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Verschimmelte Lebensmittel in großen Mengen – Anklage am Amtsgericht – Neuer Termin

Schlimme Zustände in Bischofswieser Pension

Bischofswiesen – Verschimmelter Schweinebraten, verschimmeltes Brot. Verfaulte Paprika, aufgeblähte Packungen. Längst abgelaufene und bei Zimmertemperatur gelagerte Lebensmittel...

Foto: Symbolbild, pixabay

Die Liste der Kontrolleure nach ihrem Besuch in der Bischofswieser Pension ist lang. In Laufen angeklagt sind deswegen ein 30-jähriger Schönauer und seine 61-jährige Mutter. Die verdorbenen Lebensmittel seien allesamt für den Müll vorgesehen gewesen, behauptete der Sohn, während die Mutter mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben will. Um die Hintergründe zu klären, setzte Richterin Mona Peiß die Verhandlung aus. Zu einem neuen Termin werden weitere Zeugen geladen.

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Von 2011 bis Oktober 2013 betrieben Sohn und Vater die Hotelpension in Bischofswiesen. »Das Hotel ist nicht gut gelaufen«, begründete der 30-Jährige, weshalb man einen »bestimmten Stamm an Festmietern« beherbergt habe. Die waren teilweise von der angeklagten Mutter betreut und versorgt worden. Die beschrieb sich selbst als »normale« und daher unbeteiligte Mieterin. Der Vater habe sich angeblich um den täglich »frischen« Einkauf gekümmert. Er selbst habe das Frühstück zubereitet, erklärte der Sohn. An diesem 17. September 2013 – dem Tag der Kontrolle – sei man bereits beim Zusperren gewesen, und die verdorbenen Lebensmittel wären allesamt für den Müll bestimmt gewesen.

Ins Rollen war die Geschichte gekommen durch die Beschwerde eines Gastes, der die Zustände als »messi-artig« und extrem unhygienisch beschrieben und etliche Beweisbilder vorgelegt hatte. Nur einen Tag nach Eingang der Meldung war ein Team der Lebensmittelkontrolle vor Ort gewesen. Und fand es wie geschildert vor. Ihren Niederschlag fand die ellenlange Liste in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Manche Lebensmittel datierten aus dem Jahr 2010. Zahllose Bilder im Gerichtssaal zeigten die Zustände in der sogenannten Hauptküche und hinter der Bar, wo gekocht worden war.

»Am Tag der Kontrolle war das Hotel definitiv noch in Betrieb«, berichtete der Lebensmittelkontrolleur im Zeugenstand, Gäste und Frühstücksbuffet waren vorhanden. Schon eine Kontrolle im Jahr 2011 hatte »ähnliche Zustände« zutage gebracht, wie Richterin Mona Peiß anhand der Bilder von damals feststellte. »Zwei Jahre später hat sich dies widergespiegelt«, bestätigte auch der Kontrolleur.

»Die Bilder zeigen doch deutlich, dass die verdorbenen Lebensmittel teilweise in Regale einsortiert waren«, erachtete Staatsanwalt Dr. Christian Liegl die Geschichte von der bevorstehenden Entsorgung für unglaubwürdig. »Nicht erkennbar zur Entsorgung bestimmt«, pflichtete dem der Zeuge bei, der am Folgetag und wenig später erneut am Ort war. Der Aussage der Mutter, man habe gleich am 17. alles weggeworfen, widersprach der Prüfer.

Liegl deutete an, dass er entweder weitere Zeugen in dieser Sache hören möchte, andererseits aber eine Geschichte aus dem Jahr 2013 nicht »zu hoch hängen« möchte. Rechtsanwalt Dr. Hubert Starflinger erschien die Sache eindeutig: »Meine Mandantin – die Mutter – hat damit nichts zu tun, daher Freispruch.« Einer vom Staatsanwalt angedeuteten Verständigung werde er jedenfalls nicht zustimmen. Liegl dagegen machte deutlich, dass für ihn ein Freispruch nicht infrage komme.

»Ich breche an dieser Stelle ab«, beendete Peiß die Debatte und die Verhandlung, denn auch aus ihrer Sicht braucht es eine »umfangreichere Zeugeneinvernahme.« Weil Peiß jedoch demnächst zur Staatsanwaltschaft wechselt, wird ein anderer Richter die Sache wieder ganz von vorne aufrollen. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Hannes Höfer