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Schöne Stimmen eröffnen die Mozartwoche

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Sesto (Dorothea Spilger) ist im Zwiespalt mit Vitellias (Katharina Bauer) Forderung. (Foto: Aumiller)

Mit der Oper »La Clemenza di Tito«, die die Güte des römischen Kaisers Tito Vespasiano verherrlicht, kehrte Mozart noch einmal zum Typus der opera seria zurück. Die Oper entstand gleichzeitig mit der »Zauberflöte«, die als Mozarts letzte Oper drei Wochen später zur Uraufführung gelangte. Die Titusoper war ein Auftragswerk zur Prager Krönung Leopolds II. zum böhmischen König. Die Güte des römischen Herrschers sollte als Spiegelfunktion dem neuen König Leopold huldigen, von dem man sich weisen Umgang mit der Macht erhoffte.


Das Handlungsgerüst bietet wenig Aktion, es geht vielmehr um leidenschaftliche Beziehungskonflikte. Somit findet das Geschehen überwiegend in der Musik statt und ist weitgehend dem gesanglichen Ausdrucksvermögen anvertraut. Das begünstigt eine konzertante Aufführung, wie sie zum Start der Bad Reichenhaller Mozartwoche im Königlichen stattfand.

In dem etwas komplizierten Geflecht der Liebesbeziehungen begehrt Vitellia, die Tochter des ehemaligen Kaisers Vitellius, Tito, dessen Liebe aber zunächst auf Berenice und dann auf Servilia, die Schwester Sestos zielt. Servilia ist indes mit Annio in Liebe verbunden und des Kaisers Freund Sesto wiederum liebt Vitellia, die ihm ihre Neigung zusichert, wenn er für sie und ihr eifersüchtiges Rachemotiv den Mord an Tito begeht. Im großen Zwiespalt zwischen Freundschaft und Liebe plant Sesto den Mordanschlag, der jedoch fehlschlägt, denn Tito überlebt. Sesto soll verhaftet werden. Inzwischen gibt Tito Servilia frei und wirbt um Vitellia, die sich jetzt als die Schuldige bekennt. Tito verzeiht und erlässt Sesto und Vitellia die Bestrafung.

Der Fortgang der Handlung findet in der Oper in den erzählenden Seccorezitativen statt, die man hier aber gestrichen hat, da sie ohnehin nicht von Mozart selbst komponiert wurden. So hat Wolfgang Lackner die Moderation übernommen und verband Arien und Ensembleszenen mit erklärenden Worten.

Christoph Adt und die Münchner Musikhochschule haben ein hervorragendes Ensemble junger Gesangsstudierender aus der Vokalschmiede von Fenna Kügel-Seifried zur Mozartwoche entsandt und die Zuhörer durften sich an den schönen Gesangsleistungen dieser »rising stars« erfreuen und Zeuge sein, dass hier vielverprechende Begabungen bereits zum Spurt in künftige Karrieren ansetzen. Dorothea Spilger hat sich die Rolle des Sesto einverleibt und glänzte mit sicherer Stimmführung, fokussierter und warm leuchtender Tonqualität und ausgeglichen in den Lagen. Die zwiespältige Gefühlsskala des Sesto machte sie mit differenziertem Ausdruck glaubhaft und ihre Arien zu persönlichen Höhepunkten. Mit der Arie »Parto, ma tu ben mio« – von Karin Nagel-Ulsamer mit einfühlsamem Klarinettenton begleitet – kann sie sich gleichrangig neben berühmten Rollenvertreterinnen hören lassen.

Die anspruchsvolle Partie der Vitella meisterte Katharina Bauer mit kraftvoll aufblühendem Sopran in den Höhen, ohne in den extrem tiefen Passagen zu forcieren. Im Ausdruck konnte Bauer der leidenschaftlichen Dramatik und Intensität der energischen Vitellia noch nicht ganz entsprechen, aber stimmlich bot sie eine bemerkenswerte Qualität. Danae Kontora war eine liebliche Servilia mit feinem Silberklang, berührendem Ausdruck und charmanter Bühnenpräsenz. Annio war bei Florence Losseau sozusagen in besten Händen. Ihr Mezzo klang dunkel füllig, gut fokussiert und auch ausdrucksstark.

Tito fand in Attilio Glaser einen hervorragenden Interpreten. Er führte seinen Tenor wortdeutlich, leicht ansprechend, klangvoll leuchtend und dem Wortgehalt verpflichtet. Carl Rumstadts Bass schließlich brachte die dunkle Basisfarbe ins Ensemble und war ein verlässlicher und sympathischer Publio. Adt begleitete und lenkte mit dem Orchester in schönem Mozartspiel, wohltönend und mitfühlend. Die Dramatik des Kapitolbrandes war, trotz des guten Einsatzes der Gesangsssolisten, allerdings nicht so ganz vorhanden, wie auch die Chorpassagen orchestral kein Thema waren.

Insgesamt ein ansprechender Opernabend, schön musiziert und gut gesungen. Ein Freude zum Zuhören. Elisabeth Aumiller