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Schnell, witzig und intelligent

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Die Darsteller (von links) Michael Gumpinger, Christine Sittenauer, Monika Eßer-Stahl und Tobias Zettelmeier bei der Aufklärung eines vom Publikum gewünschten Mordfalls. (Foto: Heel)

Traunreut hat es gut. Hat keine Probleme außer dem Schnee. Das ergab jedenfalls eine Umfrage unter den Zuschauern im vollbesetzten Studiotheater des k1, durchgeführt vom Münchner Improvisations-Theater »Fast Food«, das dort sein Programm »Best of Life« aufgeführt hat.


Wem der Begriff nichts sagen sollte: Bei dieser Form des Theaters entstehen alle Szenen spontan auf der Bühne, ohne Regisseur, Textbuch oder Absprache zwischen den Schauspielern. Stattdessen werden die Zuschauer aufgefordert, Themen oder Begriffe zu nennen, die das Ensemble dann auf der Bühne umsetzt, meist unterstützt von einem ebenfalls improvisierenden Musiker.

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Mitmachen (und Mitlachen) waren also angesagt, nachdem die Akteure Monika Eßer-Stahl, Christine Sittenauer und Tobias Zettelmeier eingangs einige Zuschauer nach Vornamen, Sternzeichen oder Lieblingsfarbe gefragt hatten. Danach ging es in rasendem Wechsel weiter, einer zählte den Countdown, und dann: Action. Entwickelten die Schauspieler aus Stichworten wie Hunger einen Schlagabtausch zwischen einem Bestatter und einer Gynäkologin oder, nach einer Zahl, einem Körperteil und einem Unwort gefragt, eine aberwitzige Szene um 17, Arm und Trump. Stets begleitet von Michael Gumpinger am Piano, der mit seinem furiosen Spiel das Geschehen so einfallsreich wie vital vorantrieb.

Nach Filmgenres gefragt, konnten die Zuschauer anschließend miterleben, wie man Science Fiction und Rosamunde Pilcher unter einen Hut bringt: ein zehn Minuten währendes, komplett durchgeknalltes Melodram um Geschwisterliebe, Spionage und Rettung in letzter Minute, angesiedelt zwischen Oberpfaffenhofen und Cornwall. Und wo bleibt Traunreut, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Nun, da durften die Zuschauer mit Christine Sittenauer zunächst eine Kriminalkommissarin ins Leben rufen, die hier einen besonders schrecklichen Mordfall aufzuklären hatte. Genauer gesagt: Einen Dreifachmord aus Eifersucht. Dass die Spur dabei ins Rathaus führte, nun ja. Und was bewegt oder ärgert die Traunreuter sonst noch? Eigentlich nur der Schnee, war die erstaunliche Antwort. Ob damit auch der Stoff gemeint war, den Zettelmeier mit eindeutiger Geste seiner Nase zuführte, blieb dabei allerdings offen.

Das Beste kam allerdings erst zum Schluss. Da musste Zettelmeier erraten, welche Erfindung er gemacht hatte. Zu diesem Zweck wurde er in Begleitung eines Zuschauers vor die Tür geschickt, während sich das Publikum mit den beiden anderen Darstellern darauf einigte, dass Zettelmeier ein nicht tropfendes Honig-Toastbrot erfunden habe. Wieder zurück, wurde er von Monika Eßer-Stahl dann mittels Handpantomime solange »bearbeitet«, bis er zum Erstaunen des Publikums tatsächlich die Lösung fand. Danach schien eine Steigerung kaum mehr möglich, doch nach einem Thema für einen Song befragt, wünschten sich die Zuschauer: Zahnbürste! Und schon legten die drei los: Monika Eßer-Stahl gab sich klassisch, Christine Sittenauer im Stil von DJ Bobo, doch den Vogel schoss wieder einmal Zettelmeier ab. Mit seinem Reggae-Song »Col-ga-te«, verknüpft mit wilden Tanzbewegungen, entfachte er wahre Begeisterungsstürme. Schluss- und Höhepunkt eines Abends, der einfach nur Spaß machte. Wolfgang Schweiger

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