbeiten könnten demnach schon von November 2016 bis März 2017 erfolgen. Dann wäre der Seilbahnbau von April bis Dezember 2017 möglich. »Unsere Vision ist es, die Bahn im Dezember 2017 in Betrieb nehmen zu können«, sagte Hannes Rasp.

Die geschätzten Kosten für das Gesamtprojekt liegen mittlerweile bei 30 bis 35 Millionen Euro, wie Bürgermeister Rasp dem »Berchtesgadener Anzeiger« auf Nachfrage mitteilte. Die Finanzierung soll in etwa aus je einem Drittel BBAG-Eigenkapital, Fremdkapital (Kredite) und Staatszuschüssen erfolgen. Ulli Kastner