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Schlüssel zur wahren Glückseligkeit?

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Martin Fogt und Silke Aichhorn im Traunsteiner Kulturzentrum. (Foto: Heigl)

Ob es stimmt, dass wir aus dem Nichts kommen und wieder in das Nichts gehen, wenn wir sterben, oder ob alles ganz anders ist, darüber macht sich die Menschheit seit eh und je Gedanken. Mit dem eigenen Ableben befasst man sich aber dennoch nur ungern. Wer erlebt hat, wie lange er braucht, bis er endlich eine Vorsorgevollmacht ausgefüllt hat, die sich mit dem »Worst Case«, unserer Nichtexistenz, beschäftigt, und es dann nach Jahren endlich tut, weiß, wie befreiend dieser Schritt sein kann.


Silke Aichhorn, Harfe, und Martin Fogt, Sprecher beim Bayerischen Rundfunk, präsentierten den Zuhörern im Saal des Traunsteiner Kulturzentrums auf zweierlei Art das Thema »Tod und Sterben« mit einer sorgfältigen Auswahl an Musikstücken und Texten unter dem Motto »Denn es will Abend werden«. Martin Fogt hatte zum Thema »Tod und Sterben« befreiende, läuternde, philosophische, aber auch heitere Literatur im Gepäck. Tucholsky etwa verfasste eine Satire auf seinen eigenen Leichenzug, Mascha Kaleko dichtete »Ich gehe langsam aus der Zeit heraus«, und Mozart schrieb in einem Brief an seinen Vater, er sei sich sicher, dass der Tod der Endzweck des Lebens ist, und gleichzeitig der Schlüssel zur wahren, Glücksseligkeit. Mozart legte sich nie ins Bett ohne daran zu denken. Sind wir wie ein Samen, der in die Erde fällt, um sich wieder zu verwandeln, wie Michelangelo philosophierte? Zur »Allnatur hin«, wie es der Philosoph Marc Aurel formulierte?

Neben den sorgfältig und klug ausgewählten Kompositionen »Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit«, von Johann Sebastian Bach oder »Lacrimae« von John Dowland und vielen anderen Musikstücken brachte Silke Aichhorn auf ihrer, wie immer virtuos und berührend gespielten, Harfe auch einen modernen Komponisten zu Gehör. Mit ihrer Interpretation von »Life is flashing before my eyes« von Alexander Vesje für Harfe und Tape zeigte die Musikerin, was für spannungsgeladene, mächtige Töne in der Harfe auch noch wohnen. Mit der Zugabe »Staad wern«, komponiert von Karin Schroll, die am Hochberg zu Hause ist, verabschiedeten sich die facettenreiche Harfenistin und ihr sympathischer Duopartner Martin Fogt vom Publikum, das gar nicht so schweren Herzens nach Hause ging, wie man nach so einer Veranstaltung vermuten könnte.

Die nächste Veranstaltung der bis in den Februar hineinreichenden Reihe »Tod und Sterben«, in Kooperation mit der Traunsteiner Stadtbücherei, findet am Freitag um 18 Uhr im Traunsteiner Rathaussaalmit Alois Glück, dem Vorsitzenden des Netzwerks Hospiz in Südostbayern, und Gian Domenico Borasio, einem der führenden Palliativmediziner Europas, statt.

Barbara Heigl